Two guys and a tool
Ich glaube, die Frequenz meiner Beiträge nimmt weiter ab. Zum einen passiert hier mittlerweile schon was weniger als am Anfang, zum anderen wird auch die Uni mehr und mehr zu etwas, das Zeit haben möchte. Obwohl ich (selbst wenn das hier niemand lesen würde) das blog gerne als ein abgespecktes Tagebuch verwenden würde um mich später auch selbst an diese schöne Zeit erinnern zu können, bleibt weniger und weniger Zeit dafür, und es gibt auch wirklich nicht mehr so viel zu berichten wie zu Anfang. Ihr werdet von nun an also nur noch Weltbewegendes zu lesen bekommen.
Wie dieses: Heute haben Jonas und ich unsere Waschmaschine gefixt. Das war richtig cool. Es blieb nämlich immer viel zu viel Wasser und Waschmittel in der Maschine und der Wäsche. Also wollten wir mal den Filter reinigen. Es stellte sich bald heraus, dass der recht sauber war, aber in dem Abwasserschlauch irre viel Zeug rumlag. An diesen ran zu kommen war nicht so leicht. Das ging dann ungefähr so: “Hm… wir kommen da nicht dran. Können wir das hier abschrauben? Nein, dafür müsste das weg sein. Das geht nicht. Vielleicht können wir das wegmachen und dann kommen wir von der anderen Seite…” Wir hatten zum Schluss das Teil auf der Seite liegen und an diversen Enden was geöffnet. Dann kamen wir an einiges dran, aber wir hatten halt kein anständiges Werkzeug. Das bewahrt Susana nämlich in ihrem Zimmer auf, und sie war noch am schlafen (und hatte wen da, glaub ich). Also verfügten wir über ein Teil, an dem mehrere Schraubenzieher und so hingen und was Jonas mal für nen Euro irgendwo gekauft hat, und was sonst noch so in einer (schlecht bestückten) Küche vorhanden ist. Dieses 1-Euro-Werkzeug hat wirklich Wunder geleistet. Es hätte einen Orden verdient. Es ist auch fast bei der Aktion draufgegangen, aber zum Glück haben wir unter und in der Maschine 1,20 EUR gefunden, wovon wir ein neues kaufen können. ![]()
War auf jeden Fall schon sehr cool, auch wenn ich dadurch nun erst um fünf Uhr oder so die erste Mahlzeit des Tages einnahm. Wir nutzten auch ein paar Küchengegenstände, wie Pfannenheber und sowas. Erstaunlich was man mit denen und etwas Ingenieursgrips hinbekommt. Nun läuft das Teil wieder rund… denke ich (wir testen sie gerade). Aber das Wasser läuft nun ohne Probleme ab. Und das Wasser, was nach unserer Aktion austrat, haben wir auch unter Kontrolle bekommen.
Oder das: Gestern war ich auf der Geburtstagsparty von Inessa. Sie ist Kanadierin und studiert mit mir hier Informatik, obwohl sie eigentlich Mathematik studiert. Die Party begann bei ihr zu hause, wo ich recht spät auftauchte, weil Jonas an dem Abend eine Paella zubereitete, die ich erstmal probieren musste. Trotzdem war das eine sehr coole Party. Wir waren vielleicht 20 Menschen oder so in dem 2-Mensch-Apartment und von der Besetzung her war es schon recht anders als ichs gewohnt bin. Normalerweise sind hier auf Parties nämlich so 50% Deutsche anwesend. Hier war ich der einzige. Die Mehrheit stellten die Skandinavier (ein Däne und diverse Norweger und Schweden). Außerdem waren ein Pole, die Mitbewohnerin von Inessa (eine Amerikanerin) und ein kanadischer Freund von ihr, der grad in London arbeitet, anwesend. War mal eine schöne Erfahrung, diese Mischung, und die Skandinavier hier sind alle super in Ordnung.
So irgendwann zwischen zwei und drei Uhr gingen wir dann los um uns auf der Straße eine neue Location zu suchen. Inessa wohnt an der “Avenida de Vincente Blasco Ibáñez”, wo sich ein Großteil der Erasmus-Läden befinden. Wir liefen also nur wenige Minuten und standen letztendlich vor dem “Zenith”, das ich als Mini-Disco bezeichnen würde, obwohl die Spanier das vermutlich anders einsortieren. Es hatte eine eher kleine Tanzfläche, wo laute Musik gespielt wurde, allerhand Licht-Spielzeug an der Decke hing und sogar eine Bühne mit Tänzerinnen existierte. Weiter hinten gab es dann einen etwas ruhigeren Bereich, wo man sogar miteinander reden konnte.
Wir waren acht Menschen. Eine unter uns hatte sieben Freikarten für den Laden. Der Türsteher wieß uns darauf hin, dass diese erst ab vier Uhr gelten würden (ja, der Laden machte ja auch erst um drei auf). Vermutlich hat er gemerkt, dass wir uns in der Zeit bis dahin (~50 min.) was anderes suchen würden und hat uns einfach rein gelassen. Er hat nichtmal die Anzahl der Freikarten gecheckt. ![]()
Nun sollte man ja meinen, ich hätte mich dort - wie ich es in Discos zu tun pflege - zu Tode gelangweilt. Dem war jedoch nicht so. Ich war selbst überrascht, aber obwohl nur sehr wenige Gläser Sangría und später ein Vodka und ein Tequila in mir ihr Werk taten, hatte ich tierisch Spaß. Es war ja klar, dass ich verändert nach hause kommen würde, aber nun haltet euch fest: Ich habe getanzt. Vielleicht nicht gut, aber zumindest nahezu non-stop. Vielleicht ist es unklug, das zu erwähnen, weil das dann zu hause demnächst jeder von mir erwartet, aber bisher war das erstmal eine einmalige Aktion. Wir werden sehen… Vielleicht hat es bis dahin auch schon jeder wieder vegessen.
Auf jeden Fall war das ein tierisch cooler Abend. Ich hatte noch nie so viel Spaß in einer Disco. Wir standen da im Grüppchen und haben uns amüsiert. Plötzlich zog der Pole (Es kam irgendwie nicht dazu seinen Namen zu erfahren, aber ich hab ihn schonmal im Hörsaal sitzen sehen.) seinen Gürtel aus, zwei Leute hielten ihn fest und wir machten spontan eine Limbo-Aktion. Völlig krank, aber saulustig. Andere Leuten haben auch mitgemacht.
Wir blieben so bis fünf oder sechs. Dann war Inessa hinüber.
Ich schlief bis halb zwei oder so und werkelte dann mit Jonas an der Waschmaschine bis zum Abend. Insgesamt ein feines Wochenende.
Außerdem ist das Wetter wieder besser geworden. Vielleicht ist es nicht mehr wirklich Strandwetter, aber das Termometer kletterte schon wieder auf 28°. Außerdem sind die Wolken größtenteils futsch. Schon nicht verkehrt für Mitte November. Gestern Mittag war ich wieder ne Runde Basketball spielen. Das war wieder sehr cool, aber halt etwas warm.
Danach hatte ich schon Blasen an den Füßen, was meine Aktion in der Disco noch viel bewundernswerter macht, wie ich sagen würde. Hoffen wir, dass das so weitergeht. Für die nächsten Tage sieht die Wetterkarte auf jeden Fall fein aus… nicht für den Rest von Europa, aber für Spanien schon.