Archive for September, 2006

Zweite Woche Gandia

Tuesday, September 19th, 2006

So. Ich hab mal wieder etwas Zeit, also lass ich die Welt auch mal wieder was von mir wissen. Es ist ne Weile her seit dem letzten Eintrag und es werden wieder mehrere Einträge auf einmal sein, die ich reinsetze. Sorry, aber so arg verlässliches Internet oder gar Zeit zum Schreiben hab ich nicht. Zunächst kurz noch was zur zweiten Woche Gandia:

In der zweiten Woche war kein Surf-Kurs mehr und ich hab auch darauf verzichtet andere Sport-Kurse zu besuchen. Ich habe diese Woche zur Erholung genutzt. Sie bestand hauptsächlich aus ein paar Internet-Sessions und ein paar gemütlichen Balkon-Sittings in verschiedenen Appartments. Eines war dabei besonders cool. Sandra wollte einst Klopapier kaufen und hatte ihr Geld vergessen. So lernte sie eine Gruppe Leute kennen, von denen sie sich Geld lieh. Diese lud sie kurzerhand an dem Abend ins Appartment ein und Sandra wiederum lud mich und Isabel mit ein. Die WG war sehr cool. Die Bewohner waren alles Deutsche oder Österreicher, prinzipiell also alle der deutschen Sprache mächtig, aber alle kamen aus den verschiedenensten Gebieten. So hatte jeder einen etwas anderen Dialekt und alle zogen sich gegenseitig damit auf. Sehr witziger Abend.

Etwas Sport hab ich in dieser Woche dann doch auch betrieben. Es gab ein Beachvolleyball-Turnier, bei dem Sandra und ich zwar teilnehmen wollten allerdings die Anmeldung verpeilt hatten. Also gingen wir einfach zum Strand als das stattfand und fragten, welches Team noch Leute gebrauchen könnte. Wirklich nötig hatte kaum ein Team noch jemanden, aber ein Team war gerne bereit sich zu überfüllen um uns mitspielen zu lassen. So hatten wir dann unseren Spaß im Team “Gigandia”, dessen Name ein Wortspiel mit dem spanischen Wort für Gigant und dem Namen des Austragungsortes war und uns damit zum Lieblingsteam der Organisatoren werden lies. :) Überaschenderweise machten wir dann auch mal eben den zweiten Platz bei dem Turnier und wurden auf der Erasmus-Party am Freitag abend mit einem nicht großen aber eben doch vorhandenen Pokal ausgezeichnet (siehe Fotos).

Die Erasmus-Party war im Allgemeinen echt gut. Jeder sollte was zu essen mitbringen aus seinem Land, was auch erstaunlich viele taten. Ich brachte Pfannkuchen (wie noch mindestens drei weitere Deutsche) und es war letztendlich wirklich viel tolles Essen vorhanden. Die Getränke in Form von zig Flaschen Cola, Fanta, Bier etc. und zwei großen Regentonnen Sangría und Aqua de Valencia wurden von der Uni gestellt. Es gab sogar eine Band, die sich richtig gut anhörte und Stimmung verbreitete. Vielleicht konnte ich etwas davon auf den Fotos einfangen.

Was unter anderem auch auf dieser Party (auch sonst überall) klar wurde: Es hatten sich sehr schnell schon Cliquen gebildet, die sich nicht mehr wirklich vermischten. Man kannte viele Leute vom Sehen, es gab einige, mit denen man schonmal Worte gewechselt hatte, das bei Gelegenheit vielleicht wieder tun würde und die man grüßte, wenn sie einem über den Weg liefen, aber im Großen und Ganzen gab man sich mit relativ wenigen Menschen näher ab. Mal sehen, wie das hier in Valencia weitergeht, wenn die Cliquen zumindest in der Uni auseinandergerissen werden.

Zum Schluss noch ein kleines “Auschecken in Spanien 101″: Isabel und ich wollten das gleichzeitig tun und dann zusammen mit dem Zug nach Valencia fahren. Wir machten also (mit unseren Mitbewohnern zusammen) die Appartments sauber, packten alles zusammen und gingen dann zum Büro um kundzutun, dass wir gerne gehen würden. Zunächst mal sagte man uns, wir dürften dort erst aufkreuzen, wenn wir auch wirklich quasi schon weg seien. Wir sollten unser Gepäck schon dort unten stehen haben und nicht mehr nach oben gehen müssen. Vielleicht ist man etwas paranoid, dass man im letzten Monent noch eine Stuhl zertrümmert oder einen der wertvollen Küchengegenstände mitgehen lässt. Wir holten also unser Gepäck und kamen wieder. Als nächstes musste ich ein weiteres Mal hoch laufen, weil mir, als ich eincheckte, die Verantwortung für die Fernbedienung für TV und Klimaanlage übertragen wurde (schlicht weil ich als erster in unserem Appartment ankam) und ich diese nun zurückgeben sollte. Nach diesem Lauf dann bekam der Hausmeister unsere Schlüssel und ging nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Das ging erstaunlich schnell und ich glaub, wir hatten uns zu viel Arbeit beim Saubermachen gemacht. Dann endlich bekamen wir unsere Kaution wieder aber auch nur weil wir den entsprechenden Wisch, den man uns beim Einchecken gab, direkt zur Hand hatten. Beim Rausgehen trafen wir jemanden, bei dem das nicht der Fall war und der wohl noch einmal mehr laufen durfte. :)

Alles in Allem war der Sprachkurs in Gandia ne nette Sache. Zum Spanisch lernen ist er wirklich nicht so arg geeignet. Man hätte für ähnliches Geld in Valencia nen Kurs mit kleineren Gruppen buchen können und vermutlich mehr gelernt. Allerdings war es ein netter Urlaub “zwischendurch” und man hat einige Leute etwas kennengelernt, so dass man jetzt über den Campus laufen kann und ab und an ein bekanntes Gesicht sehen kann. Ich bin allerdings auf jeden Fall sehr froh, dass der Kurs vorbei ist und ich nun endlich wieder in Valencia bin. Es war ein komisches Gefühl quasi nach Valencia “nach hause” zu fahren, obwohl es sich dort noch nicht wirklich wie zu hause anfühlt. Der erste Abend in der Wohnung war dann auch was komisch, aber dazu später mehr.

Fotos!!!

Sunday, September 10th, 2006

Endlich. Endlich gibt es Fotos zu sehen von mir. Ich hab in meine Galerie einige Bilder gestellt von meinem Hostal-Zimmer in Valencia, der Tomatina, dem Campus in Valencia, dem Sangría-Saufen nach dem Surf-Kurs, dem Besuch im “La Diva” und der Besichtigung von Gandia.

Ich warte noch auf weitere Bilder zur Tomatina von Dennis. Hoffentlich schickt er mir die bald mal, dann könnt ihr auch sehen, wie wir danach aussahen.

Eine Woche Strand, Surfen, Party, … äh… Sprachkurs

Sunday, September 10th, 2006

Sodele. Eine Woche Sprachkurs liegt hinter mir und ich wollte mal etwas drüber reden, wie die so lief. Ich denke, die Zeit der täglichen blog-Einträge ist vorbei, denn ich hab echt viel zu tun (hauptsächlich damit Spaß zu haben und mich davon zu erholen).

Also ich bin nun seit einer Woche hier in Gandia und es macht schon echt Spaß. Sogar der Sprachkurs jeden Morgen (vier Stunden lang) ist nicht schlecht. Jeden Mittag diese Woche hatte ich außerdem Surf-Kurs. Auch das war Spaß, auch wenn ich scheinbar nicht so wirklich ein Naturtalent bin. Nach vier Tagen kann ich nun bei leichten Wellen auf dem Brett stehen, das Segel festhalten, ein wenig geradeaus fahren und vielleicht auch leichte Kurven nehmen. Aber ich betrachte das als Erfolg, denn am Ende des ersten Tages war ich noch nichtmals bei “auf dem Brett stehen” angelangt. Abgesehen davon dass man ein bisschen surfen gelernt hat, war das auch ne Gelegenheit ein paar Leute kennenzulernen, denn wir mussten immer Zweier-Teams bilden, die ein Board verwendeten. Dadurch lernte man zunächst natürlich seine Partner kennen, aber auch die Leute, die mit einem im Wasser warteten, während die anderen auf hoher See unterwegs waren.
Am ersten Tag des Kurses waren wir noch nicht fulltime am surfen. Wir haben Gruppen gebildet und waren dann schichtweise mit Surfbrettern, Segelboot, Katamaran oder Kanus unterwegs. Vom zweiten Tag an haben wir dann aber nur noch gesurft, obwohl man, wenn man wollte, immer auf die anderen Geräte ausweichen konnte, denn wir hatten die ganze Schule gepachtet. Also der Kurs war toll, was gut ist, denn er hat gut Zeit in Anspruch genommen. Zwischen Sprachkurs und Surfen war grad mal Zeit was zu essen und nach dem Kurs (nach hause kommen, essen, duschen, …) war der Tag schon fast rum. Nicht für Spanier natürlich und ich bin auch das eine oder andere Mal danach noch weg gewesen, aber auf Dauer schlauchte das schon (weil das surfen ja auch nicht gerade gemütlich war). Vielleicht werd ich ja in Valencia nochmal irgendwas in der Richtung machen. Ich denke, da wird man auch surfen könen. Man wird sehen.

Also ich hab nicht jeden Abend hier Party gemacht, aber teils halt schon. Sonntag und Montag war ich in einem Biergarten, der quasi ausschließlich von Erasmuslern bevölkert wurde. Ich denke, wir werden nicht zum letzten Mal dort gewesen sein. Am Montag war vorher noch das “Welcome dinner” der Uni. Darunter hab ich mir ganz was Tolles vorgestellt. Man musste sich anmelden und das Ganze kostete 10 Euro. Einige andere hatten wohl auch mehr erwartet, denn sie waren richtig rausgeputzt mit Make-Up, Kleidchen und Schmuck. Müssen die enttäuscht gewesen sein. Das Dinner fand in der Cafeteria statt. Wir hatten jeder einen (Porzelan-)Teller, einen Pappbecher und eine Plastik-Gabel. Es standen Flaschen mit Getränken rum, die im Preis inbegriffen waren und dann wurden immer kleine Tellerchen mit Essen gebracht. Erst kam Salat, dann Brot, dann Fleisch, Calamares, Kroketten. Immer kleine Häppchen und alles nacheinander. Das könnten also Gänge gewesen sein. :) Nachtisch gab es leider nicht. Irgendwann fing das Personal an abzuräumen, was dann hieß, dass wir gehen sollten. Für Vegetarier war das reine Geldverschwendung, denn die mussten sich von Salat und Brot ernähren. Also insgesamt war das Event nicht so der Burner, aber ich bin trotzdem froh dort gewesen zu sein, denn mit den Leuten, mit denen ich dort am Tisch saß (Eva, Sandra, Martin, Nico, Friederike), häng ich seitdem öfters ab. Außerdem mit Isabel, die ich schon am Freitag auf dem Campus in Valencia kennengelernt hatte.
Noch so ne Schote: Es sollte am gleichen Tag (Montag) nachmittags ein Begrüßungstreffen mit dem Direktor der Uni geben. Einige Leute hatten das verpennt und ich beneide sie darum. Denn es kam nie jemand um uns zu begrüßen. Wir standen ne halbe Stunde an der Cafeteria rum bis es uns zu blöd wurde.

Die Tage danach waren besser. Ich krieg nicht mehr im Einzelnen zusammen, was ich alles gemacht habe. Es war ja auch immer nur etwas Zeit am Abend. Gut erinnern tu ich mich an Freitag. Freitag war unser letzter Surf-Tag und der Lehrer meinte schon am ersten, dass wir dann gemeinschaftlich Sangría-Saufen machen. Dies geschah dann. Nachdem alles weggeräumt war, stand da ein riesen Mülleimer mit Sangría drin und jeder bekam zu seinen Becher noch einen Handschlag vom Boss der Surf-Schule. Das Zeug schmeckte wirklich gut und ich glaub, es war auch etwas stark. Ich war nach zwei Gläsern schon recht heiter. Das mag auch an dem Schluck Anis-Schnaps gelegen haben, der zwischendurch noch gereicht wurde. Dieses Zeug schmeckt nicht gut, aber auch nicht stark. Ein Blick auf die Flasche enthüllt jedoch, dass es fast 50% Alkohol enthält.
Ich hatte sehr viel Spaß auf diesem Event. Ich hab das Gefühl, mit etwas Alkohol klappt auch die Konversation auf englisch besser. :) Zumindest hab ich mich sehr lange und sehr gut mit Damian (einem Franzosen) und Heta-Mari (einer Finnin) unterhalten. Heta-Mari zumindest hatte ich vorher schon im Bus und im Wasser kennengelernt. Sie war die Surf-Partnerin von Sandra. Als der Mülleimer leer war, bin ich mit Damian, Heta-Mari und noch einer Deutschen, deren Namen ich vergessen habe [Nachtrag: Judith], wieder Richtung Heimat gegangen. Dabei sind uns noch vier Mädels verschiedenster Nationen (ich glaube, Finnland, Estland und Deutschland) über den Weg gelaufen, die auch dorthin wollten. Wir sind dann zu acht eine Pizza essen gegangen, die sogar wirklich gut war.
Später dann traf man sich (erstaunlich wie sich sowas fix rumspricht) um zwei Uhr vor dem “Alondras”. Das ist eines der Appartment-Häuser, in denen wir wohnen. (Unseres heißt “Peredamar”.) Als wir dort dann mit 100 Leuten oder so versammelt waren, zogen wir los. Ich glaube, kaum jemand wusste wirklich, wohin, aber irgendwann standen wir vor dem “La Diva”, einer riesen Discothek. Erstaunlich, was man mit so einer Meute für eine Macht hat. Der Schuppen verlangte acht Euro Eintritt und irgendwelche Menschen vorne waren der Ansicht, dass man bei so einer Gruppe doch wohl darüber reden könne. Als sich die Türsteher als scheinbar nicht so diskussionsfreudig erwiesen, gingen wir ein paar Schritte in Richtung Straße bis wir dann zurückgerufen wurden. Auf einmal war der Eintritt nicht mehr so entscheidend. :) Ich bin ganz froh, dass das so gelaufen ist, denn der Laden hat mich nicht so umgeworfen. Es gab dort verschiedene Bereiche. Unter anderem einen mit zwei fetten Türen abgetrennten, in dem viel Licht, Nebel und Lärm herrschte. (Wir waren ne Minute oder so drin.) Außerdem gab es dort TänzerInnen. Der Rest war eher ruhig angelegt. Es wurde natürlich überall Musik gespielt, aber man konnte sich noch unterhalten. Da außer uns sonst fast niemand dort war, war der Laden ziemlich leer. Teuer war er übrigens auch. Ein Wodka-Lemon (den ich von nun an immer als Skala anwende) hätte mich sieben Euro gekostet. Ich habe mich an dem Abend dann auf Cola beschränkt. Wir waren auch nicht so arg lange dort.
Sehr witzig: Man kennt ja diese Rosen-Verkäufer, die überall rumrennen und einem ihr Zeug unter die Nase halten. Von denen liefen auch mindestens zwei in dem Schuppen rum. Und als wär das nicht schon kurios genug, gingen die beiden sogar in dieser schalldicht abgetrennten Lärm-Hölle auf Kundenfang. Ich mein, man muss sich mit diesen Leuten ja nicht arg verbal auseinandersetzen um zu verstehen, was sie wollen oder um gar was von ihnen zu erwerben, aber was ist das bitte für ne Umgebung jemandem eine Rose zu überreichen? Alles voller Nebel, Flashlights, grell, bunt, flackernd, halbnackte Tänzer und Tänzerinnen auf Podesten, ohrenbetäubender Lärm… wie romantisch. :)

Am Samstag haben wir eine ähnliche Aktion gestartet. Wir sind dann zum “Bacarrá” gezogen. Die haben dort nicht mit sich über den Eintrittspreis reden lassen. Auch Erpressung hat nix geholfen, denn die hatten schon genug Kundschaft. Ich bin allerdings nicht mit rein gegangen, weil ich doch von der ganzen Woche sehr müde war und diese Art Schuppen mich ja nicht unbedingt hinterm Ofen herlockt.

Außerdem hatte Isabel die Idee am Samstag mal nach Gandia zu fahren und sich das Städtchen anzusehen. Schließlich soll uns niemand nachsagen können, wir hätten nichts von der eigentlichen Stadt gesehen, weil man uns hier direkt am Strand untergebracht hat. Gandia ist ganz nett, und man braucht auch nur nen halben Tag um alles zu sehen. Wir haben uns beide Sehenswürdigkeiten angesehen: Die Kirche und einen Palast von einem scheinbar irre bekannten Typen namens Borja. :)

Ich habe jetzt zu all diesen Punkten nicht so höllisch viel geschrieben, weil ihr dazu Bilder sehen könnt. Und es ist wirklich viel passiert.

Endlich Urlaub

Sunday, September 3rd, 2006

Heute ging es nach Gandia. Schon wieder früh aufstehen. Die Reise verlief problemlos, obwohl es nicht schön war das ganze Gepäck vom Hostal zum Metro-Station und vom Bahnhof in Gandia zum Appartment zu schleppen. Ich wohne nun übrigens nicht wirklich in Gandia, sondern in Playa de Gandia… also quasi am Strand. :) Das sieht hier aus wie ne eigene Kleinstadt, die nur aus Appartments, Hotels, Restaurants und sowas besteht. Wirklich ein Ferienort. Kaum zu glauben, dass hier ein Teil der Uni in der Nähe ist. Die nächsten zwei Wochen werden sich also vermutlich ebenfalls wie Urlaub anfühlen. Unser Appartment hat nen Pool, aber der Strand ist hier wirklich um die Ecke (noch näher als in Valencia). Werde mir den morgen wohl auch mal genauer ansehen. Heute wollte ich mich mal von der letzten Woche erholen.

Ich werde hier zu dritt wohnen. Ein Mitbewohner (Henning) ist angehender Wirtschaftsingeneur, ebenfalls von der RWTH, der andere kommt aus der Türkei, studiert irgendwas aus meiner Richtung und trägt den Namen Aytac (gesprochen wie “I touch”). Ich bin ehrlich gesagt froh, dass noch jemand kommt (Aytac ist schon hier, Henning kommt morgen), denn ich scheine mit Aytac nicht ganz auf einer Welle zu schwimmen. Es scheint ein lieber Kerl zu sein, aber er macht einen etwas unselbstständigen und arg zurückhaltenden Eindruck. Zudem kann er nicht so sehr gut englisch und gar kein spanisch. Er macht ein bisschen auf Klette und erinnert mich an Amin. (Lemming und Esther wissen, von wem ich rede.) Außerdem “duftet” er und damit das halbe Appartment komisch. Nein, nach dem Duschen. Das muss eine Art Parfum sein.
Das Appartment ist neu und wirklich gut eingerichtet (habe sogar ein Bügeleisen gefunden). Klimaanlage gibt’s auch. Allerdings fehlt es natürlich an allem Gebrauchsmaterial. Wir waren heute mittag im Supermarkt und haben Sachen wie Spülmittel, Müllbeutel (die duften hier) und ein bisschen was zu essen gekauft. Bemerkung am Randa: Gehe niemals ohne ein Wörterbuch einkaufen! Man sollte sich im Klaren darüber sein, was man in den Wagen wirft. :) Außerdem haben wir nach einem Internet-Zugang gesucht. Es gibt hier ein paar Hotspots, leider bekommen wir keine Verbindung hin. Es scheint hier sogar ein Netz zu geben, wo sich jeder nen Zugang machen, was bezahlen und dann surfen kann, aber auch das läuft nicht. Wir haben einen Internet-Shop gefunden, der irgendwie vier Rechner hat oder so. Und es ist der einzige. Man kann da auch seinen eigenen Rechner anschließen, allerdings haben die dafür exakt ein Kabel.
Noch was witziges: Im Supermarkt haben wir heute nach Brot gesucht. Es gibt hier Toastbrot (auch am Stück) ohne Rinde. Das sieht vielleicht komisch aus. Und das ist nix exotisches, sondern eher die Regel. Spanier scheinen also allesamt Weicheier zu sein. :)

Wir haben heute mittag was gegessen und seitdem bis eben (23 Uhr oder so) hat Aytac geschlafen. Hat wohl die letzte Nacht auf dem Flughafen verbracht oder so. Ich hab was ich bisher so an Wäsche benutzt habe gewaschen, mit meinem Mentor telefoniert und für morgen verabredet und dann ferngesehen und dabei angefangen diese letzten vier blog-Einträge zu verfassen, damit ich im Internet-Cafe nur wenige Minuten für Copy&Paste bezahlen muss. Ich wollte, während ich das schreibe, etwas Spanisch unterbewusst auf mich einwirken lassen. Es fing an mit einer Art “Bitte lächeln” und dann kam ein äußerst kranker Film über eine Alien-Familie, die hier auf der Erde landet. Völlig lächerlich, aber ich hab’s ja zum Glück nur am Rande mitbekommen. Ich hab auch ein bisschen “How I Met Your Mother” geschaut. Die letzten Folgen davon ziehen mich etwas runter, also muss ich das fix hinter mich bringen, denn eigentlich bin ich seit ich in Spanien bin wirklich gut drauf.

Ich hatte am Tag meines Fluges oder an dem davor einen Moment, in dem ich gezweifelt habe, ob das ganze eine gute Idee war. Nur diesen einen recht kurzen Moment, nicht mehr. Ich hatte allerdings auch kaum Momente, in denen ich mich euphorisch darauf gefreut hätte. Es hielt sich immer die Waage. Ich habe mir einfach nicht bewusst gemacht, welche Bedeutung die Aktion für mich hat. Und das ist wohl auch gut so. Ich bin spätestens jetzt tierisch froh es zu machen.

Ich glaube, bisher habe ich für jeden Tag, den ich hier bin, einen blog-Eintrag verfasst. Das Ding scheint zum Tagebuch zu mutieren. Mal sehen, wie das in Zukunft läuft. Ich dachte, ich schreibe was rein, wenn etwas cooles neues passiert. Da nun am Anfang alles cool und neu ist, ist die Frequenz der Einträge natürlich höher. Ich hatte eigentlich auch vor nicht für einen Tag einen Eintrag zu schreiben, sondern für ein Event. Aber bisher hatte jeder Tag etwas spezielles, was man als Event werten konnte. :)

Tengo un piso!

Sunday, September 3rd, 2006

Der Tag begann für mich damit, dass ich Jonas kennenlernte. Das war der vierte in unserem Zimmer, der plötzlich dalag, als wir am Tag zuvor wiederkamen. Bei seinem Namen dachte ich zuerst, auch er wäre deutsch, jedoch ist er Belgier, der das gleiche vor hat wie ich, aber, ich glaube, Maschinenbau studiert. Er hatte den letzten Tag damit zugebracht eine Wohnung zu finden und nun eine in Aussicht (mit zwei Spanierinnen zusammen), in die er an dem Tag einziehen wollte. Ich beneidete ihn tierisch und dachte daran, dass ich noch so weit von einer Wohnung entfernt war. Ich hatte mich noch überhaupt nicht darum gekümmert und konnte eigentlich nur mit Sorge darüber nachdenken. Da man in dem Hostal um zehn Uhr verschwunden sein musste, hab ich nur ein paar Minuten mit ihm geredet. Dann ging er zu der Wohnung und wollte danach zur Uni.

An diesem Tag hatte die Uni nämlich endlich wieder auf und ich ging hin um die Formalitäten hinter mich zu bringen (und nicht wie Alberto zum Strand). Beim International Office (als ich es endlich fand; quasi gar nicht ausgeschildert) traf ich Jonas wieder, der mir erzählte, dass seine Wohnung nun doch schon vergeben wäre. Wir beschlossen nach der Uni mal gemeinsam auf die Suche zu gehen und verabredeten uns an einem Cafe auf dem Campus zum Mittagessen. (Zuvor mussten wir für die Formalitäten zu unseren verschiedenen Fakultäten.) Nach ewigen Zeiten trafen wir uns dann zum Essen. Das IO der Fakultät war noch viel mieser zu finden, aber die Frau dort, mit der ich schon diverse eMails gewechselt habe, ist wirklich unglaublich nett und nimmt sich viel Zeit für ihre Schützlinge. Echt süß, immer am lächeln, tierisch nett… ich schweife ab. :) Aber der Typ vor mir hat schon mit ihr geflirtet, glaub ich. Ich darf nun irgendwann nächste Woche aus Gandia nochmal dorthin reisen und mein Zeug abholen, also den Login für das WLAN, die Mail-Adresse und all das. Der Studentenausweis dauert wohl mal gern nen Monat oder so… und er wird ein schreckliches Foto von mir enthalten. Von den guten Fotos hatte ich nur Farbkopien und die Dame (Maria) wollte ein richtiges Foto haben. Sie versicherte mir das Foto wäre auf dem Ausweis nur ganz klein und so schlecht sähe es gar nicht aus.
Ach ja: Ihr erinnert euch vielleicht, wie ich schrieb, dass die Spanier alles zig mal haben wollten, dass ich alle möglichen Angaben mehrfach eingereicht habe. Als ich beim IO der Uni war, gab man uns dort ein Formular, auf dem wir nochmals alles mögliche eintragen sollten. Allerdings reden die an der Uni wohl nicht so viel miteinander, denn Maria meinte, das wäre alles überflüssig. Natürlich sagt einem das keiner, aber locker die Hälfte des Papiers, das ich da hingeschickt habe, hätte nicht sein müssen. Dafür hat sie mich dann gelobt, dass meine Akte so vorbildlich gefüllt sei.

Etwas später saß ich dann mit Jonas beim Essen. Im Prinzip war das ne Art Mensa dort. Man bekam für 3,60 EUR einen Salat oder ne Suppe, ein Hauptgericht (”Caneloni” oder “Pizza”) und ein Desert, dazu ne Pulle Wasser. Die Suppe (Gaspacho) kann ich keineswegs empfehlen. Im Prinzip ist es Tomatensuppe mit Keksen drin, allerdings ist sie eiskalt. Bäh. Vielleicht schmeckt sie warm, aber vermutlich wird man gelüncht, wenn ein Spanier mitbekommt, dass man sie warm macht. Das “Pizza” bedeutet, dass das nicht wirklich eine war. Es hieß so, es sah wie eine aus, aber der Teig war wie der eines Croissants. Das hab ich noch nie gesehen. Es schmeckte auch im Wesentlichen wie Croissant mit Käse. Die “Caneloni” sahen gar nicht wie welche aus und laut Jonas schmeckten sie auch anders. Ich hoffe, die haben nicht immer so komisches Essen. :)
Während wir dort saßen, kam ein Typ auf uns zu, der Wohnungen vermietete. Ich würd jetzt gerne alle auslachen, die tagelang durch die Stadt gerannt sind auf der Suche nach einer Wohnung und als effektivste Methode darstellen sich auf den Campus zu setzen und beim Essen auf den Vermieter zu warten, aber wir haben nichts von dem Typen genommen. Er hat uns zwei Wohnungen gezeigt, die aber nicht wirklich der Bringer waren. Wir sind dann also doch noch stundenlang durch die Stadt gelaufen und haben ein paar Leute angerufen. Unser Plan war eine komplette vier Zimmer-Wohnung zu nehmen und noch Leute zu suchen, die da mitmachen wollen. Im Idealfall natürlich Spanier. Aber scheinbar ist sowas unglaublich schwierig. Professionelle Makler wollen immer eine Sicherheit haben, man bezahlt sich dumm und dämlich bei denen und generell findet man weit mehr freie Einzelzimmer. Nach einiger Zeit waren wir ziemlich hinüber und hatten unsere Hoffnung vor Gandia was zu finden quasi begraben. Jonas beschlosse noch eine Nacht im Hostal zu verbringen und wie ich erst am Samstag nach Gandia zu fahren. Als wir wieder im Hostal waren, ich bei irgendwem Internet am schnorren war und Alberto und ich das Abendessen planten, kam Jonas zu mir mit der Liste von Wohnungsanzeigen, die wir im IO hatten mitgehen lassen. Da war ein Eintrag, bei dem eine 22-jährige Spanierin zwei Menschen suchte um ihre Wohnung zu füllen. Wir konnten sie bereden uns noch am gleichen Abend zu empfangen. Unser Abendessen musste dadurch leider etwas bescheidener ausfallen, aber es hat sich gelohnt. Denn Jonas und ich waren direkt begeistert von der Wohnung, sind zur nächsten Bank gegangen, haben dem Mädel eine Monatsmiete in die Hand gedrückt und die Schlüssel mitgenommen. Krasse Sache. Ich kannte Jonas für etwa 12 Stunden und bin mit ihm zusammengezogen. Gut, meine zukünftige Mitbewohnerin (Susana) kannte ich da vielleicht 12 Minuten. Nun könnt ihr mich also alle beneiden, weil ich mit einer äußerst süßen und scheinbar auch noch echt netten Spanierin zusammenwohne. Ich will nicht übertreiben, aber sie ist sogar recht groß. :) Ein weiteres männliches Wesen bewohnt die Bude; sie hat einen Kater, dessen Namen ich gerade vergessen habe. Als wir dort waren, wurde grad noch etwas an der Wohnung renoviert, was aber am nächsten Tag vorbei sein sollte. Da wir eh nicht vor dem 15.9. dort einziehen können, war das für uns nicht wirklich ein Problem. In der zweiten Septemberhälfte dürft ihr euch dann auf Fotos von der Wohnung freuen. Sie liegt - ich würd sagen - in der fünften Etage. Ich lasse das verifizieren, wenn mich der erste Architektur-Student besuchen kommt. :) Es gibt keinen Aufzug; ich werde also erleben, was Barbara seit zwei Jahren mitmacht. Was uns beiden wichtig war, war etwas wie ein Wohnzimmer zu haben, wo man mal zusammensitzen kann, so dass nicht nur jeder in seinem Zimmer hockt, was die Interaktion wohl erschweren würde. Die Wohnung verfügt über ein solches mit bequemen Sofas und einem großen Fernseher. Die Möbel in der gesamten Wohnung sind neu und es ist alles da, was man möchte. Einen Balkon gibt es nicht, aber was soll’s. Die Zimmer sind auch nicht zur Straße raus, also wohl recht leise. Mehr dazu in zwei Wochen.

Dieser Tag war also wirklich erfolgreich. Ich habe nun eine Wohnung, eine Handy-Nummer und bin an der Uni eingeschrieben. Bezahlt habe ich das mit tierischen Schmerzen in Rücken, Beinen und Füßen vom tagelangen Laufen, aber das kann die Stimmung nicht wirklich trüben. Denn: Tengo un piso - Ich habe eine Wohnung! Ich werd zusamen mit meiner Mobil-Nummer dann auch bald meine neue Adresse rumschicken.

Ich nutze diese Gelegenheit um nochmal kurz über das Hostal herzuziehen, in dem ich bisher wohnte. Das war alles recht alt und runtergekommen. Das Wasser aus den Duschen war meist kalt (am vorletzten Tag hab ich das erste Mal warm geduscht), was bei über 30° nicht so schlimm, aber generell nicht die feine Art ist. Ich hätte da doch gerne die Wahl. Das “Frühstück” war ein Witz, weswegen wir uns meist das dafür nötige frühe aufstehen sparten. Andere Hostals haben außerdem Gimmicks wie freien Internet oder sowas. Hier gab es im Frühstücksraum einen Fernseher, der beim Frühstück lief, und den man, wenn man die versteckte Fernbedienung fand, auch sonst nutzen konnte. Wer das spanische Fernsehprogramm kennt (von dem man dort nur eine kleine Auswahl empfangen konnte) weiß, wieviel das wert ist. Es war außerdem tierisch heiß in dem Schuppen und wenn man das Fenster öffnete (das war bei uns quasi 24/7 offen) musste man mit viel Straßenlärm leben (und schlafen). Alles in allem war das ne witzige Zeit da, aber ich bin froh, dass ich da nicht mehr absteigen muss.

Noch ein paar Worte zu der Uni: Ich habe Fotos vom Campus gemacht, als ich da war. Das ist wirklich fein dort. Ich denke, ich werde noch mehr machen. Aber daür muss ich mir schon was Zeit nehmen, denn der Campus ist nicht klein (Ich sag nur: vier Metro-Stationen). Ein Drittel der Anlage besteht aus Sporteinrichtungen. Das Angebot da werd ich in den nächsten Tage noch checken und, wenn ich das nächste Mal in Valencia bin um mein Zeug zu holen, mich anmelden. Manches geht auch ohne Anmeldung. Z.b. kann ich das Schwimmbad und das Fitness-Center einfach so und für lau nutzen.
Also vielleicht werd ich mich bald nochmal genauer über den Campus auslassen, wenn ich ein paar Fotos parat habe. Für den Moment sei euch versichert, dass ihr mich auch darum beneiden könnt. Damit werd ich bestimmt bei jedem meiner Besucher angeben. :)

Der Mentor, den ich immer wollte

Sunday, September 3rd, 2006

Am Tag nach der Tomatina zogen Carsten und Masachito aus. Alberto und ich waren also wieder allein. Ich habe den Tag mit Alberto in der Stadt verbracht. Wir wollten, wie gesagt, ein Tomatina-T-Shirt erwerben, was nicht möglich war. Aber wir haben zweimal lecker gegessen. Mittags wollten wir in ein original spanisches Restaurant. Also kein Tourismus-Quatsch, sondern was, wo halt Spanier jeden Tag hingehen. Und wir fanden so etwas. Sehr versteckt natürlich. Aber das Essen war klasse und es war richtig voll. Alle Spanier, die in der Nähe arbeiteten (auch die Prostituierten) gingen dort essen. Dort habe ich meine erste Natilla gekostet, ein Dessert, das ich unheimlich empfehlen kann. Ich weiß nicht genau, was es ist. Sieht aus wie Pudding, schmeckt aber etwas anders. Ich glaube, es wird irgendwie aus Eiern gemacht. Die Konsistenz kann schonmal variieren und meist ist Zimt drauf. Auf jeden Fall saulecker (hatte mittlerweile schon drei). Sollte man definitiv probieren.

Außerdem half mir Alberto dabei eine SIM-Karte für mein Handy aufzutreiben. Ich hab mir am nächsten Tag son Preepaid-Dings zugelegt, das noch nicht vollends zu funktionieren scheint. Ich werde in den nächsten Tagen eine Mail mit der Nummer rumschicken. Von nun an bin ich auf jeden Fall nicht mehr wirklich unter meiner deutschen Nummer zu erreichen. Vielleicht werd ich die Karte noch ab und an mal reinlegen, aber prinzipiell gilt bis auf weiteres dann die spanische.
Alberto hat mir hier wirklich sehr geholfen. Um J.D. sinngemäß zu zitieren: Er ist wie der Mentor, den ich immer wollte. :) Ich bin wirklich froh ihn getroffen zu haben (auch wenn das bedeutet in dem miesen Hostal abgestiegen zu sein) und versteh mich echt gut mit ihm. Werde ihn wohl auch wiedersehen. Er meinte, er wäre gar nicht so selten in Valencia. Dennis zu treffen war auch ein riesen Glück. Die zwei Tage oder was, die ich mit ihm verbracht hab, waren wirklich fun. Meinen wirklichen Mentor habe ich übrigens heute (Samstag) angerufen und werde ihn morgen in Gandia treffen. Ich hoffe, er kann mir dann helfen mein Handy-Problem aus der Welt zu räumen.

An diesem Tag (Donnerstag) habe ich mit Alberto zwei valencianische Getränke gekostet, die “Horchata” und das “Aqua de Valencia” (valencianisches Wasser), welches mit Wasser ungefähr gar nix zu tun hat. Ersteres sieht aus wie Milch schmeckt aber völlig anders… nämlich schlecht, meiner Ansicht nach. Mir kam der Geschmack bekannt vor, konnte ihn aber nicht zuordnen. Auf jeden Fall kommt einem das Zeug im Mund etwa mehlig vor. Aber vermutlich sollte es jeder mal testen. Man bekommt es hier an jeder Ecke. Wird aus irgendeiner Frucht hergestellt. Aqua de Valencia enthält Sekt, Wodka, Whiskey, O-Saft und Zucker oder so. Das Zeug haut gar nicht schlecht rein, schmeckt aber wirklich gut. Hat mich sehr an den mysteriösen Cocktail “Wodka Sun” erinnert, den ich auf Ibiza kennengelernt habe. Vielleicht war er das. :)

Witzig: Als wir an diesem Tag nach hause kamen, war unser Zimmer plötzlich wieder voll. Wir sind nicht ganz sicher, aber einer der beiden war wohl Masachito, der vielleicht seinen Zug verpasst hat oder sowas. Der andere war neu.

Die spinnen, die Spanier!

Sunday, September 3rd, 2006

Am Mittwoch war ich mit Alberto, Dennis und Carsten auf der Tomatina (Wikipedia; Spiegel-Online) und ich kann wohl behaupten, nie etwas bekloppteres erlebt zu haben. Wir sind recht früh aufgestanden (nach einer sehr kurzen Nacht) und haben uns mit scheinbar Hunderten am Bahnhof von Valencia versammelt um nach Buñol zu gelangen. Das mit den Zügen läuft hier so: Man hat nicht etwa einen Plan wie bei uns, auf dem steht, welcher Zug wann und auf welchem Gleis wohin fährt. Es gibt kleine Pläne für die einzelnen Linien (im Prinzip so wie unsere RB1, RB33 und so, aber die fahren nur kürzere Strecken; ne Stunde oder so), wo auch Zeiten draufstehen, aber um zu wissen, zu welchem Gleis man muss, muss man dann in der großen Halle stehen und auf eine Anzeigetafel starren, die das irgendwann recht kurz vor Abfahrt preisgibt (zusätzlich zu einer Lautsprecheransage). In unserem Fall rannten in exakt diesem Moment hunderte von Leuten zu diesem Gleis und man bekam so schon einen kleinen Vorgeschmack auf das Event. :) Der Zug war natürlich tierisch voll. Wir bekamen gerade noch so eben einen Stehplatz. Ein paar der Fotos zeigen das. Nebenbei bemerkt: Die Gegend um Buñol ist wirklich schön anzusehen. Ich werd da wohl irgendwann im nächsten Jahr nochmal vorbeischauen, denn nach der Tomatina war ich zu ko für’s Wandern.

Ich dachte eigentlich Buñol wäre ein winziges Kaff, aber es könnte schon Ausdehnungen wie Goch haben, mindestens wie Weeze. Als wir am Bahnhof ankamen, war da kein Mensch (klar, die Hunderten aus dem Zug, aber sonst niemand). Wir sind mit der Meute ewig weit gelaufen bis wir andere Menschen gesehen haben. Dann aber dafür auch umso mehr. Der ganze Stadtkern war voller Menschen. Und das ist wörtlich zu verstehen. Ich schätze, man konnte sich in der Menge so etwa mit 0.5 bis kmh fortbewegen. Wir kauften uns jeder einen riesen Becher Calimocho (meine Madrid-Freunde werden sich erinnern; für die anderen: Wein mit Cola) und kämpften uns durch die Menge. Die Anwohner von Buñol verkaufen dort übrigens ne Menge. An jeder Ecke konnte man Essen, Getränke oder T-Shirts kaufen. Ich hätte gerne ein T-Shirt mitgenommen, aber ich hatte recht wenig Geld dabei und außerdem Angst, dass es nicht in einem Stück zu hause ankommt. Alberto und ich haben den halben nächsten Tag versucht in Valencia eins zu bekommen. Keine Chance. Für die Anwohner muss es außerdem ein Mordsspaß gewesen sein die Leute in den Straßen fortwährend nass zu spritzen, die immer wieder nach mehr schrien. Es war unglaublich heiß. Witzig waren solche, die ganze Eimer Wasser auf einzelne Menschen ergossen. Wir hatten “Glück” und waren ziemlich genau im Zentrum des Spaßes als dieser losging. Um 11 Uhr ging irgendwo in der Stadt ein fetter Knaller hoch und markierte damit die Front. Zunächst mal zog jeder, der Spaß dran hatte (und das waren viele) sein nasses T-Shirt oder was auch immer aus und warf es auf die “Gegner”. Eine riesige Wäscheschlacht auf offener Straße. Wir standen nicht direkt an der Front (vielleicht 20m dahinter), aber auch wir bekamen das eine oder andere Kleidungsstück ab. Bei denjenigen, die keinen Spaß daran hatten, was auszuziehen, wurde das teils von der “T-Shirt… T-Shirt…” schreienden und an Kleidungsstücken rupfenden Menge übernommen. Ich hab darauf gewartet, dass mir jemand das T-Shirt fortreißt, doch dazu kam es nicht. Ich habe es noch an einem Stück und gar nicht so rosa, wie man meinen könnte. Die meisten aber waren spätestens nach der Schlacht freiwillig oder unfreiwillig quasi im Strand-Outfit.

Nach/Während der Kleiderschlacht begann das Schieben… übel. Die Leute wussten, was jetzt kommt, also drängten sie in die Seitengassen runter von der Hauptstraße. Man stelle sich hunderte eng gedrängte Menschen vor und ein paar zig von denen schieben in eine Richtung… dann schieben ein paar in eine andere Richtung usw. Unglaubliches Feeling. Man tat gut daran in der Menge zu stehen und nicht etwa an einer Wand oder sowas. Zu diesem Zeitpunkt war ich übrigens nur noch mit Alberto unterwegs. Bei diesem Event reichen zehn Sekunden fehlenden Augenkontakts und man sieht sich nie wieder. :)

Als nächstes kamen die Trucks. Mir wurde gesagt, es wären insgesamt fünf. Einer nach dem anderen die Hauptstraße entlang. Ja, genau. Die Straße, auf der noch tausende Menschen standen. Also noch viel mehr Schieben. Die Trucks brachten die Tomaten und da das natürlich das Highlight ist, wurde die Besatzung der Trucks wie Blauhelme gefeiert, die Care-Pakete abwerfen. Alberto meinte, es wäre ein Traum von ihm mal auf so einem Truck mitzufahren.
Also man warf Tomaten von diesen Trucks aber natürlich nur ein paar. Irgendwann blieb man stehen und schüttete einfach alles in die Menge (exakt, Kipplaster). Ich war nicht direkt dort, aber ich kann mir vorstellen, was dann dort los war. Irgendwann zu dieser Zeit der Schieberei ist mir meine Sonnenbrille runtergefallen und - unfassbar - ich hab sie wiederbekommen. Zig Leute liefen da rum, aber sie hat nichts abbekommen. Ich war mir quasi sicher sie wenn überhaupt nur noch zu Staub zerfallen wiederzusehen.

Nunja, ich hab mich nicht direkt ins Zentrum des Treibens begeben. Auf den Nebenstraßen war schon genug los, denn wie auf den Fotos zu sehen flossen richtige Bäche aus Tomaten-Matsche durch die Gassen. (Die Stadt ist sehr hügelig.) Ich sah Leute, die große Becher dort reinhielten und sie auf Menschen entleerten. Ein bisschen was hab ich auch durch die Gengend geworfen (und natürlich auch was abbekommen), aber so bis über den Knöcheln durch Tomaten zu waten ist nicht ganz mein Ding, glaub ich. Es standen sogar inmitten dieses Treibens Autos. Ich weiß nicht, was einen reiten muss, damit man sein Auto dort abstellt. Vielleicht muss man Autowasch-Fetischist sein. Später fanden Alberto und ich Dennis wieder… und Dennis und ich verloren Alberto. :) Zu der Zeit war es schon nahezu vorbei. Ab zwölf Uhr ist das Schmeißen von Tomaten durch Ehrenkodex untersagt. Dann begannen die Bewohner einen Dusch-Service anzubieten. An jeder Ecke stand irgendwer mit einem Schlauch und es gab richtige öffentliche Duschen irgendwo in der Stadt. Dennis und ich hatten das Glück etwas abseits der Meute unter einem Fenster zu stehen, in dem sich eine nette Frau befand, die auf Anfrage den einen oder anderen Eimer Wasser auf uns entleerte. Danach gingen wir irgendwelchen Leuten hinterher etwas außerhalb zu einem Fluss, in dem sich einige säuberten. Uns wurde später gesagt, dass jedes Jahr um diese Zeit an den Ufern dieses Flusses kleine Tomatenpflänzchen sprießen, die zwar fix wieder eingehen, aber zuvor winzige Tomaten (die Tomatinas) hervorbringen.

Dennis und ich blieben noch etwas an dem Fluss um uns und unsere Sachen in der Sonne zu trocknen. Dabei quatschten uns zwei ältere Spanier an, die sich das Spektakel angesehen hatten. Einer von ihnen war ein Künstler, der wohl mit Natur-Materialien arbeitet und dort am Fluss wohnte. Er erzählte, dass er für seine Kunst auch schonmal nach New York oder so jettet, aber in der Regel wohnt er inmitten von Garnichts in den Bergen von Buñol. :) Der andere Typ war ein Freund von ihm zu Besuch. Sie boten uns ein paar Schnacks und ein Glas Wein an, Dennis schnorrte ein paar Joints und wir blieben ein paar Stündchen und redeten mit ihnen. Es war nicht leicht sie zu verstehen, aber Dennis kann schon etwas besser spanisch, weil er schon ne Weile hier herumreist. Dieser Künstler-Typ war wirklich irre. Man kann es nicht wirklich in Worte fassen. Und er wohnt irre cool. Hat im Prinzip nur einen Nachbar, aber dafür seinen eigenen Canyon. Er erzählte uns, dass am Abend die ganze Stadt feiern würde. Tausende Leute würden stundenlang Party machen wie doof. Das klang verlockend, aber wir waren wirklich hinüber und wollten nach hause. Sein Kumpel hatte eine Zeitschrift dabei, die er als “muy interessante” (sehr interessant) bezeichnete. Nach einer Zeit sah ich dann, dass die Zeitung sogar so heißt. Geniale Idee. :) Ich denke, ich werd mal danach Ausschau halten. Das sah wirklich nicht verkehrt aus.

Auf dem Weg von diesen Leuten zum Bahnhof trafen wir (das allerletzte, womit wir gerechnet hätten) Alberto wieder. Er hatte irgendwo einen Franzosen aufgegabelt, mit dem er da den Tag zugebracht hatte. Eigentlich wollte er nur noch duschen und auch nach hause und wir wollten uns am Bahnhof mit ihm treffen. Allerdings blieb er dann doch noch zur Party und wir haben ihn an dem Tag nicht mehr gesehen. Er erzählte nacher, er hätte außerdem noch ein paar Bier-Duschen abbekommen, die ein weiteres Hobby der Anwohner zu sein scheinen. Am Bahnhof war verdammt viel los. Ein paar Typen hatten zwischen zwei Wohnmobilen und ihrer Mörder-Anlage, die irgendwelchen Gabber-Abfall spielte, eine riesige Paella aufgebaut und zubereitet.

Abschließend kann man sagen: Tomatina rockt, wenn man auf krankes steht. Es kann wohl kaum jemand nachvollziehen, wie man auf so eine Idee kommt. Irgendjemand meinte, die Spanier wollten einen Überschuss an Tomaten vernichten, damit sie weiterhin irgendeine EU-Förderung erhielten oder damit der Preis nicht zu sehr fällt. Es gibt wohl viele Meinungen, wo dieses Fest herkommt. Wie auch immer. Man muss es mal erlebt haben, sonst kann man sich keinen Begriff davon machen. Schließlich kommen wirklich Menschen aus der ganzen Welt um sich das anzusehen. Vielleicht hat ja nächstes Jahr jemand Bock nochmal mit mir hinzugehen. Allzu oft ist das wohl nur für gewisse Leute etwas. Ich habe hier auch schon Leute getroffen, die keinen Bock mehr haben sich das anzutun.

Oh ja. Das wird euch freuen: An diesem Tag hab ich in Buñol die ersten spanischen Wolken gesehen. Es war abends richtig bewölkt und - jetzt haltet euch fest - es hat geregnet. Und gar nicht wenig. Es hat richtig geschüttet; und das stundenlang. Als Carsten, Dennis und ich abends noch was trinken waren, haben wir ein Taxi nach hause genommen, weil wir sonst völlig nass gewesen wären. Seit diesem Tag ist es jeden Tag zumindest ein wenig bewölkt gewesen, geregnet hat es aber nicht mehr.
Als wir zum Hostal kamen, saßen ein paar Leute auf den Stufen davor. Eine, ich glaube, Kanadierin spielte Gitarre und wir setzten uns dazu. Nach einer Zeit kam ein Schwarzer vorbei, der auch bei uns wohnte. Der war richtig cool. 52 Jahre, durchtrainiert, gläubig, scheinbar nie ohne Gitarre unterwegs und viele Weisheiten auf Lager; stilecht eben. :) Der setzte sich dazu, erzählte uns ne Menge über das Leben und die Frauen und spielte uns was vor. Nach einer Weile kamen zwei Russen vorbei und machten etwas Stress. Insgesamt war das aber äußerst witzig. Würde das Hostal nicht um drei schließen, hätten wir vermutlich noch deutlich länger dort gesessen.