Driving Home for Christmas
Vielleicht fragt ihr euch ja, wie meine letzten Tage in diesem Jahr in Spanien so aussehen. Vielleicht interessiert das auch keinen, aber ich hab Bock es aufzuschreiben, also tu ich einfach mal so.
Also die letzten Tage waren etwas stressig. Die Arbeit für die Uni konzentriert sich zur Zeit etwas, weil die Abgabe-Termine und auch die Klausuren näher rücken. Außerdem hab ich mittlerweile drei Tandem-Partner durch den AEGEE zugewiesen bekommen (zwei für deutsch, einen für englisch), mit denen man sich gerne mindestens einmal die Woche treffen möchte. Und dann kommen natürlich noch die ganzen feinen Termine dazu wie Koch-Abende etc.
Letzten Donnerstag z.b. (der Tag nach dem Dinner mit den ganzen Franzosen) haben wir (Heta, Isabel, Sandra, Bea und ich; Bea hatte außerdem noch ihren Freund Mirko zu Besuch) Käse-Fondue gemacht. Sehr coole Sache, muss ich sagen. Wir haben dabei Weihnachtsmusik gehört und Glühwein getrunken. War schon ein klein wenig Weihnachtsstimmung.
Am Freitag wollte Heta für uns (die gleichen plus Peter; der Typ, der mit in Andalusien war) eine Alkohol-Vernichtungsparty schmeißen, da sie im Februar (jaja, schon seeehr bald) wieder nach Finnland geht und den ganzen Stoff, der sich durch ihren Geburtstag und den Besuch diverser Freunde so angesammelt hat, nicht wegschütten will. Wir trafen uns also und bestellten erstmal bei dem göttlichen Chinesen bei ihr um die Ecke Essen, was sich natürlich nach spanischer Sitte alles sehr lange hinzog. Nach dem Wein zum Essen wollten wir dann zum richtigen Alkohol übergehen. Unser Problem war allerdings die schon öfter problematisch gewesene Mitbewohnerin aus Dänemark. Diese hatte nämlich ihren Rückflug für den nächsten Tag gebucht und musste um vier in der Nacht das Haus verlassen. Da sie uns um wenigstens ein paar Stunden Schlaf bat (und scheinbar sehr, sehr empfindlich ist was Geräusche im Haus angeht), zogen wir schon um zwölf los (nachdem wir kaum Alkohol vernichtet hatten) und gingen in einen Irish Pub. Eigentlich wollten wir an dem Abend (nach der Vernichtung) so richtig einen drauf machen, aber dafür war die Stimmung nicht entsprechend, also ging es nach einer Runde im Pub nach hause.
Wir nahmen uns vor im Januar, wenn wir alle wieder hier sind, einen weiteren Versuch zu starten. Dann so bald wie möglich, damit wir eine weitere Chance haben, wenn das wieder schief gehen sollte.
Samstag Abend war Plätzchenbacken angesagt in der Bude von Friederike, Eva, Chris und Miguel. Hier kam schon etwas mehr Weihnachtsstimmung auf, denn diese ist fein dekoriert, und es gibt sogar einen kleinen Baum. Dazu wieder Weihnachtsmucke und natürlich Glühwein, für den wir allerdings Sangría verwenden mussten. Als Miguel (der Spanier der WG) sah, dass wir das Zeug kochten, ist er fast übergeschnappt. Als er später probierte (natürlich mit Schuss - irgendeinem Rum), meinte er sowas wie: “Schmeckt echt gut und haut wohl rein. Ihr Deutschen habt das raus.”
Zur Zubereitung hatten wir sogar (denn Marco hatte seinen Besuch aus Deutschland mitgebracht) so Teebeutelchen mit Glühwein-Gewürzmischung dabei. Tipp an dieser Stelle: Wenn du die Schnur mit dem Schildchen eines teebeutelähnlichen Gebildes über den Topfrand baumeln lässt, hast du nicht lange Spaß daran, wenn dieser auf einem Gasherd steht.
Ein weiteres Mitbringsel unseres Gastes aus Deutschland war Brause, die wir mit Vodka kombinierten. Auch dies eine neue Erfahrung für Miguel und seine Freundin, jedoch keine schlechte.
Das Essen der Plätzchen stand an dem Abend gar nicht so im Vordergrund, eher das Herstellen. Wir hatten etwas Lebensmittelfarbe da, was den Spaßfaktor noch exponentiell ansteigen ließ. Wir formten dann Dinge wie die spanische Flagge, einen Hot Dog (So ein Ding nennt man hier übrigens “perrito caliente”, was wirklich “heißes Hündchen” bedeutet.) und sowas in der Art. Unser Meisterstück war ein Hamburger, der so an die 5cm hoch wurde. Sprachmäßig war der Abend nicht herausragend, weil bis auf Miguel und seine Freundin, die nicht wirklich teilnahmen, ausschließlich Deutsche anwesend waren.
Nachdem wir dann ne ganze Weile gut gebechert hatten, war es irgendwann Zeit zu gehen (Ich hatte mich am nächsten Morgen um elf in der Uni verabredet.) und ich lief mit Marco und seinem deutschen Besuch (beide auch aus Aachen) los. Kein Schimmer, wie lange wir unterwegs waren. Von der Distanz her müssen es über 1.5 Stunden gewesen sein. Die Straßen werden niemandem was sagen, aber der Bus braucht dorthin so 45 Minuten mit etwas Verkehr. Marco (der von uns dreien am nüchternsten war) dachte, das wäre ne gute Gelegenheit um mal ein paar neue Gegenden von Valencia zu erkunden. So lernten wir ein paar Straßen kennen, in denen wir zuvor noch nie waren. Aber wir kamen ohne merkliche Umwege alle zu hause an und die Folgen am nächsten Morgen hielten sich durchaus in Grenzen. Alles in allem also ein gelungener Abend.
Am Sonntag waren wir (Heta, Isabel, Bea, Mirko und ich) im Zirkus. War ich ja schon seit Jahren nicht mehr. Das war auch ganz fein. Wir standen leider zuerst ne ganze Weile vor der Tür und die Schlange dort war wirklich lang, aber als die Tür dann auf war, ging’s ganz fix rein. Es gab etwas Verwirrung mit den Sitzplätzen, weil die Einweiser selbst nicht alle Bescheid wussten, wo wir hin mussten. Die Show selbst war aber sehenswert. Leider durfte man keine Fotos machen.
Die restliche Zeit des Wochenendes verbrachte ich in der Uni und arbeitete mit Jakob (einem Dänen) an den praktischen Aufgabe für meine Vorlesung “Neuronale Netze”. Cool ist da, dass man auch am Wochenende auf den Campus und in die Bibliothek kommt. Allerdings auch nur dorthin. Wenn man irgendwo anders rumläuft, kommt direkt ein Sicherheitsmann und fragt, wo man denn hin will.
Aber immerhin. Man kann arbeiten, das hat was. Blöd wird’s, wenn man was zu essen braucht. Das bringt man sich besser mit, denn auf dem Campus bekommt man dann nix und in der Nähe des Campus gibt es auch verdammt wenig, wie wir festgestellt haben. Außerdem machen die Spanier ja (nach)mittags auch bei Kaiserwetter mal gerne alles zu.
Diese Woche war nicht ganz so voll. Am Montag waren wir mit unserer Netzwerk-Vorlesung im Rechenzentrum der Uni und haben eine Führung genossen. Ich hab den Typen davon sogar einigermaßen verstanden und war beeindruckt vom Uni-Netz. Als wir dann im Server-Raum standen, wo es kalt und sehr laut war, war nicht mehr ganz so viel mit verstehen, aber auch das war interessant. Habe noch nie so viele Kabel, Stecker, Knöpfe und Lämpchen auf einem Haufen gesehen.
Am Dienstag Morgen hatte ich das Examen des Spanisch-Kurses der Uni. Ich hoffe mal, das ist gut gelaufen, damit ich im nächsten Semester in einen höheren Kurs gehen kann.
Ansonsten hab ich mich in diesen Tagen noch mit einem Projekt für das Fach “Echtzeit-Systeme” beschäftigt. Wir müssen dort eine Software schreiben, mit der man einen Roboter ansteuern kann (quasi Taste gedrückt halten und Teil bewegt sich irgendwie). Man muss außerdem eine eingenommene Position speichern und später wieder abrufen können. Interessante Sache an sich. Blöd ist, dass wir das mit Ada machen müssen, von dem niemand in unserer Gruppe Ahnung hat. Auch hier liegt also etwas Arbeit vor uns, aber die ist zu bewältigen.
Und jetzt für die, die durchgehalten haben, noch was Witziges zum Schluss: Ich war gestern im Corte Ingles hier um die Ecke um noch ein bisschen was zu kaufen, was man an Weihnachten anderen Menschen so in die Hand drücken könnte. Dort war ich unter anderem in der CD-Abteilung und hab mich umgesehen. Hier gibt es ja eigene Regale für spanische und andere für internationale Musik. In großen Läden wie diesem außerdem welche für nicht-englisch und nicht-spanische Musik. In diesen suchte ich nach deutscher Musik und fand exakt eine CD. Es war (Ich hoffe, ihr sitzt gut.) “Schrei” von Tokio Hotel. Ich war fast soweit den Vorschlag des Titels zu beherzigen. Wenn das das Einzige ist, was die hier von Deutschlands Musik kennen, dann kann ich von nun an hier keinem Spanier mehr in die Augen sehen.
Nunja, ich hab alle Geschenke beisammen und es bleibt nur noch meinen Koffer zuende zu packen und ihn zum Flughafen zu tragen. Ich kann es noch kaum glauben, dass es morgen losgeht. Ich freu mich tierisch auf Deutschland und das nicht nur weil die wissen, wie man anständige Heizungen baut. Ich freu mich darauf möglichst viele von euch wiederzusehen und ein paar Dinge zu genießen, die ich hier vermisse (ne anständige Pizza z.b.).
Also ab Samstag könnt ihr für zwei Wochen wieder meine deutsche Handy-Nummer zumüllen oder meine Gocher Festnetznummer gebrauchen. Mein Telefon dort ist bestimmt schon eingestaubt.
Dejenigen, die ich nicht zu sehen bekomme, wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest und einen tollen Start ins neue Jahr!
Hoffentlich bis bald.