Wie lang ist wohl eine spanische Minute?
Ich habe das erste Wochenende, das ich komplett in Valencia verbracht habe, hinter mir. Es war ein sehr teures Wochenende, aber es war außerdem sehr cool. (Der Artikel ist “etwas länger”, ich weiß. Aber es lohnt sich.)
Nachdem ich am Mittwoch endlich meinen Uni-Kram geregelt hatte, bin ich Donnerstag eiskalt den ganzen Tag zu hause geblieben um ein klares Zeichen zu setzen, dass ich diese Woche nicht mehr hin muss.
Freitag traf ich mich mit meinem Mentor, der mir zwar klar machte, dass er keine Ahnung von unseren Vorlesungen hat, mir bei der Gelegenheit aber sein neues Notebook vorführte. Er hat sich extra ein richtig fettes gekauft (Grafikkarte mit 512MB Speicher z.b.) um unter Ubuntu alle möglichen wichtigen Funktionen nutzen zu können. Wenn er beispielsweise Fenster verschiebt, baumeln die wie aus Wackelpudding am Mauszeiger, alles ist teil-transparent und überhaupt eine einzige Spielerei.
Nachdem ich das hinter mir hatte, ging ich mit Beatrice, Isabel und Heta-Mari zum Strand - quasi so “mal eben nach der Uni” (muhaha). Leider war schon ziemlich bald die Sonne hinter diversen Wolken verschwunden und wir gingen wieder heim.
Abends war unser StudiVZ-Treffen. In der Gruppe “Erasmus en Valencia 2006/07″ wurde dieses organisiert. Sehr coole Aktion. Um 23 Uhr trafen wir uns auf dem “Plaza de la Virgen”, einem tierisch schönen Platz mitten in Valenca (gebt es mal bei Google-Earth ein oder so). Umschlossen von Gebäuden wie der Kathedrale, coole Atmosphäre und gar nicht wenig los (auch ohne unser Treffen). Wir kamen mit 10 Leuten oder was dort an und setzen uns mitten auf den Platz, damit uns ja niemand übersah. Die Skater waren davon vermutlich nicht so angetan, aber wir hielten das für ne gute Idee. Mit der Zeit wurden wir dann mehr und mehr. Ich würd sagen, zu Spitzenzeiten könnten wir so um die 100 gewesen sein. Es waren halt Leute vom StudiVZ da (Die Gruppe hat fast 200 Mitglieder.) und Leute, die diese Leute mitgebracht hatten. Jeder hatte was zu trinken dabei und wir saßen bis zwei Uhr oder was dort rum. Zwischendurch kamen immer mal wieder Leute vorbei, die Geld oder was zu trinken haben wollten (teils auch was dafür aufführten) und einmal gab’s sogar ne richtige Show von zwei Typen, die nochmal unheimlich viele Leute anlockte. Zu der Zeit war der Platz wirklich voll. Ich hoffe, das wird auf den Fotos etwas deutlich. Die Polizei war auch mal da. Eigentlich ist es in Valencia nämlich verboten in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken. Da haben die diverse Augen zu gedrückt. Es hätte zwar auch pure Fanta Lemon in meiner Flasche sein können, aber die wussten schon, was wir da machten. “Botellon” nennen die Spanier unsere Aktion (von botella = Falsche). Um zwei Uhr hatte die Polizei dann allerdings genug, rückte mit ein paar Leuten mehr an, die schon die Rausschmeiß-Handschuhe an hatten, und haben uns erstmal freundlich gebeten nun doch bitte zu gehen. Das taten wir dann auch und leider hat sich die Gruppe dadurch in alle Himmelsrichtungen verstreut. Was uns (den Menschen in meiner Umgebung) aber ganz recht war, denn wir wollten eh nach hause. Ich nahm mir ein Taxi (leider alleine), was meinen Heimweg wohl so von 60 auf 10 Minuten reduzierte und mich grad mal 6 Euro kostete. Das war’s mir wert.
Am Samstag hab ich über den Tag hinweg nichts Großes gemacht, quasi gefaulenzt. Die StudiVZ-Menschen wollten an dem Morgen ein Beachvolleyball-Spiel organisieren, allerdings fing es schon in der Nacht an tierisch zu regnen. Und das ging dann den ganzen Samstag so weiter. Unglaublich, was da an Wasser runterkam. Man konnte nicht wirklich gut irgendwas unternehmen, was implizierte die Wohnung zu verlassen.
Abends - zum Glück - besserte sich das, denn Heta-Mari hatte uns eingeladen an einer “Fiesta de la cerveza” (Bier-Fete) teilzunehmen, die ihr Mentor mit ein paar Kumpels veranstalten wollte. Also trafen wir uns (ohne die Spanier) bei ihr, gingen erstmal etwas umher um ein Restaurant zu finden, was zu essen und uns dann mit ihnen zu treffen.
Wir fanden nach einiger Zeit ein spanisches Restaurant, das in erster Linie laut war, denn eine Gesellschaft von 20 Leuten oder so schien dort irgendwas zu feiern. Das mit dem Bestellen war etwas kompliziert, weil keine Speisekarte existierte. Wir wurden zugeredet mit unbekannten Vokabeln und entschieden uns dann für eine Paella. (Genau, das Wort kannten wir.) Da die Zubereitung dieser etwa ne halbe Stunde in Anspruch nehmen sollte, brachte man uns vorher noch ein paar Leckereien wie Brot mit Olivenöl, Shrimps und Kartoffeln. (Ein weiteres Problem, wenn keine Karte existiert, ist, dass niemand weiß, was man hinterher bezahlen wird.) Hier wurde zum ersten Mal deutlich, dass spanische Minuten deutlich länger sein müssen als die, die wir so kennen, denn die Paella dauerte letztendlich locke ne volle Stunde. (Nach etwa 40 Minuten wurde uns versichert, dass es in fünf Minuten soweit sein werde.) Für Isabel war das Restaurant generell nicht so der Hit, denn Vegetarier scheinen in Spanien echt exotisch zu sein. Dem Kellner war nicht klar, dass einem solchen nicht geholfen ist, wenn eine Paella (wie in Valencia scheinbar üblich) lediglich Huhn enthält. Sie bestellte sich also einen (vegetarischen) Salat. Dieser bestand hauptsächlich aus Thunfisch mit Zwiebeln - meiner Ansicht nach für Vegetarier auch mehr als grenzwertig. Ich glaube, Isabel wird in Zukunft nicht mehr so den Spaß daran haben spanische Restaurants aufzusuchen. Nach dem Essen ist sie dann auch nach hause um sich was zu essen zu machen.
Außerdem klang ihr der Plan von Heta-Maris Mentor doch etwas zu sehr nach Ausländische-Studentinnen-Abschleppen. Prinzipiell war das auch nix anderes, jedoch natürlich in einer harmlosen Variante, sonst würde die Geschichte hier enden.
Wir (Heta-Mari, Beatrice, Karina (Mitbwohnerin der beiden; Dänin), Sandra und ich) trafen die Spanier an einer Kreuzung, wo sie zu acht mit vier Autos standen. Bisher wussten wir nur, dass es eine Party geben sollte. Nun wurde uns gesagt, dass diese etwas außerhalb läge. Zitat: “15 Minuten von hier.” Wir hätten es besser wissen sollen, denn wir wussten ja nun schon, wie lang spanische Minuten so dauern können.
Die Jungens waren echte Organisationstalente. Bis der Plan endlich existierte, wer in welchem Auto sitzt, vergingen Ewigkeiten. Auf dem Weg dann kam ihnen die Idee, man könnte ja mal was zu trinken kaufen (das Anti-Alkoholische zum Mixen; richtigen Stoff gibt es ja so spät nicht mehr) und als wir an der Location ankamen dauerte es auch noch locker ne Stunde bis die “Party” losging. (Klar, nur Idioten stellen das Bier schon vor Partybeginn kalt.) Natürlich fuhren wir länger als 15 Minuten (30 etwa). Man sagte uns, das wäre, weil wir kolonnengedingt so langsam gefahren wären. Janee… is klar. Die Mädels waren zu dieser Zeit bereits ein wenig angepisst, weil diese Typen schon zum zweiten Mal sowas abzogen (das erste Mal in Gandia, als ich leider schon abgereist war). Hinzu kam, dass jeder von denen auf all das vorbereitet war, nur wir halt nicht. Die hatten Zeug zum Übernachten da (was wir nicht vor hatten) und auch was Warmes zum Anziehen (es war nämlich saukalt so weit draußen). Also das Anwesen (ja, man muss es so nennen), wo wir da waren, schien schon echt protzig. Die Typen waren wohl alle recht gut betucht. Hatten neue Autos (man lies auch während des Einkaufs an der Tanke mal lässig den Motor laufen) und scheinbar auch ausreichend Geld für alle Arten von (sanften) Drogen. Außerdem klingt es schon nach Geld, wenn man in Valencia ne Studenten-Wohnung hat, obwohl die Eltern (die natürlich nicht da waren) nur “15 Minuten” entfernt wohnen.
Also die Zeit dort selbst war in Ordnung. Wir saßen draußen vor dem Haus (drinnen hätten wir ja was dreckig gemacht), tranken und erzählten. Das war schon witzig und das obwohl die Spanier etwas enttäuscht zu sein schienen, dass sie nicht nur weibliche Personen zu Besuch hatten.
Man erzählte uns, dass man schon die letzte Nacht durchgemacht hätte und deshalb nicht mehr ganz fit sei (vielleicht waren die deswegen so brav).
Das Problem bestand wie gesagt einzig und allein darin wieder nach hause zu kommen. So gegen vier meinte Karina, die müsse um zehn zu hause sein um Medizin zu nehmen. Da die Jungs ja längst nicht nach hause wollten, wurde also ein Taxi gerufen. Was wir bisher nicht bedacht hatten: Wir waren zu viele für ein Taxi. Schlecht. Auch schlecht war, dass kein Taxifahrer dieser Welt das Haus dort gefunden hätte. Also entstand der Plan das Taxi an der nächsten nennenswerten Straße zu erwarten. Die Zeit bis zur Ankunft dessen wurde mit 40 Minuten beziffert…
Zunächst aber stand die Disskussion an, wer denn fahren wolle. Heta-Mari wollte bleiben (kein Schimmer, warum), Beatrice wollte keine Unsummen für ein Taxi ausgeben (verständlich) und Sandra war hin und her gerissen, blieb dann aber auch. Die drei hatten also die Idee bis zum nächsten Morgen (der ja nicht mehr so arg weit weg war) zu warten und sich dann wieder nach Valencia bringen zu lassen. Ich entschied mich dafür mit Karina zu fahren. Zum einen wollte ich nicht, dass sie alleine fährt (und das Taxi alleine bezahlen muss) und zum anderen spielte ich mit dem Gedanken am Sonntag Morgen in Valencia auf dem Flohmarkt nach einem Fahrrad zu sehen. Dass es dafür bereits zu spät war, wusste ich zu dieser Zeit noch nicht. (Jonas erzählte mir später, er hätte um 5:30 Uhr dort ein Fahrrad erstanden (ja, sein zweiter Versuch). Kurz danach wär Schicht gewesen.) Mir war nicht ganz wohl bei der Sache die drei dort zurückzulassen, aber die Spanier waren abgesehen von ihrer Oberflächlichkeit und der Tatsache, dass wir ihnen offensichtlich völlig egal waren äußerst brav gewesen und alle hätten ja auch nicht ins Taxi gepasst.
Man fuhr Karina und mich also nach einer Weile zum Taxi-Treffpunkt und wartete mit uns… und wartete… und wartete. Es kam kein Taxi. Man rief an und erklärte nochmals den Weg. “Der hat sich verfahren. Kommt jetzt zurück und ist in 20 Minuten hier.” Oh Gott; und auch noch spanische Minuten. Unsere Begleiter wollten da nicht warten, sondern noch eben wieder zurück zur Party. Wir natürlich mit. Nach unglaublicherweise kaum mehr als 20 Minuten standen wir erneut da unten… Kein Taxi kam. Ein weiterer Anruf, dann der Plan das Taxi in der “Stadt” abzufangen. Wir fuhren also noch ein Stück bis es sogar ein paar Häuser gab und dort stand dann das Taxi. Auch dieses brauchte etwa ne halbe Stunde bis Valencia (wer hätte es gedacht) und nahm uns dafür 43 EUR ab. Nun gut, wir hatten uns das frühe zu-hause-sein teuer erkauft, aber wie sich später rausstellte, hatten auch die anderen kein Geld gespart.
Als ich wieder in Valencia war, rief ich direkt mal Isabel an (nicht, weil ich gemein bin, sondern weil sie mit zum Flohmarkt wollte und das so abgesprochen war). Es war ja schließlich auch schon nach sieben Uhr. Als wir dann gegen acht auf dem Flohmarkt waren, war dort schon (!) tote Hose. Also ewig durch die Stadt gelaufen für nix.
Hab Isabel dann noch von unserem schönen Abend erzählt und bin dann wieder nach hause gegangen, wo ich Sandra anrief, wie’s denn so liefe. Da hatte sich die Erkenntnis dann bereits durchgesetzt: “Die sind doof.” Scheinbar waren die Herren am essen (und nur sie) und waren mittlerweile dazu übergegangen ihre Gäste völlig links liegen zu lassen, bis man kurze Zeit später meinte, diese müssten jetzt mal bald mit nem Taxi verschwinden, weil ja die Eltern wiederkämen und auf keinen Fall Frauen im Haus vorfinden dürften. Auf einmal war der Plan wieder nach Valencia zu fahren gestorben. Ich habe den Teil nur erzählt bekommen, aber ich kann mir vorstellen, dass spätestens hier böse Worte gefallen sind. (Die Spanier konnten ja auch etwas englisch.)
Lustigerweise wurde mit den drei verbleibenden Mädels dann noch die gleiche Taxi-Aktion (sogar mit exakt dem gleichen Taxi-Fahrer) durchgezogen. Man kam wohl nicht auf die Idee, dass dieser vielleicht immer noch nicht wisse, wo man zu finden ist. Ich glaube, so gegen 11 oder was waren die anderen dann auch wieder in Valencia für etwas weniger Geld (weil durch drei geteilt).
Den Sonntag haben wir alle mehr oder weniger verschlafen. Abends rief mich Beatrice an, weil Karina ein Problem mit ihrem Rechner hatte.
Dadurch konnte ich mir dann von Heta-Mari und Beatrice brühwarm die Story vom Vortrag erzählen lassen. Mir wurde versichert, dass das Treffen in Gandia völlig anders ablief, wobei der einzige Unterschied, den ich bisher ausmachen konnte, der ist, dass man in Gandia versuchte einander abzufüllen, wofür die in Valencia jetzt vielleicht zu müde waren. Wer weiß? So oder so war man sich wohl einig mit diesen Typen nichts mehr zu unternehmen.
Weil es grad im Fernsehen lief, sahen wir an dem Abend dann noch “Con Air” (oder auch “Criminales en el aire” oder so *würg*) auf spanisch. Wir haben kaum was verstanden, aber die Handlung kennt man ja. Mir ist wieder krass aufgefallen, wie konsequent die Spanier übersetzen. In der Szene, in der der Psychopath mit dem kleinen Mädchen Tee trinkt und singt… “El tiene todo del mundo en sus manos…”. bsss. Witzig war die Szene im Knast, wo der Typ anfängt Spanisch zu lernen. Bekommt ein Buch “Spanish for Beginners” reingereicht und spricht dann sogar was von ner Kassette nach.
Tja. Das war mein Wochenende. Ich will nicht wissen, wie teuer es insgesamt war, aber es war zumindest nicht langweilig. Der Start in die Woche war etwas mühseelig nach so ungeordnetem Schlaf, aber das läuft einigermaßen zur Zeit. Ich seh mir diverse Vorlesungen an (die auf englsch versteh ich sogar) und schau dann mal, was ich nehme. Nur keine Hektik aufkommen lassen… so zumindest der Plan. Ich den nächsten Tagen lass ich mich dann mal etwas über die Vorlesungen aus. (Nicht-Informatiker dürfen das dann auch gerne überlesen.)