Typisch Spanien: langsam, aber laut
Am Montag war, wie erwähnt, der Día de la Comunidad Valencia. Den ganzen Tag gab es in der Stadt (die ja nunmal die Hauptstadt dieser Region ist) Programm. Die Anfänge davon, meinte Clara, wären gerade für Fremde nicht wirklich spannend. Der Bürgermeister sagt “Hallo”, (Das Rathaus wurde dafür extra geschmückt, so dass es an einen CocaCola-Weihnachtstruck erinnerte.) die valencianische Flagge wird gehisst, die Nationalhymne gespielt, Menschen weinen, … klingt wirklich nicht spannend. Wir kamen um fünf Uhr hinzu als auf dem Plaza de la Virgen traditionelle Tänze aufgeführt wurden. Auch das nicht wirklich ein Grund unter der Bettdecke hervorzukriechen. Was uns wirklich interessierte war das Event “Moros y Cristianos”, worunter wir uns bisher nichts vorstellen konnten, was aber irgendwas mit ausgeflippten Kostümen und einer Prozession zu tun haben sollte. Nun, das stimmte schon, allerdings war es eine spanische Prozession, was bedeutet, dass sie laaaaangsaaaaaam war. Als wir uns das Programm und die Route ansahen, dachten wir: “OK, vier Straßen, wie lang können die schon dafür brauchen? 1-2 Stunden vielleicht, wenn der Zug wirklich lang ist.” Der Zug war lang und es dauerte ganze 5 (in Worten: FÜNF) Stunden bis jede Komische-Konsüme-anziehen-und-ne-Band-mitbringen-Truppe aus Valencia mal die paar Meter gelaufen war. Nicht nur dass die Prozession wirklich, wirklich… wirklich langsam voran lief, mussten zwischen den einzelnen Gruppen auch noch große Lücken eingehalten werden, weil jedes Zehnergrüppchen seine eigene Band dabei hatte (die alle exakt die gleiche Musik spielten). Hier und da gab es etwas Abwechslung, wenn mal ein Pferd hin und her ritt oder ein riesen Papp-Elefant vorbeirollte, aber diese Spezialitäten hätten insgesamt vermutlich nichtmal ne halbe Stunde gefüllt.
Also die Kostüme waren nett anzusehen, wiederholten sich aber prinzipiell ziemlich. Es hätte vermutlich gereicht fünf von den Christen (scheinbar kamen die zuerst) und fünf von den Mauren anzusehen, aber bis zu letzteren haben wir nicht durchgehalten. Bei der nächsten Prozession kommen wir dann vielleicht erst nach drei Stunden.
Der Tag wurde beschlossen durch… na?… ein Feuerwerk. Aber nicht irgendeines, durch eine Mascletá. Was ist das? Prinzipiell ein Feuerwerk, aber eines, dass eher am Boden stattfindet. In diesem Falle an dem des “Plaza del Ayuntamiento” (Rathausplatz). Es wird ein bisschen Farbe in den Himmel geschossen, aber das scheint nur zu passieren, damit das Teil als Feuerwerk durchgeht. Dieses Ding war noch viel, viel lauter als das Feuerwerk zuvor. Man hatte das Gefühl sich mitten im Krieg zu befinden. Ich werde hoffentlich bald von jemandem ein Video dessen bekommen. Es sieht wirklich aus wie ein Bombenangriff. Das Ganze dauerte vielleicht drei Minuten und es steigerte sich zum Ende hin. Um sich die letzten Sekunden vorzustellen muss man in seinem Hirn ein Maschinengewehr formen, welches Granaten abfeuert.
Fazit: Goil! Zum Glück machen die sowas hier öfter. Ich hab mir sagen lassen, während der “Fallas” (Festtagswoche im März) quasi mehrmals täglich. Ich kann langsam nachvollziehen, warum Valencia als die lauteste Stadt Europas und als der größte Feuerwerkskonsument dessen gilt. Was die hier hochjagen, ist schon krass. Und scheinbar hab ich erst einen lächerlich kleinen Teil davon gesehen. Erstaunlich war, dass man diese Mascletá scheinbar nicht so arg weit gehört hat. Gut wir standen quasi direkt daneben (so zwei Straßenbreiten entfernt), aber ich hatte schon das Gefühl, man würde das in großen Teilen der Stadt mitbekommen. Wohl nicht. Umso bedeutungsvoller, dass man hier alle paar Nächte mitbekommt, wie irgendwo eine Art Feuerwerk stattfindet. Mein deutsches Hirn hielt dies anfangs zwar immer für Zeichen von Gewitter, mittlerweile ist es aber bereits konvertiert.
Das letzte Wochenende war also echt mal fein. Die Woche danach sehr kurz, denn heute (Donnerstag) ist bereits der nächste Feiertag, der allerdings spanienweit stattfindet, der “Día de la Hispanidad”. Ich glaube, es wird irgendwie die Entdeckung Amerikas oder die Eroberung der spanischen Kolonien dort gefeiert. Sowas in der Art. Man sagte mir, es würde nicht wirklich irgendwas stattfinden. Jeder Spanier würde einfach nur auf Eier schaukeln schalten. Und das nehmen die ernst. Wir haben gestern spontan beschlossen an diesem langen Wochenende (Den Freitag hat die Uni einfach auch mal für frei erklärt.) einen Trip nach Barcelona zu starten und waren heute den halben Tag damit beschäftigt zu organisieren, wie wir dorthin gelangen könnten. Heute haben wirklich nur eine Handvoll Spanier gearbeitet. Nicht ganz leicht dann sowas zu regeln. Aber dazu später mehr, denn jetzt muss ich ins Bett. Morgen geht’s früh los Richtung Barcelona.
April 14th, 2009 at 16:04
Hay muchos blogs que tratan este tema, sobre todo de “moros y cristianos”, pero pocos con la precision y la dedicacion de este. Adelante!