Tierschutz ade
Mann mann, die Wochen rasen so dahin. Am letzten Wochenende war groß Gaudi in Valencia, denn letzten Montag war der “Día de la Comunidad Valencia”, somit DER Feiertag der Region. Man feiert an diesem Tag die Befreiung der Region Valencia durch den katalanischen König. Scheinbar war sie zuvor von den Mauren besetzt, denn hier und da im valencianischen Jahr gibt es ein Event namens “Moros y Cristianos” (Mauren und Christen).
Das Programm für’s Wochenende war recht voll. Denn es war außerdem ein Stierkampf-Wochenende. Drei Tage lang konnte man im “Plaza de Toros”, der Stierkampf-Arena, diesem Spektakel beiwohnen; am Samstag sogar umsonst, denn da waren scheinbar nur Anfänger (auf Seiten der Matadore und der Stiere) am Werk. Wir waren am Sonntag dort und sahen etwas erfahrenere Repräsentanten beider Seiten. Am Montag hätte man dann richtige Meister ihres Fachs beobachten können, hierfür aber auch richtig was auf den Tisch legen müssen. Bis zu 120 EUR konnte man für ein Ticket für Montag ausgeben. Wir haben uns mit einem 15 EUR-Ticket für den Samstag begnügt. Das bedeutete für den Tag schon Spitzenplätze.
Das Event an sich war… naja… vermutlich mein letztes dieser Art. Sechs Stiere wurden nacheinander von drei Matadoren erlegt. Jeder durfte zwei richten. (Letztendlich kam es anders s.u.) Der erste Kampf war wirklich schockierend. Danach waren wir alle fast soweit zu gehen. Der zweite war schon nicht mehr so heftig und ab dem dritten sah man sich das Ganze schon recht entspannt an. Dazu beigetragen hat wohl, dass der Ablauf immer exakt der gleich war: (Zart besaitete Menschen überspringen diesen Abschnitt vieleicht lieber.) Der Stier betrat die Arena und wurde von mehreren Menschen mit rosa Tüchern in der Hand müde gemacht. Er lief von einem zum anderen und die versteckten sich immer wieder hinter Absperrungen. Teils nett anzsehen, wenn es für die eng wurde. Als dann der Haupt-Torrero (es hab immer einen solchen mit einem Team aus drei Helfern) den Stier noch ein paar Mal durch sein Tuch hat rennen lassen, kamen die Pferde. Recht große Tiere, die gut gepanzert waren und auf denen jeweils ein Typ mit einer großen Lanze saß. Früher oder später rannte der Stier auf so ein Pferd los, welches dadurch manchmal fast umfiel (es aber nie wirklich tat) und bekam dabei die Lanze des Reiters in den Rücken gerammt. Es muss auch für das Pferd nicht ganz angenehm gewesen sein, denn trotz Panzerung muss es die Hörner des Stieres schon irgendwie gemerkt haben. Man hatte den Tieren übrigens die Augen verbunden. Vermutlich haben sie deshalb nicht die Flucht ergriffen. (Am Samstag gab es die Pferde nicht, denn da wurden nur junge Stiere bekämpft, die die Prozedur wahrscheinlich nicht so gut weggesteckt hätten.) Nachem der Stier es bei beiden Pferden mal versucht hatte und dadurch schon gut am bluten war, kamen die Picker (wer weiß, wie die heißen). Ein Matador nahm zwei davon in die Hände, bäumte sich etwas stiermäßig auf, lief dann an dem Stier vorbei und rammte sie ihm in den Rücken. Ich hab die Teile später an einem Stand liegen sehen. Die hatten fette Widerhaken und so. Meist blieben die auch bis zum bitteren Ende stecken. Dreimal geschah diese Aktion. Der Stier hatte nachher also sechs so Dinger im Rücken hängen und war mittlerweile gut am tropfen. Der Mann mit dem einzig wirklich roten Tuch machte dann noch ein paar Moves mit ihm (anfangs zog sich das hin, später schien man unter Zeitdruck zu sein und kürzte diesen Teil merklich. Als der Stier dann wirklich schon ziemlich hinüber war (müde und verletzt), reichte man dem Matador ein Schwert. Damit ging er auf den nun recht bewegungsarmen Stier zu und stieß es ihm durch den Rücken so in die Herz-Gegend. Das Teil war bestimmt nen halben Meter lang und ging vollständig rein. Der Stier stand dann noch ne Weile mehr oder weniger nett anzusehen und sackte dann zusammen. Das Schwert konnte wohl gut oder schlecht plaziert sein, denn manchmal dauerte es weniger lang, manchmal mehr. Der Stier schien am Boden auch nicht wirklich tot zu sein, darum kam dann noch ein Neben-Matador und stieß ihm einen kleinen Dolch in den Kopf. Nachdem er dort ein wenig damit herumgewedelt hatte (ja, drinnen), schein es dann vorbei zu sein und zwei weitere Pferde schliffen den Stier aus der Arena.
Also die ersten Kämpfe waren nicht wirklich schön anzusehen und als man sich mit der Brutalität abgefunden hatte, war dem Ganzen aufgrund der Redundanz nichts mehr abzugewinnen. Das einzige, was die Menschen scheinbar im Stadion hält ist das Warten darauf, dass der Matador endlich auch mal was abbekommt. Zumindest am Samstag und auch während unseres Aufenthalts am Sonntag passierte dies. Unser zweiter Mann bekam bei seinem ersten Kampf gut was ab. Es dauerte eine Weile bis seine Kollegen den Stier von ihm ablenken konnten. Seine Hose war ziemlich hinüber und er schien eine fette Wunde am Bein zu haben. Natürlich hat er den Kampf zu Ende geführt, danach aber jemand anderem die Arena überlassen.
Es war insgesamt auf jeden Fall ein Erlebnis. Man muss es wohl mal gesehen haben um darüber reden zu können. (Wer sich das ersparen will, ziehe sich die Fotos und Videos rein, die ich gemacht habe.) Aber ich bin ziemlich sicher, dass ich in absehbarer Zukunft nicht mehr zu solch einem Event auftauchen werde. Der Rest des Abends war weit besser. Wir gingen in einer richtigen Pizzeria eine Pizza essen. Irgendwo in der Altstadt. Das typische für die Altstadt ist, dass man dort rumläuft, irgendwas cooles findet und das später niemals wiederfindet. Vielleicht ändert sich das nach ein paar Monaten ja.
Später (um Mitternacht) fand dann ein Feuerwerk statt um den Día de la Comunidad Valencia einzuläuten. Wir wussten, es sollte an einer der vielen Brücken über der ehemalige Túria-Flussbett stattfinden (für die Architekten: die “Puenta de la exposición”, die von Calatrava entworfen wurde). Die Polizei hatte alles weiträumig abgesperrt, was blöd war, denn so passierte es, dass irgendwelche Leute, mit denen wir uns treffen wollten, nicht zu uns durch kamen. Uns kam die ganze Absperrerei ziemlich übertrieben vor und wir dachten uns: “Das Feuerwerk ist am Himmel; was soll hier unten schon passieren?” Direkt hinter der Absperrung stehend wurden wir uns sehr bald über die Wichtigkeit derer klar und darüber, dass die Spanier hierbei noch sehr großzügig waren, denn was da oben hochging, produzierte Müll; eine Menge davon. Und dieser regnete zur Erde nieder. Wir wichen innerhalb weniger Minuten diverse Meter von der Absperrung zurück und wurden noch gut bestäubt. Man wagte kaum nach oben zu gucken, denn dieses Zeug, was da so etwas auf der Haut brannte, war bestimmt nicht gut für die Augen.
Was da oben am Himmel abging, war auch heftiger als alles, was ich aus Deutschland kannte. Allem voran war es laut, unglaublich laut. Es war natürlich auch nett anzusehen, aber mit einem gemütlichem romantischem Feuerwerk hatte das nichts zu tun. Das war schlicht Krawall. Zwischendurch gab es ein nettes Gimmick: Irgendwas explodierte und kleine Lichter fielen an Fallschirmen zu Boden. Wir hielten das für das Ende, aber es wäre ein sehr unspanisches Ende gewesen. Danach schien jemand schlicht ein Feuerzeug in die Kiste fallengelassen zu haben, denn man jagte alles hoch, was noch da war. Man konnte kaum noch was von den bunten Lichtern am Himmel sehen, weil alles von einer riesigen Rauchwolke verdeckt war.
Definitiv eines der besten Feuerwerke, die ich je erlebt habe. Als die Brücke dann wieder begehbar war, hab ich mich mit Clara getroffen (die auf der anderen Seite war) und sie erzählte mir, dass das noch gar nix war. Die Valencianer könnten das noch viel besser. Ich freu mich schon drauf.