Barcelona für zwei Tage
Ja, sone Woche ist fix rum. Schon wieder Wochenende.
Zu dem letzten muss ich noch was nachreichen: Es war ein langes Wochenende, weil am Donnerstag letzter Woche “Día de la Hispanidad” war. Ich bin nicht ganz sicher, was die Spanier da feiern, aber wirklich was los war aufgrund dessen nicht. Alle Spanier haben einfach ne ruhige Kugel geschoben. Am Freitag danach haben diverse Fakultäten der Uni (nein, das ist nicht global festgelegt) auch frei gemacht.
Wir hatten spontan beschlossen das Wochenende zu nutzen und nen Abstecher nach Barcelona zu machen. Wir, das sind Beatrice, Heta-Mari, Jussi (Hetas Freund, der vor ner Weile beschloss sein Studium für ne Weile von hier aus zu führen) und ich. Die Idee wurde am Mittwoch abend geboren und wir haben ne ganze Weile gebraucht um so auf die Schnelle noch ne Möglichkeit zu finden zu bezahlbaren Konditionen in Barcelona unterzukommen. Wir fanden dann ein Zwei-Sterne-Hotel mitten in der Innenstadt. Teurer als ein Hostal natürlich, aber in solchen war nichts mehr zu machen. Es war halt in ganz Spanien langes Wochenende und wir waren verdammt knapp dran, was will man da erwarten?
Als wir dann was zu wohnen hatten, brauchten wir noch etwas, das uns dorthin bringt. Am Donnerstag (genau, an dem Feiertag) gingen wir also zum Bahnhof und zum Busbahnhof um uns zu erkundigen. Nachdem wir Stunden damit verbracht hatten uns durch die Stadt und den Tarifdschungel zu kämpfen, gingen wir wieder nach hause, weil uns die Idee kam, dass ein Mietwagen vielleicht die günstigsten Möglichkeit sein könnte. Dem war in der Tat so. Da Beatrice ADAC-Mitglied ist, bekamen wir zu nem ordentlichen Preis für drei Tage einen Seat Ibiza verprochen. Etwas beunruhigt waren wir allerdings, als die Bestätigungsmail einfach nicht ankommen wollte. Wir haben das einfach mal dem Feiertag zugeschrieben.
Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen. Die Mail war spät am Abend doch noch angekommen und jemand (ratet mal, wer) stand morgens um acht auf dem Campus um sie auszudrucken. Wir hatten das Auto für neun Uhr gebucht und trotz diverser Missverständnisse und Verzögerungen standen wir dann sogar so gegen halb zehn am Europcar-Schalter am Busbahnhof. Was man uns dann überreichte, war ein Nissan Micra. Ich bin immer noch nicht davon überzeugt, dass der in die gleiche Kategorie gehört wie der Seat. Der Motor war schon recht schwach. Mit vier Mann Besatzung war auf der Landstraße nicht mehr viel mit Überholen. Aber wir passten alle rein und da wir in Barcelona schließlich einen Parkplatz brauchten, war es nicht so unpraktisch ein wirklich kleines Auto zu haben. Natürlich brauchte unser Gefährt einen Namen. Aufgrund der (uns nicht sehr ansprechenden) Form des Wagens kamen wir auf “Ranita Fea” (hässliches Fröschlein). Als Fahrer wurden Jussi und ich auserwählt. Nicht unwesentliche Überlegung dabei war, dass wir dann vorne sitzen konnten. Wir haben uns dann immer abgewechselt. Es war wirklich schön zu fahren. In Valencia und in Barcelona natürlich etwas stressig, wobei sich auch das in Grenzen hielt, aber zwischendrin war es richtig gemütlich. Es gibt hier eine Landstraße, die hunderte von Kilometern an der Ostküste entlang geht und die wir gefahren sind, da die Autobahnen in Spanien ja teils Geld kosten (eine solche führt nämlich auch an der Küste entlang). An der Straße waren zig Restaurants und ähnliches, man konnte also auch gut Rast machen. Und man hatte eine klasse Aussicht auf die Landschaft und teils auch auf das Meer. Zwischendurch auf dem Hinweg kamen wir auf die Idee die Freiheit, die uns das Auto gab, auszuschöpfen und nicht direkt nach Barcelona zu fahren. Auf dem Weg dorthin liegt nämlich ein Fluss-Delta mit Naturschutzgebiet, und wir haben uns das kurzerhand mal angesehen. Im Nachhinein stellte sich das als Reinfall raus, weil das einer der langweiligsten Orte der Welt zu sein scheint (nur zum Angeln geeignet), aber es war trotzdem cool mal diesen Abstecher ins Nirgendwo zu machen. Sehr komisch war, dass in dem Kaff dort ne Menge Deutsch zu finden war. Auf diversen Schildern, Wegweisern etc. stand was wie “Bootsverleih” oder so. In dem Örtchen nebenan konnte man auch Häuschen kaufen, also vermutlich gab es da nur Touristen. Denn das wirkt stark, wie wir bemerkt haben. In Barcelona sprach ungefähr jeder englisch und manche sogar etwas deutsch. Wir haben wirklich versucht mit den Menschen spanisch zu sprechen, aber sie haben immer nur auf englisch geantwortet. Barcelona ist halt was das Touristen-Aufgebot angeht, unwahrscheinlich krasser als Valencia. Dagegen ist das hier echt Dorf-Atmosphäre.
Wir haben uns unter Barcelona den totalen Auto-Horror vorgestellt, aber als wir ankamen war scheinbar wenig los, denn wir kamen erstaunlich problemlos vorwärts. Wir fanden sogar einen kostenlosen (!!!) Parkplatz in einer etwas abgelegenen Straße direkt neben einer Polizeistation. Ein Sicherheitsmensch wachte Tag und Nacht über die Einsatzwagen vor der Tür und Little Ranita stand direkt daneben. Besser ging’s gar nicht. Außerdem standen wir ziemlich nah an dem riesen Gebäude, das ein wenig an einen Dildo erinnert, so dass wir von überall aus wussten, in welcher Richtung unser Auto stand.
Unser Hotel befand sich auf der Straße “Las Ramblas”. Wem das nichts sagt: Das ist eine der belebtesten Straßen Barcelonas mitten im Zentrum. Abends und nachts natürlich recht laut, aber man ist halt mittendrin. Das Hotelzimmer war auch nicht so verkehrt. Wir hatten ein Quadrupel (Vier-Bett-Zimmer) mit zwei Badezimmern und einem Safe (sehr beruhigend). Für drei Euro Aufpreis gab es sogar ein Frühstück, was wir allerdings nur einmal getestet und dann für wertlos erklärt haben.
Wir kamen am Freitag spät abends an und wollten Sonntag recht nah am Mittag wieder fahren, also hatten wir grob 1.5 Tage Zeit, was natürlich unglaublich wenig war. Wir haben einen winzigen Eindruck von der Stadt bekommen, aber meiner Ansicht nach war der Road Trip das Ganze schon wert. In Barcelona haben wir dann eine Bus-Tour gemacht und haben zu Fuß noch einige Dinge erkundet. (Fragt mich nicht, was das auf den Fotos alles ist.) Vor allem für Architekten muss die Stadt sehr interessant sein, vermute ich. Ich hoffe, ich finde bald Zeit die Bilder online zu stellen. Dann schreib ich auch noch mehr dazu. Sehr spektakulär war immer die Aussicht, wenn wir uns auf einem der Berge um Barcelona herum befanden. Auf einem gab es sogar einen kleinen Vergnügungspark, in dem man mit der Achterbahn über den Abgrund fahren konnte.
Am Sonntag nachmittag stand dann die Rückreise an. Wieder hatten wir ziemliches Glück mit dem Verkehr und Ranita stand noch genau dort, wo wir sie abgestellt hatten. Auf dem Rückweg machten wir keinen Abstecher in irgendwelche langweiligen Dörfchen, aber wir machten unterwegs ein Picknick, denn diesmal waren wir so klug was zu essen mitzunehmen. Leider war auf der Rückreise das Wetter nicht mehr so schön (es regnete sogar zwischenzeitlich). Trotzdem war es ein spitzen Gefühl am Playa Bara zu sitzen und sich Sandwiches zu schmieren. (Natürlich fand das Picknick am Strand statt.) Cool war auch, dass an dem Strand, an dem wir picknickten, der Camping Platz liegt (an dem wir auch vorbei kamen), auf dem ich signifikante Teile meiner Kindheit verbracht habe.
In meinen ersten Lebensjahren war unsere Familie (und die Familie Verheyen) ständig auf diesem Platz.
Noch ne witzige Sache: Kurz nach unserer Ankunft gingen wir in die Stadt um was zu essen zu suchen. Direkt vor dem Eingang unseres Hotels trafen wir Jonas (meinen Mitbewohner), der in dem Hostal gegenüber wohnte. Er war mit ein paar Kumpels per Anhalter hergekommen. Die haben quasi ein Rennen in Teams veranstaltet. Sehr coole Idee und scheinbar äußerst spaßreiche Aktion.
Ich glaube, an diesem Wochenende waren fast alle irgendwo unterwegs. Ein paar meinten vorher noch sie würden in Valencia bleiben (meinte ich ja auch), aber letztendlich waren doch fast alle weg (die meisten in Barcelona oder Madrid). Mal sehen, ob es noch weitere solcher Gelegenheiten geben wird. Lange Wochenenden gibt es nicht mehr so viele und mit meinem Stundenplan kann ich leider auch nur äußerst schwer welche herstellen. Es hat auf jeden Fall irre Spaß gemacht und ich hoffe, es werden noch weitere solcher Aktionen folgen. Im nächsten Semester, wenn ich Spanisch kann *träum* und bei der Vorlesungswahl etwas flexibler bin, kann ich meinen Stundenplan vielleicht etwas zusammenpressen, so dass am Rand Tage frei werden.