Endlich will ich es mal schaffen ein Wochenende nicht erst am darauffolgenden zu beschreiben.
Dieses war nämlich echt fein. Der Anfang nicht so, denn am Freitag war ich mit Clara bei der Post um mal Erkundigungen über das hier nicht angekommene Paket einzuholen. Meine Eltern haben mit mittlerweile drei solche geschickt und gerade mal eines ist bisher hier. Da kann was nicht stimmen. Selbst in Spanien kann sowas nicht länger als 2-3 Wochen oder so dauern. Leider war da leider gar nix zu machen von hier aus. Ich hatte (natürlich) nur die Paketnummern zur Hand, die die Deutsche Post auf die Dinger geschrieben hat. Die Spanier wollten aber die spanischen Nummern wissen. Woher soll ich die wohl haben? Trotz eines Besuchs sowohl bei der Hauptpost in der Stadt als auch bei der Filiale hier in der Nähe standen wir am Ende mit leeren Händen da. Meine Eltern haben vor kurzem in Deutschland einen Nachforschungsantrag gestellt. Und paradoxerweise wurde uns hier gesagt, dass das mehr (oder zumindest schnellere) Aussicht auf Erfolg habe als von Spanien aus zu suchen. Ich denke, ich werde trotzdem nächste Woche noch einen solchen Antrag von hier aus stellen (die wollten dafür das exakte Abschick-Datum wissen, das ich nicht dabei hatte) und dann kann ich wohl nur noch beten. Also bisher bin ich von der Post hier nicht so überzeugt. Eines von drei Paketen ist meiner Ansicht nach keine gute Quote. Noch dazu wo zwei der Pakete gemeinsam abgeschickt wurden. Ich finde, das macht es schwieriger, dass nur eines ankommt. Auch warte ich ja noch immer auf einen Brief (oder zwei?) von der Deutschen Bank. Bisher hat mich ein einziger Brief hier erreicht und das eine Päckchen. Sollte mir also noch jemand von euch geschrieben haben und sich wundern, warum ich das nie erwähne… die Post ist Schuld. 
Der Weg in die Gegenrichtung funktioniert im Gegensatz dazu erstaunlich gut. Post, die ich von hier nach Deutschland geschickt habe, war in wenigen Tagen dort.
Naja. Der Freitag war also insgesamt nicht so spannend, und eigentlich hatte ich mir vorgenommen das Wochenende mal etwas intensiver für die Uni zu nutzen, was natürlich nicht hingehauen hat. Denn am Samstag oder Sonntag war der “Dia Internacional de l’Orxata” (der internationale Tag der Horchata). Die Horchata ist ein typisch valencianisches Getränk von dessen Wohlgeschmack ich bisher noch nicht ganz überzeugt bin. Aber die Horchata wurde gefeiert und natürlich feiern wir da mit. Am nördlichen Rand von Valencia liegt das Städtchen Alboraya, in dem die Horchata ihren Ursprung haben soll. Dank meines Newsletters bei erasmusvalencia.com bin ich ja immer wohlinformiert über all die mich kein Stück interessierenden Erasmus-Aktivitäten in der Stadt (heute Party in Club A, heute Party in Club B). Aber hin und wieder erreicht mich in diesem Rauschen von Party-Müll auch etwas interessantes wie der Hinweis auf diese Horchata-Zelebration. Dadurch war ich auch im Besitz des Programms für dieses Wochenende, was zwar nicht wirklich aussagekräftig war, aber ein wenig konnte man schon ersehen, wann es sich lohnte dort zu sein. Am Samstag wollte leider niemand mit mir dort hin (oder war nicht da, hatte Besuch etc.) und da ich abends eh zum BBQ eingeladen war, schaute ich auch nur kurz vorbei. Mein wirklicher Besuch fand am Sonntag statt, weswegen ich die Erzählungen auf diesen Tag beschränke.
Samstag nachmittag war BBQ auf der Dachterasse eines Mit-Informatikers. Über das StudiVZ erreichte mich seine Einladung und natürlich war ich begeistert, denn für Grillen bin ich ja immer zu haben. Als ich hierfür dann einkaufen ging, wurde mir wieder bewusst, wie unpopulär dies allerdings in Spanien ist. Wenn ich in Deutschland zum Plus oder sowas gehe, finde ich diverse Angebote (zur Saison teils ganze Regalwände) mit Grillfleisch in verschiedensten Formen. Hier… sehr mager. Es gab in dem riesen Supermarkt bei mir um die Ecke exakt zwei so Grillpakete, in denen “marinierte” Fleischstücke zu finden waren, was in Spanien bedeutet, dass man ein paar Kräuter draufgestreut hatte. Man findet Fleisch hier wirklich nahezu ausschließlich in naturbelassener Form und meist in großen Mengen (10 Schnitzel oder sowas). Das scheint daran zu liegen, dass Spanier halt nie wirklich alleine wohnen. Da ich nicht für mich alleine ein nicht wirklich tolles Grill-Paket von nem Kilo Fleisch oder so holen wollte, entschied ich mich für ein paar Würstchen.
Als ich dann mit diesen, ein paar Baguettes und meinem Standard-Getränk (Vodka-Lemon) vor der Tür stand, die ich für die richtige hielt, erreichte der Tag seinen Tiefpunkt. Thomas (einer der Gastgeber; er hatte mich eingeladen) hatte mir geschrieben “Hausnummer 20, App. 40, 7. Stock”. Als ich am Haus mit der 20 dann nur 8 Klingeln vorfand, versuchte ich es einfach mal mit der 7. Natürlich öffnete niemand und ich rief Wolfgang (ein weiterer Gastgeber und Informatiker) an, der selbstverständlich gerade in diesem Moment sein Handy weit, weit weg positioniert hatte. Nun wurde es knifflig, denn ich wusste nicht, wer noch auf dem BBQ sein würde, ich hatte von keinem weiteren Gastgeber die Nummer und mein Handy-Akku war nahezu leer. Ich hatte dann den Geistesblitz Pedro (ein portugisischer Informatiker) anzurufen, denn ich wusste, auch er wollte kommen. Er war noch nicht da, gab mir aber Thomas’ Nummer, der sich dann am Telefon korrigierte. Es wäre Hausnummer 40 und App. 20. Ganz trivial zu finden war die 40 nicht, aber nach ein paar Minuten war ich dann doch im richtigen Appartment, wo Thomas mit Erschrecken feststellte, dass er diversen Leuten die falsche Adresse mitgeteilt hatte, so dass wir fix zur 20 liefen und einen kleinen Zettel an die Tür hefteten, der die Leute umleiten sollte. Das schien ganz gut zu klappen, denn so nach und nach füllte sich das Appartment mit Menschen. (Ich war der erste Gast, und ich war schon fast ne Stunde zu spät.)
Die Typen (Meine deutschen Kommilitonen Wolfgang und Thomas wohnen dort zusammen mit Dennis, einem Holländer.) haben eine unverschämt große Wohnung. Die Zimmer sind ordentlich, das Wohnzimmer für drei Menschen geradezu gigantisch, (Sowas haben wir in unserem Haus in Deutschland.) und es gibt zwei Badezimmer. Außerdem wohnen sie im obersten Stock, haben es also nur ganz nah zur Dachterasse. Abgesehen davon, dass dort nach spanischer Tradition alle möglichen Kabel querbeet rumliegen und -hängen, ist sie wirklich schön. Und die Aussicht hat auch echt was. Das BBQ war angesetzt für fünf Uhr. So gegen sieben waren wir dann auch mal am grillen, glaub ich. Die Menschen kamen langsam aber stetig an. Ich kannte vielleicht die Hälfte, die meisten nur flüchtig. Schön war Eva und Friederike wiederzusehen, die in Gandia öfters mal dabei waren, wenn wir was unternommen haben, nun aber leider in einer Gegend fernab von uns anderen wohnen.
Der Samstag war ein echt toller Abend und ich hätte fast vergessen was vom Grill zu essen.
Es gab viel zu essen und vor allem zu trinken. Man kennt vielleicht die in Spanien üblichen riesigen Kanister, in denen man Mineralwasser kaufen kann. In einem solchen (8 Liter) mischte man einen Long Island Icetea zusammen. Man brauchte hier nicht groß abzumessen. Ne Falsche Vodka, eine Rum, eine Gin, etwas Zitronensaft und mit Cola auffüllen. Schmeckte gar nicht schlecht, das Zeug, und wirkte auch ordentlich. Ich hab mich stundenlang mit allen möglichen Leuten unterhalten und man war immer wieder erstaunt, wie früh es noch war. Für spanische Verhältnisse (an die man sich hier immer mehr gewöhnt) hatten wir schließlich mittags angefangen. Als es dunkel und kühler wurde, verlagerte sich ein Teil der Party ins Wohnzimmer bzw. in die gesamte Wohnung. Es gab stundenlange verteilte Diskussionen, was man denn noch machen könnte. Eigentlich war angedacht nur so bis neun oder was zu grillen und dann wo hinzugehen. Um kurz nach Mitternacht verließen dann doch einige die Party. Ich hab keinen Schimmer, wo sie letztendlich alle waren. Es war die Rede von “der schweizer Party”, “der Italiäner-Party”, … ich blieb. Mir erschloss sich der Sinn nicht recht hinter der Aktion durch die halbe Stadt zu reisen um zu einer Party zu gelangen, die der sehr ähnlich zu sein schien, auf der ich mich bereits befand. Ich verabschiedete mich also von nahezu allen, die ich kannte, (Einige gingen auch nach hause.) und ging wieder auf’s Dach (denn die Wohnung war mittlerweile wieder leer), wo noch so 10-15 Menschen waren. (Man bekommt eine Vorstellung davon, wie viele es vorher mal waren.) Die meisten der noch Anwesenden hatte ich zwar schonmal gesehen, aber bisher kaum Worte mit gewechselt. Die Mehrheit bestand aus Französinnen, die auf einmal da gewesen sein müssen, denn bisher waren sie mir nicht aufgefallen. Ich setzte mich irgendwohin und unterhielt mich den ganzen Abend sehr nett mit Gale (oder wie man sie schreibt), einer von ihnen, die immer meinte, ihre Freundinnen wären alle viel, viel verrückter als sie. An dem Abend traf das auch durchaus zu. Eine von ihnen kannte ich von meinem Gandia-Kurs. Jedoch war sie dort wesentlich unverrückter, was wohl durch Alkohol zu erklären ist. Irgendwann ging dann auch der Rest nach hause oder in irgendeinen Club (war ja erst vier). Ich gehörte zur ersten Gruppe.
Samstag war also pralle. Und statt am Sonntag auszuschlafen, rannte ich “schon” um elf oder so durch mein Viertel um einen Zeitungsladen zu suchen. Ich hatte nämlich an einer Bushaltestelle gesehen, dass es in der Ausgabe einer bestimmten Tageszeitung einen Gutschein gab, mit dem man einen MP4-Player für 90 EUR abstauben konnte. Das wäre mir sehr gelegen gekommen, da ich meinen MP3-Player ja unlängst am Flughafen in Valencia habe liegen lassen.
( Ich hatte dort (zusammen mit Heta-Mari) Beatrice bei ihrer Rückkehr aus Deutschland abgeholt, damit sie nicht alleine ist und man ihr das Gepäck wegklaut. So dankt einem das Schicksal also eine solche nette Geste.
Dieser Gutschein in der Zeitung entpuppte sich dann leider auch noch als Reinfall, denn man musste 21 weitere sammeln um was zu bekommen. Mit gut 110 Euro wäre das Teil zwar vielleicht immer noch günstig gewesen, (Die Zeitung kostet nen Euro das Stück.) aber ich will nicht noch drei weitere Wochen warten. Werde hier also wohl bald mal beim MediaMarkt vorbeischauen.
Abends fuhr ich wieder nach Alboraya. Wieder war niemand wirklich für die Sache zu begeistern, aber zum Glück hatte ich mich auf der Party am Samstag mit Friederike für das Event verabredet, war diesmal also nicht allein. So war das dann auch viel, viel cooler. Wir haben ständig über die Stadt hergezogen und die Theorie entwickelt, dass es sie eigentlich gar nicht gibt und man sie nur für dieses Fest einmal im Jahr kurz aufbaut. (Einige Häuser sahen aus wie Fassaden mit nix dahinter.) Das Programm selbst war nicht unbedingt so spannend, aber wir haben uns die Stadt mal etwas genauer angesehen, was wie gesagt sehr witzig war. Zwischendurch trafen wir Jonas und Nick (Holland). Ich hatte Jonas am Morgen von der Aktion erzählt und er meinte, er wolle mittags mal dort vorbeischauen. Ich hatte zuerst auch darüber nachgedacht mittags schon hinzugehen, denn um zwei Uhr gab es die Verköstigung einer “Paella Gigante” aus einer Pfanne so groß wie mein Zimmer. Allerdings gab es danach eine fette Lücke von vier Stunden im Programm bis zu dem Teil, zu dem Friederike und ich gekommen waren und ich hatte mich gefragt, wie man die in dieser spannenden Stadt wohl rumkriegen mochte. Ich war sehr erstaunt, dass es Jonas und Nick so lange dort ausgehalten haben. Auf jeden Fall haben sie jeder viel Paella zu sich genommen. Diese war zu der Zeit, als wir ankamen, zum Glück aber noch nicht ganz leer, also nahm ich einen Teller voll. Friederike störte sich leider an dem enthaltenen Fleisch. Generell waren die Leute da sehr freigiebig. Es gab Horchata und Bücher und DVDs über deren Herstellung gratis. Alles jedoch nur für alle anderen, denn immer wenn wir uns einem Stand näherten, war alles alle… bis auf die Paella (die auch umsonst war).
Wir hörten uns an dem Abend noch einen kleinen Teil des “concierto” an, das auf einer Bühne vor der malerischen Kulisse eines halb eingerissenen Gebäudes stattfand und dank mangelnder Technik aus ungefähr fünf Metern Entfernung schon kaum noch hörbar war. Danach gingen wir in eine Bar um etwas zu trinken (war dort gar nicht leicht zu finden). Auf dem Weg dorthin gesellte sich Sandra zu uns, die sich zu hause gelangweilt hatte und gerade angekommen war. In der Bar lief gerade Formel 1 und ein Spanier machte den zweiten Platz. Für einige Menschen war das wichtiger als Horchata. Als dann nach dem Autorennen ein Fußballspiel begann (Madrid-Barcelona; plötzlich wurde es *richtig* voll), gingen wir, weil wir den letzten Programmpunkt nicht verpassen wollten. Um ein Haar hätten wir es, denn er dauerte nur vielleicht drei Minuten. Im Programmheftchen stand etwas von einem Stier-Rennen, Feuer und all sowas. Man stellt sich eine Menge darunter vor. Aber nachdem wir schon die “passacalles” (quasi: Läufe durch die Straße) erlebt hatten, unter denen wir uns einen fetten Umzug vorstellten und dann zwei Leute mit einem komischen Kostüm und drei Trommler erleben durften, hätten wir es bereits besser wissen müssen.
Man male sich das vordere Ende eines Fahrrades aus, aus dem das vordere Ende eines Stiers gebastelt wurde, welcher ein Tischfeuerwerk im Mund hat, und einen Typen, der damit auf weglaufende Kinder losgeht. Im Video wird’s klarer.
Direkt danach ließ man noch eine Mini-Mascletá los (auch auf dem Video) und ein kleines aber feines Feuerwerk. Dann war die Stadt plötzlich in Aufbruch-Stimmung und als wir Sandra zum Schluss nochmal den netten Markt zeigen wollten, wo man allerhand Ramsch kaufen konnte, war da schon fast alles abgebaut und wir fuhren nach hause.
Insgesamt ein sehr, sehr cooles Wochenende. Und ich wollte es mit lernen verbringen.