Endlich wieder Valencia!

Der Sonntag in Valencia war toll. Ich hatte einst den leichten Plan mich am Morgen in der Stierkampf-Arena nach einem Fahrrad umzusehen. Da ist jede Woche Flohmarkt. Da ich mich spontan aber dann doch für ausschlafen entschieden hatte, war der Morgen nahezu rum als ich aus dem Bett kroch. Also traf ich mich schlicht mit Isabel in der Stadt und erkundete diese ein wenig. Wir kamen durch Zufall (hatten nicht wirklich ein Ziel) auf einen Markt, auf dem man hauptsächlich Haustierbedarf und zugehörige Haustiere bekam. (Deutsche Tierschützer hätten dort diverse Schlaganfälle erlitten.) Wir waren außerdem am Hafen, was ja bei mir um die Ecke ist. BTW: Ganz Valencia lebt scheinbar nur noch für den America’s Cup. An jeder Ecke trifft man den. Auf Stadtplänen steht nicht “Port”, sondern “Port America’s Cup” im Hafenbecken, Straßenschilder wurden ergänzt, ja sogar die Gullideckel in der Gegend des Hafens tragen das entsprechende Logo. Und natürlich ist der ganze Hafen voll damit. Wir sahen uns ein bisschen um. Wirklich interessant. Wir wollten uns mal umhören, ob man da vielleicht noch als Freiwilliger Helfer mitmachen kann. Zu der Zeit (Juli nächstes Jahr) sind wir ja vermutlich noch hier und das wäre sicherlich sehr interessant.

Um halb fünf etwa kam Jonas nach hause, also war ich zu dieser Zeit auch wieder dort um ihn reinzulassen, denn seine Freundin hatte mir ihren Schlüssel gegeben. Nachdem wir dann beschlossen hatten wer welches Zimmer bekommt und beide ausgepackt hatten, hatte er die Idee gemeinsam was zu abend zu essen. Da unsere Spanierin - wie schon am Abend davor - aufe Rolle wollte, blieben nur wir beide und wir stellten sehr schnell fest, dass wir sowohl kaum Essbares im Haus als auch Sonntag hatten. Also wollten wir auswärtig essen gehen. Jonas meinte (woher auch immer er das wusste), dass es ein Stück die Straße runter ein großes Einkaufszentrum gibt. Wir gingen hin und das Teil ist wirklich beeindruckend. Zwei Etagen Mode, zwei Etagen Essen, zwei Etagen anderes. Auch ein großer Supermarkt ist vertreten. Grad mal fünf Minuten zu Fuß von meiner Haustür. Sehr krass aufgebaut, das Gebäude, und man hat eine feine Aussicht auf die “Cuidad de las Artes y las Ciecias” - Stadt der Künste und der Wissenschaften (die ich im Folgenden nur noch mit CAC abkürzen werde, weil der Name so arg lang ist). Direkt gegenüber ist außerdem ein mindestens zehnstöckiger “El Corte Ingles”. Quasi DAS Kaufhaut in Spanien. Wenn man etwas sucht und nirgendwo bekommt… da krieg man es. In Valencia Innenstadt stehen schon drei davon und außerhalb nochmal einige weitere (zwei bei mir in der Nähe). Und die haben alle so 5-10 Etagen. Diese Läden gelten als relativ teuer, aber man bekommt halt wirklich so ziemlich alles, was es für Geld zu kaufen gibt.

Nachdem Jonas und ich also im “El Aqua” (so hieß das große Einkaufszentrum; schlicht “das Wasser”; das gab’s da auch reichlich in diversen Springbrunnen) was gegessen und erneut die Aussicht (diesmal im Dunkeln) genossen hatten, machten wir noch ein paar Schritte um die weitere Umgebung zu erkunden. Wir gingen ein bisschen in Richtung CAC und dort das Turia-Flussbett entlang. Der/Die Turia ist ein Fluss, der mal durch Valencia floss (oder vermutlich eher: an dem Valencia entstanden ist). Man könnte meinen, er sei schlicht ausgetrocknet. Das wäre in Spanien irgendwie nicht verwunderlich. Aber nein, man hat ihn künstlich um die Stadt herumgeleitet, weil er einst über die Ufer trat und halb Valencia unter Wasser stand. Das ehemalige Flussbett ist nun auf jeden Fall ein Park, der sich durch die ganze Stadt zieht. Sobald ich ein Fahrrad habe, werde ich ihn in seiner vollen Größe erkunden. Wir sahen an diesem Abend “nur” den Abschnitt entlang der CAC (die ist nicht so klein), aber schon das war beeindruckend. Zusammen mit den Impressionen, die in meiner ersten Woche Valencia auf mich einwirkten, sammelte die Stadt an diesem Abend massig Pluspunkte. An dem Tag, an dem ich nach Valencia zurückkehrte, fühlte ich mich nicht so arg wohl dort, aber an dem Abend und dem Tag danach (s.u.) merkte ich erneut, was für eine coole Stadt das ist, in die es mich da verschlagen hat. Sie hat so viel zu bieten, man kann so viel sehen, so viel erleben. Ich bin froh, dass ich ein Jahr für all das Zeit habe, sonst würde ich mich gestesst fühlen. :) Speziell das Turia-Dings und die CAC muss man gesehen haben. Ich bin nicht ganz sicher, was in der CAC alles los ist. Es sind mehrere, sehr futuristisch anmutende Gebäude, die verschiedenes enthalten. Aber allein schon daran vorbeizulaufen ist ein Erlebnis. In ein paar Monaten vielleicht noch mehr, denn man ist noch an verschiedenen Stellen am bauen. Jonas meinte zu einem Gebäude, es sei erst vor wenigen Monaten fertiggestellt worden. Also echt noch was richtig Neues. Ich denke, jeder, der mich besucht, wird das zu sehen kriegen. Auch weil dieses Teil, was man auf jeder zweiten Postkarte aus Valencia sieht, halt direkt vor meiner Haustür liegt. :)

Am nächsten Tag (Montag) traf ich nach und nach meine Clique aus Gandia auf dem Campus wieder. Wir aßen etwas zusammen und beschlossen dann mal gemeinsam zu einem großen Einkaufszentrum in meiner Nähe zu gehen. Ja, ich dachte in diesem Moment an das “Aqua”, aber die Rede war von einem anderen. “El Saler” (kein Schimmer, ob das was heißt) liegt am gegenüberliegenden Ufer des Turia und ist vermutlich größer als das Aqua. Es hat nur drei Etagen, hat aber weit mehr Fläche. Außerdem besteht es aus wenigen großen Geschäften und nicht wie das Aqua aus vielen kleinen. Wir verbrachten den ganzen restlichen Tag im Saler und kaufen etwas Kleinkram für die Wohnung. Auch dieses Event trug dazu bei, dass ich Valencia in einem noch besseren Licht betrachte als zuvor. Der Heimweg dagegen war nicht so der Bringer. Isabel und Beatrice nahmen den Bus, der vor der Tür vom Saler abfuhr, Sandra wollte ein Stückchen zu einer anderen Haltestelle laufen. Heta-Mari und ich beschlossen zu laufen, weil wir nicht weit weg wohnten… theoretisch. :) Wir hatten den Stadtplan konsultiert und eine schöne kurze Route ausgemacht. Das Problem war, dass eine fette Straße, die wir nehmen wollten, gesperrt war, was wir nicht recht registrierten und deshalb schlicht die nächste nahmen. Als wir merkten, dass wir falsch waren, war schon gut Zeit vergangen und da wir uns da bereits ziemlich genau im Nirgendwo befanden, gab es nur den gleichen Weg zurück. Wir kalkulierten unsere Route aufgrund der näheren Informationen neu und liefen trotzdem noch ein paar Wege zuviel, weil wir den Turia-Park vor der CAC durchqueren mussten, der sich zu dieser Zeit erstaunlich stark wie ein Irrgarten anfühlte. Letztendlich waren wir vermutlich über eine Stunde unterwegs (wären wir doch einfach den Weg zurückgegangen, den wir gekommen waren) bei gerade mal 34°C oder so. Und ich hatte schon als wir losliefen keinen Bock mehr zu laufen (dafür Hunger und Durst).

Trotz all der Anstrengung und der Kilometer, die ich in den letzten Tagen mal wieder gelaufen bin - nicht wenige davon über den Campus (s.o.) - waren die letzten Tage echt nicht verkehrt. Ich freue mich darauf die Stadt noch weiter erkunden zu können (mit Fahrrad und/oder anständigem Bus-Ticket… für das ich meinen Studentenausweis brauche).

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