Archive for February, 2007

“Die Gemüse-Paella, aber bitte nur mit Gemüse.”

Tuesday, February 27th, 2007

Am letzten Wochenende war ich mit Friederike, Eva, Marco, Miguel und drei Besuchern von Marco, die ich vorher nie gesehen hatte, auf einer Fahrradtour zum Albufera. Das ist ein Naturschutzgebiet ein wenig im Süden von Valencia mit einem fetten See mitten drin. Außerdem gibt es dort noch “El Saler”, ein Dörfchen und namensgleich der angeblich beste Strand der Gegend hier. Dort gibt es der Sage nach auch einige der besten Paella-Reastaurants.
Zwar verfügt hier der eine oder andere über ein Fahrrad, aber für diese Aktion liehen wir dann doch geschlossen welche aus. Das lief dann auch äußerst spanisch ab. Der Laden liegt mitten in der Altstadt und öffnet offiziell um elf Uhr. Zu dieser Zeit trafen wir uns dort (natürlich kamen alle nach spanischer Sitte zu spät) um auch schon um 11:15 den Laden betreten zu können, nachdem ein sehr verschlafen aussehender Typ auf einem Fahrrad ankam und die Tür öffnete. Er machte den Eindruck in der Nacht zuvor nicht wirklich geschlafen zu haben. Es waren dann noch wenige Menschen vor uns, aber irgendwie hat sich der Mensch für jedes Fahrrad, das seinen Laden verließ, unheimlich viel Zeit gelassen. Und wir waren zu acht. Man kann sich vorstellen, wie komplex unser Wunsch war (dabei hatten wir zuvor reserviert). Um zwölf waren wir dann auch schon auf dem Weg. :) Wie immer war das schwierigste aus Valencia raus zu finden. Zwar ist das mit dem Fahrrad viel einfacher als mit dem Auto, aber wenn man nur sehr grob weiß, wo man überhaupt hin will, erschwert das die Sache schon. Unser Trip war nämlich auch sehr spanisch geplant… also gar nicht. Wir kannten zwar die Richtung, in die es in etwa gehen sollte, aber der einzige von uns, der schonmal dort war (Miguel), tat dies natürlich mit dem Auto. Spanier sind eh nicht so die Menschen, die lange Strecken mit Fahrrädern zurücklegen. Innerhalb der Stadt sieht man sie schon (auch nicht übermäßig viel; die mit den Fahrrädern sind eher Erasmus-Leute), aber außerhalb dann nicht mehr so wirklich. Entsprechend unzahlreich sind auch Radwege und ähnliches vorhanden. Ein Weilchen folgten wir einem bis Miguel dann plötzlich sagte: “Das kenn ich. Hier lang.” Niemand dachte wohl noch an die Tatsache, dass er bisher immer das Auto nahm um zum Albufera zu fahren. Somit fanden wir uns kurze Zeit später auf der Bundesstraße wieder, die jeder anständige Spanier mit seinem Auto dorthin befuhr. Klar, wir Deutschen haben kein Problem damit dort lang zu fahren (wie’s sich gehört auf der linken Seite), aber Miguel wurde mal wieder in seiner “Crazy Germans”-Ansicht bestärkt. Was dieser Mann durch seine exotischen Mitbewohner schon alles erlebt hat… Die anderen Spanier, die wir in ihren Autos sitzend auf der Straße trafen, waren von unserer Vorgehensweise allerdings auch nicht sehr angetan. Diejenigen, die nicht geistesgegenwärtig beim Vorbeirauschen die Hupe betätigten um ihren Missmut zu äußern, machten einen etwas überforderten Eindruck und man konnte fast meinen, sie hätten Angst gehabt uns zu überholen (als wir noch auf der rechten Seite fuhren). Scheinbar wird einem in der Fahrschule in Spanien nicht beigebracht mit solchen Situationen umzugehen. Fahrräder auf der Straße. Wie absurd.
Nach einer (vermutlich hauptsächlich durch unser Herumirren innerhalb Valencias) recht lange erscheinenden Zeit kamen wir im Albufera an. Blöd war halt, dass wir nicht die bequemsten Fahrräder erwischt hatten (erst recht nicht für die Großen unter uns) und z.b. Miguel das letzte Mal mit 10 Jahren überhaupt auf einem Fahrrad gesessen hatte und auch sonst kein Fan körperlicher Bewegung ist. Wir fuhren bis zum See. Auf dem Weg dorthin war es schon windig. Klar, da steig ich hier einmal auf ein Fahrrad und schon ist Sturm. Aber am See war es dann echt ungemütlich. Irgendwie war auch sonst niemand dort. Wir fanden all die Menschen in El Saler in den Paella-Restaurants wieder. Wir bestellten mehrere Sorten. Zum einen überforderten wir den Kellner erneut nahezu mit Friederikes Wunsch nach etwas vegetarischem. In Spanien reagieren die Menschen beim Ansprechen dieser Thematik immer noch irgendwie sonderbar, als wolle man die Paella püriert mit dem Stohhalm genießen oder was Vergleichbares. Fun Fact: “Paella de Verdura” (Gemüse-Paella) klingt vielversprechend, enthält aber scheinbar irgendwie nicht nur Gemüse (wäre ja… ich weiß nicht… logisch?). Ich glaube, wir bestellten dann eine modifizierte Version dieser, die dann eben wirklich nur Gemüse enthielt. “Die Gemüse-Paella, aber bitte nur mit Gemüse.” @-) Natürlich nur eine möglichst kleine Pfanne. Eva gesellte sich zu Friederike, weil es Paella in der Regel nur für mindestens zwei Menschen gibt. Auch ich probierte und fand es zwar ungewöhnlich, aber gar nicht so verkehrt. Miguel meinte, er fühle sich nach dem Kosten nicht mehr als Mann, aber es würde nicht wirklich schlecht schmecken. Die zweite Sorte war die Lieblingssorte von Miguel, deren Name mir nicht mehr einfällt (”Arroz Abando” oder sowas). Diese enthält kaum Gemüse und ansonsten Tintenfisch und noch was schwimmendes. Außerdem tun die irgendwie viel Geschmack an den Reis (wie auch immeR). Auf alle Fälle äußerst lecker. Ich glaube, ich mag am liebsten die Sorten mit Meeresfrüchten. Es gibt noch eine weitere (die vermutlich berühmteste: Paella de marisco), die auch die fette Garnelen draufliegen hat. Unsere dritte Wahl fiel auf die “Paella Valenciana”, die man natürlich mal gegessen haben muss, wenn man hier ist. Sie enthält Hühnchen und Häschen als Fleisch und noch gewisses Gemüse, das ich zuvor noch nie gesehen hab. Schmeckt auch echt nicht verkehrt, aber ich bin wohl eher der Meer-Paella-Mensch. Natürlich musste die valencianische aber dabei sein, weil wir ja Gäste hatten. Das war insgesamt ein sehr spanischer Tag für diese. Haben einiges typisches mitbekommen. Vor der Paella gab es noch Brot mit Tomate (bestrichen), auch sehr valencianisch und zwischendrin Brot mit Knoblauch-Aufstrich. Das hab ich zwar woanders auch schon gesehen, aber hier scheint es auch üblich. Insgesamt war es ein echt klasse Essen. Und gar nicht so teuer. Wir hatten mit viel mehr gerechnet. Nun hatten wir nicht die teuersten Paella-Sorten der Welt, aber so 15 Euro in einem guten Paella-Restaurant mit Wein, Brot und allem drum und dran ist nicht viel.
Während wir vor dem Essen auf unseren Tisch warteten (ja, es war voll, schließlich Sonntag), erzählte uns Miguel die Legende von der Entstehung der Flagge der Comunidad (sowas wie bei uns ein Bundesland) “Valencia” (welche die Provinz (wie bei uns ein Kreis) “Valencia” enthält, in welcher wiederum die Stadt “Valencia” liegt): Das Stück Spaniens, was heute aus den autonomen Regionen (wie wir die Comunidades nennen) “Aragón” (Aragonien), “Cataluña” (Katalonien), “Valencia” und “Islas Baleares” (Balearische Inseln) besteht, gehörte früher (12. Jhdt.) zum Königreich Aragón. Dieses hatte zwar ein Wappen oder sowas, aber keine Flagge. Als die Aragonier dann mal wieder gegen einige Mauren kämpften (was scheinbar öfter mal vorkam) und der erste König von Aragón (Jaime I., bei uns heißt er wohl Jakob) verwundet in seinem Zelt lag, forderten die Männer eine Flagge, unter der sie kämpfen konnten (Motivation halt). Der Legende nach nahm Jaime also die Hand, die eben noch auf seiner Wunde lag, ein gelbes Tuch und fuhr mit seinen blutverschmierten Fingern darüber. Daher also die vier roten Streifen auf gelbem Grund. Dies war fortan die Flagge des Königreichs Aragonien und heute ist es die von Katalunien. Da sich die Valencianer ein wenig von den Katalanen distanzieren wollten, fügten sie ihrer eigenen Flagge das blaue Geschnörkel bei, was ihren Rand ziert. Die Balearischen Inseln haben ein Schloss in der oberen linken Ecke und die Comunidad Aragonien ein Wappen mit drauf. Wie immer kommt das Rot in der Flagge also vom Blut. Genau wie in der spanischen Flagge, wie Miguel dann noch nebenbei erwähnte. Der goldene Teil stelle das Gold der neuen Welt dar (Spanien war durch die Eroberung ihrer südamerikanischen Provinzen sehr reich geworden.) und das Rot das Blut das bei der Eroberung vergossen wurde (vermutlich eher das spanische).
Nach Geschichtsstunde und Essen machten wir uns dann gestärkt auf den Rückweg, schauten aber vorher noch am Strand vorbei. Natürlich nicht an dem besten Stück (das wäre nochmal was weiter gewesen), aber auch die Stelle, an der wir waren, war schon nicht so verkehrt. Der Rückweg kam uns dann auch deutlich kürzer vor. Wir machten auf dem Weg in die Altstadt noch kurz im Turia Halt und brachten dann in einer ebenso erstaunlich lang andauernden Prozedur die Fahrräder wieder zurück. Ich habe schon Autos und sogar meine Wohnung in kürzerer Zeit gemietet. Wirklich bemerkenswert.

Nach der Fahrradtour wollten wir zunächst noch an dem Abend der Einleitung der Fallas beiwohnen. Die Fallas-Königin (wohl sowas wie unsere Karnevalsprinzessin) hält da ne Rede und hinterher gibt’s natürlich fett Feuerwerk und so… aber es regnete und wir hatten keine Lust nach der Anstrengung noch stundenlang rumzustehen. Ich hab mir sagen lassen, es soll echt schön gewesen sein. Aber die Fallas bieten ja noch einiges mehr.
Wir waren dann noch fix in einer Horchateria am Plaza de la Reina. Oder eher in einer DER Horchaterien in Valencia. Die besteht schon nahezu 100 Jahre und sieht von innen echt stark aus (von außen natürlich unscheinbar), denn Horchata ist natürlich auch typisch spanisch und vor allem typisch valencianisch und musste unseren Gästen nähergebracht werden.

Mehr pack ich besser nicht in diesen Artikel, sondern verarbeite es zu weiteren kleineren. :)

¡Benvingut a Valéncia!

Friday, February 23rd, 2007

Heute ist mir was Blödes passiert.

Zunächst als Info: Die Uni hier hat verdammt viel Geld. Die können sich gewissen Luxus leisten. Beispielsweise gibt es alle Vorlesungen der ersten vier Jahre für die Informatik auf spanisch am Morgen, auf spanisch am Nachmittag, auf Valenciano und ausgewählte außerdem noch auf englisch. Dazu gibt es dann Praktikumsgruppen in entsprechenden Sprachen. Für jeden also was dabei. Natürlich hatte ich im letzten Semester fast ausschließlich Vorlesungen aus dem fünften Semester, die es nur exakt einmal auf spanisch gibt und vielleicht noch auf englisch.
Aber in diesem Semester hab ich Vorlesungen aus früheren Jahren, was die Stundenplan-Erschaffung extrem vereinfacht. Dennoch muss man ein bisschen aufpassen, wo man hingeht, denn zwar sind die Vorlesungstermine ganz gut gekennzeichnet, bei den Praktika muss man aber manchmal Glück haben. So fand ich mich heute in einem Praktikum auf valenciano wieder. :) Man gewöhnt sich zwar echt dran das hier überall zu lesen und ein bisschen was versteh ich ja auch davon, aber gehört hab ich es noch nie so wirklich. Heute wurde ich dann mal ne Stunde lang damit zugeredet. Zum Glück gab’s die Aufgaben auch auf castellano. Zwar sind die Praktika in der Vorlesung nicht wirklich wichtig für die Note, aber eigentlich fand ich das Thema interessant, über das der Mensch redete, und hätte gerne mehr verstanden. Ein wenig was hab ich natürlich verstanden, zumal ich ja wusste, worum es in etwa geht. Witzig war auch: Diese Vorlesung (Einführung in Datenbanken quasi) gibt es nicht nur von unserer Fakultät, sondern auch von der Schule für angewandte Informatik gleich nebenan. Quasi exakt das gleiche. Und die hatten zur gleichen Zeit im Nebenraum das gleiche Praktikum auf castellano. Da die Computerräume (warum auch immer) durch Glasscheiben getrennt sind, hätte ich zumindest die Folien auf spanisch mitlesen können, wenn der Typ bei uns nicht viel schneller da durchgerannt wäre als die Dame nebenan.

Dies war also meine erste wirkliche bewusste Begegnung mit gesprochenem Valenciano. Es klingt wirklich etwas komisch. Doch recht anders. Aber die Leute hier stehen drauf. Ich hab in der Zeit ein bisschen im Katalog der Bibliothek gesucht nach einem Buch über Datenbanken, das uns in der Vorlesung empfohlen wurde. Kein Wunder, denn es wurde von den Veranstaltern verfasst, wie mir dann auffiel. Natürlich war das ein Buch auf spanisch. Man kann Informatik-Studenten im zweiten Jahr ja nicht zumuten englisch zu lesen. Wird bestimmt etwas komisch das zu lesen. Zum Glück hab ich mich nicht auch da vergriffen, denn die Autoren haben das Buch auch nochmal auf valenciano verfasst. Die spinnen, die Valencianer!

Karneval! … aber trotzdem ein ganz schönes Wochenende

Tuesday, February 20th, 2007

Das war letztendlich ein recht feines Wochenende. Hätte ich nicht gedacht. Eigentlich dachte ich, ich würde es hauptsächlich damit verbringen meinen Stundenplan vorläufig zusammen zu bauen. Das hat letztendlich recht wenig Zeit benötigt, weil alles recht gut ineinander passt. Viel besser als im letzten Semester, wo ständig alles miteinander kollidierte. Ich habe die Vorlesungen nicht danach ausgesucht, aber es sieht so aus, als hätte ich nur so drei Tage oder so Uni die Woche. Diese sind dann natürlich ziemlich voll (In Zahlen heißt das, ich bin dann so von 10 bis 21 Uhr dort mit 1-2 Stunden kummuliertem Päuschen irgendwo.), aber dafür hab ich lange Wochenenden. Damit kann man bestimmt mal was anfangen. :)

Zunächst das Miese: Jonas fand die Aktion von Susana wohl so doof, dass er sich nach ner neuen Wohnung umgesehen hat. Er erhielt dann die Möglichkeit mit Menschen, die er kennt, eine Wohnung recht nahe der Uni zu beziehen, die wohl fein ist. Er wird somit zum März ausziehen. Irgendwie nahm mich die ganze Situation etwas mit und ich war recht mies drauf. Als dann noch pünktlich zum Freitag unser Internet plötzlich stumm blieb, wurde es schwierig für mich mir ein schönes Wochenende vorzustellen. Erschreckend, wie wichtig einem sowas wie das Internet werden kann. Es ist natürlich schlimmer, wenn man fast 2000 km von fast jedem weg ist, der einem nahe steht. Und wenn man dann schlecht drauf ist und nicht mit seinen Freunden kommunizieren kann, ist das schon echt mies. Glücklicherweise hat die Uni auch am Wochenende mal auf, so dass ich da ein bisschen Internet schnorren konnte. Aber die ist natürlich nicht um die Ecke, macht irgendwann mal zu und mit seiner Freundin telefonieren kann man da z.b. kaum wo wirklich gut… Meine Eltern waren unterwegs um dem Karneval zu entfliehen, das Wetter hier war recht mies… kurzum: alles doof.

Doch nun der schöne Teil: Am Donnerstag war ich auf Sonjas Abschiedsfete. Sie ist am Freitag Morgen wieder nach Deutschland geflogen. Gut, das ist nicht direkt schön. Aber auf ihrer Abschiedsfete hab ich Lisa und Judith kennen gelernt. (Judith war in meinem Gandia-Kurs, sie kannte ich also offiziell schon.) Dadurch war ich am Samstag am Strand. Zwar war ich etwas spät und dadurch war es schon etwas kühl, aber es war trotzdem fein, halt einfach weil man am Strand war. Erst hatte ich nicht wirklich Bock zu gehen, weil ich eben nicht gut drauf war, aber es war gut dort gewesen zu sein und auf andere Gedanken zu kommen. Die meisten Leute habe ich in diesem Semester übrigens auf Abschiedsfeten von Leuten aus dem letzten Semester kennen gelernt. Schon witzig.
Am Abend waren wir dann bei Judith zu hause. Sie wohnt mit Franzosen zusammen, die Crepes gemacht haben. Es waren wohl etwas mehr als 10 Leute anwesend, von denen ich vielleicht zwei zuvor mal gesehen hatte. Sehr gemischte Nationalitäten. Die Deutschen überwogen wie fast immer, aber ansonsten war es wirklich recht vielfältig. Ich habe sogar den ersten Englänger hier gesehen. :) Nachdem wir köstliche Crepes gegessen hatten (Ich krieg schon wieder Hunger.) gingen wir auf die Straße, denn Judith wohnt in Benimaclet und dort sollte es an dem Abend irgendwo Karneval geben. Benimaclet war wohl mal ein Städtchen nahe Valencia, das irgendwann einverleibt wurde. Es liegt nun am Stadtrand und erscheint wie ein normales Stadtviertel. Wenn man dort durch läuft, fühlt es sich aber schon irgendwie anders an als im Rest von Valencia. Es ist eine eigene kleine Stadt in der Stadt. Als ich später am Abend nach Hause wollte und in einer Bar oder sowas nach dem Weg zum Stadtzentrum fragte, wurde mir Gelächter geantwortet begleitet von den Worten “Das Zentrum von Valencia ist hier.” Naja, ich bin nach Hause gekommen. Da Benimaclet nahe der Uni ist, war es kein Problem mehr, als ich erstmal die Himmelsrichtungen klar hatte.

Wir gingen an diesem Abend also von Judith aus nur wenige Schritte bis zur Kirche. Auf dem Platz davor (dem “Plaza de Benimaclet”) war dann Karneval. Klingt mickrig, war es auch. Also im Prinzip sah es da aus wie in Deutschland in diesen Tagen. Menschen standen dicht gedrängt, manche verkleidet, kaum einer mit einem wirklichen Kostüm, alle besaufen sich, … nur alles deutlich kleiner als bei uns. Eigentlich wollte ich nach etwa zwei Minuten wieder gehen. In Deutschland suche ich diese Art Event ja auch nicht gerade. Irgendwie hatte ich aber auf dem Weg angefangen mich mit Marin, einem Schweden, zu unterhalten und das führten wir dort dann halt einfach fort. Auf spanisch natürlich. :) Das rede ich in diesem Semester irgendwie deutlich mehr. Alle um mich herum reden plötzlich spanisch. In der Uni, auf Feten, … überall. Ich bin mittlerweile schon überrascht, wenn ich irgendwo englisch höre.
Es war auf jeden Fall letztendlich echt nett dort. Martin erspähte irgendwann ein Dreiergrüppchen von Mädchen, die wir für als Katzen verkleidet hielten, weswegen er sie “las Gatitas” taufte. (Wie sie uns später erzählten, stellten sie irgendwelche Mädchen aus dem Zauberer von Oz dar, der mir leider nicht geläufig ist.) Der Rest des Abends drehte sich dann darum, dass Martin ein Foto von sich und einem Kätzchen haben wollte, einem bestimmten sogar. Als eine der Mitbewohnerinnen von Judith das mitbekam, schleifte sie ihn hinter sich her und fragte einfach mal bei denen nach. Sie reagierten etwas skeptisch… verständlich, aber so kam man ins Gespräch. Ein Spanier, der in der Nähe stand, fragte, wo wir her seien. Wir zählten unsere Länder auf und er dann (wie jeder Spanier immer sofort damit angibt): “Ja, ich spreche ein bisschen deutsch.” Und dann: “Ich war ein Jahr als Erasmus-Student in Aachen.” Janee… is klar. Was auch sonst? (Eines der Kätzchen teilte noch mit, dass sie zwei Jahre in Bremen studiert habe. Ich konnte mich dort also genauso gut auf deutsch unterhalten. Etwas komisch war das schon.) Nachdem sich Martin ein Weilchen mit seinem Lieblingskätzchen und ich mit dem Temporär-Aachener unterhalten hatte (Mit dem Bremener Kätzchen bekam er sogar ein Foto.), zogen wir weiter. Irgendwer in unserer Gruppe hatte scheinbar irgendwen kennen gelernt, der ihm von einer Wohnungsparty ein paar Straßen weiter erzählt hatte, denn dort gingen wir nun hin. Natürlich dauerte es locke ne halbe Stunde, bis wir den Platz verließen (10 Menschen, die immer wieder anfangen irgendwelche wildfremden Menschen anzuquatschen), aber irgendwann standen wir dann in einem Wohnzimmer zwischen 50 weiteren Leuten, die alle am feiern waren. Die Hütte war geradezu ideal, nicht nur für Parties. Erstaunlich, wie viele Menschen da reinpassten. Zwei Etagen, in jedem Zimmer Menschen, auf dem Balkon, auf der Straße, … überall. Ein schöner Abschluss, zumindest für mich. Martin erzählte mir später noch von weiteren Erlebnissen, aber ich ging relativ bald nachdem wir dort ankamen nach hause.

Also insgesamt war das Wochenende nicht so verkehrt. Am Montag Abend hatten wir dann auch wieder Internet. Weiß der Himmel, was da passiert war. Ich hatte Susana eine SMS geschrieben, dass das nicht ging und irgendwann antwortete sie sowas wie “hat sich erledigt”. Bestimmt war das mit dem Umzug zu kompliziert für die Telefon-Firma.
Ich war also vielleicht 2-3 Tage ohne Internet, allerdings kam mir das ewig vor. Das wird unter anderem auch daran gelegen haben, dass ich halt vor hatte mit Nadine zu telefonieren. Letztendlich hat das auch geklappt dank der netten Menschen mit dem ungesicherten Hotspot im Häuserblock neben dem Spielplatz ein Stück die Straße runter. :)

Tausche Kater gegen Baby… und Mutter

Tuesday, February 13th, 2007

Endlich mal wieder ne interessante Geschichte zu erzählen:

Im März bekomme ich endlich mal Besuch von ein paar lieben Menschen. (Das heißt nicht, dass mein Besuch bisher aus Idioten bestand; es ist schlicht mein erster.) Als ich das Susana erzählen wollte (so nach dem Motto “geht doch klar, wa?”), meinte sie, sie würde nächste Woche zu ihrem Freund gehen. Ich hatte das so verstanden, dass sie da halt nur ne Weile bleibt. Hier an der Uni kocht ja jede Fakultät ihr eigenes Süppchen was den Beginn der Vorlesungszeit angeht. Als sie dann aber in den folgenden Tagen immer mehr Zeug aus ihrem Zimmer räumte, kam mir der Verdacht, dass ich sie vielleicht falsch verstanden haben könnte und sie vor hat bei ihrem Freund einzuziehen. Bestätigt wurde mir der Verdacht dann, als vor ein paar Tagen ein mutmaßliches Pärchen vor der Tür stand und meinte, sie wollten das Zimmer sehen, das es hier zu mieten gäb. (Es war als Doppelzimmer angepriesen.) Da hab ich dann gedacht: Hm… hätte ich damals nicht meinen Besuch angesprochen, hätt ich da wohl gar nix von mitbekommen. Naja, die beiden machten einen netten Eindruck. Hätte, glaub ich, kein Problem damit gehabt mit denen zusammen zu wohnen. Aber da Susana zu der Zeit nicht da war, rief sie der Typ an und meinte dann, das Zimmer wäre bereits vermietet. Fühlt sich dann noch toller an, wenn schon jemand feststeht, mit dem man zukünftig zusamen wohnt und noch nichtmal wusste, dass sich überhaupt was an den Mitbewohnern ändert.
Gestern Mittag sprach mich Jonas dann über Skype an und meinte, ob ich die Neue schon gesehen hätte. Da war sie also scheinbar eingetroffen. Er selbst hatte auch erst eine Minute mit ihr geredet. Als ich am Abend nach hause kam, war sie dann auch da. Ich sprach sie an um mal kurz hallo zu sagen. Sie scheint auch Spanierin zu sein und ich würd sie auf deutlich älter schätzen als mich. Sie war etwas zurückhaltend, stellte mir aber ihr Baby, das sie auf dem Arm hatte, und die andere Frau im Raum, die ich für ihre Mutter hielt, vor. Sie meinte dann noch irgendwas von zwei Monaten, was ich als die Zeit interpretiert habe, die sie bleiben wird. Alles sehr, sehr komisch. Vielleicht ist es eine Bekannte von Susana, die mal kurz nen Platz zum Schlafen brauchte. Es macht den Eindruck, als würden die drei jetzt zusammen in dem Zimmer wohnen. Auch wenn es laut Anzeige ein Doppelzimmer ist (das Bett ist recht groß), käm es mir zu dritt ein wenig eng vor, glaub ich.
Heute Mittag sprach ich mit Jonas. Wir waren uns einig, dass das nicht die feine Art ist einfach unsere Mitbewohnerin zu ändern ohne uns in irgendeiner Weise einzubeziehen. Also wenn das Mädel wirklich nur für zwei Monate bei uns ist, ist das ja nicht so schlimm (auch dann wäre es natürlich fair gewesen zumindest zu sagen, was vor sich geht), aber wenn da dauerhaft jemand einzieht, mit dem wir dann Monate unseres Lebens verbringen müssen, wüssten wir schon gerne, wer das ist und würden vielleicht auch gerne was dazu sagen. Man muss sich in seiner Wohnung doch wohlfühlen können, sich sicher fühlen und so. Das geht irgendwie schwierig, wenn jemand so eine Aktion startet. Nicht dass ich die Neue jetzt für ne Psychopatin halte oder sowas, aber wir wissen halt exakt nichts über sie. Das ist schon ziemlich blöde.
Nun also ist Susana weg. Und mit ihr Calvin. *schnief* Den werd ich echt vermissen. Vielleicht bin ich wirklich ein Katzen-Mensch. Auf jeden Fall fand ich das immer schön, dass er da war, auch wenn er immer sein Fell bereitwillig auf meine Klamotten verteilt und alles in meinem Zimmer angeknabbert hat. Statt ihm haben wir nun ein Baby und eine Mutter… ich bezweifle, dass das ein guter Tausch war. :) Naja, mal abwarten, was die nahe Zukunft so bringt.

Was geht sonst so? Ich verbringe momentan ziemlich viel Zeit auf dem Campus (wie auch jetzt gerade) und schaue mir diverse Vorlesungen an, die interessant klingen. Wenn ich da etwas klarer sehe, werd ich mich mal dazu äußern. Außerdem möchte ich noch was über das letzte Semester und dessen Vorlesungen schreiben. Das schaff ich am Wochenende bestimmt mal. So langsam sind ja alle weg, die nach dem ersten Semester gehen wollten und die Flut von Abschiedsfeten, die bisher echt Saison hatten, nimmt ab. Ich war in den letzten Tagen auf der einen oder anderen unterwegs. Ich werde das bestimmt bald merken, wer alles weg ist, wenn die Uni nicht mehr den ganzen Tag einnimmt. Aber bestimmt kommen neue Leute in mein Leben. Habe schon ein paar wenige Frischlinge getroffen. Da ich in diesem Semester aber vor hab hauptsächlich Vorlesungen auf spanisch zu hören (nicht nur freiwillig, sondern auch weil’s nicht anders in den Stundenplan passt), werd ich aber wohl generell weniger Erasmuslern in der Uni über den Weg laufen. Vorlesungen auf spanisch zu verstehen fällt mir schon leichter als ich dachte. Hätte ich im ersten Semester schon den Schwerpunkt auf diese gelegt, wär ich da jetzt bestimmt schon recht fit. Aber es ist generell immer einfacher sich mit einem einzelnen Spanier zu unterhalten (In einer Vorlesung fällt ja sogar noch der eigene Part weg und das Vokabular ist relativ begrenzt.) als einer Unterhaltung zwischen mehreren zu folgen. Gemerkt hab ich das wieder gestern Abend auf der Geburtstagsfete von Sonja. Sie wohnt mit ein paar Spaniern zusammen, die auch dort waren. Wenn die sich unterhalten haben, konnte man genausogut weghören. Aber zum Schluss war nur noch einer da und Sonja und ich haben uns ne ganze Weile mit ihm unterhalten (nicht nur über’s Wetter). Das ging erstaunlich gut. Jetzt wo die Prüfungen vorbei sind, muss ich meine Tandems mal wieder reaktivieren.

Meine nahe Zukunft wird wohl hauptsächlich daraus bestehen mir über meinen Stundenplan klar zu werden und mir vielleicht nen anständigen Sprachkurs in der Stadt zu suchen (vielleicht erst nachdem ich dem der Uni ne Chance gegeben habe).

Nachtrag: Jonas hat eben noch ein paar Worte mit unseren neuen Mitbewohnern gewechselt. Scheinbar macht das Mädel hier sowas wie ne Diplomarbeit. Die drei kommen aus Guatemala und gehen dorthin auch am letzten Tag des März wieder hin. Ab 1.4. haben wir dann also wohl wieder andere Leute hier. Jonas meinte, er wolle mal mit Susana reden. Wenn die hier nicht irgendwann nochmal auftaucht, muss das wohl über’s Telefon passieren.

Weg isses, das Semester

Saturday, February 3rd, 2007

Mann, is Deutschland kalt. Immer das gleiche hier. So… anders. :)
Mir fällt immer mehr auf: Der Bereich um eine Supermarkt-Kasse herum in Deutschland beispielsweise ist eine völlig andere Welt als in Spanien.
Also ich habe die Zeit bis zu der Prüfung gut rum gekriegt. Ich habe mich vielleicht nicht vorbildlich, aber ausreichend vorbereitet und denke auch, dass das ganz gut was geworden sein könnte. Unterbrochen wurde das Lernen von unserem Paella-Essen, was in einem erstaunlich leeren, aber wirklich guten Paella-Restaurant stattfand und unserem letzten *schnief* Kochabend bei Bea und Heta. Dieser war ein Reste-Essen. Jeder brachte mit, was er noch im Schrank hatte (also die Leute, die bald gehen) und wir bauten irgendwas draus. Das klappte sehr gut. Nach dem Essen wurden noch ein paar Stunden lang USB-Sticks rumgereicht und viele, viele Fotos ausgetauscht.
Um Schluss hieß es dann Abschied nehmen von Heta, Bea und Isabel, weil die drei Ende Januar/Anfang Februar weg sind. Doofe Sache, so ein Abschied, aber wir haben ja schon das Konzept eines Plans uns alle wiederzusehen. Wahrscheinlich im Herbst diesen Jahres (wenn ich auch wieder da bin) und wahrscheinlich in Berlin, weil dort bei Isabel Platz zu sein scheint und man das von überall aus ganz gut erreichen kann.
Die Klausur war ganz OK. Artificial Intelligence habe ich geschrieben. Und unser Projekt in Real-Time Systems wurde auch akzeptiert, so dass wir das jetzt auch hinter uns haben. Somit ist das Semester für mich gelaufen. Ich muss mich jetzt zeitnah damit auseinandersetzen, wie das nächste aussehen soll.

Erstmal hab ich mich aber in die Obhut von Ryanair begeben und mich nach Deutschland fliegen lassen. Interessante Erfahrung, muss ich sagen. Ich weiß jetzt, wie sich ein Billig-Flieger so anfühlt… billig. :) Aber bei so kurzen Strecken und bei so viel Geld, das man spart, sieht man da locker drüber hinweg. Bisschen komisch war das Prozedere bezüglich der Abflugzeit. Kein Schimmer, was da genau gelaufen ist. Ich tippe mal, da hat jemand nen Fehler gemacht. Aber man findet keine Kontakt-Nummer von Ryanair, also werd ich es vielleicht nie erfahren. Der Flug war für 18:10 angesetzt. Ich hatte noch am Morgen auf der Ryanair-Seite nachgesehen, ob alles dabei bliebe (ich bin ja jetzt geschädigt mit schlechten Erfahrungen) und bekam es immer wieder bestätigt. Als ich dann so um kurz vor halb fünf am Flughafen eintraf, stand bei meinem Flug eine Abflugszeit von 17:00 und eine Boarding-Time von 16:30. Da war ich erstmal wieder geschockt. In fünf Minuten soll ich einsteigen?! Ich lief dann zum Gepäck-Schalter, wo noch eine sehr lange Schlange wartete. So arg schlimm konnte es also nicht gewesen sein, denn die Leute am Schalter machten keinen gestressten Eindruck. Irgendwie gab es auch überhaupt kein Zeichen dafür, dass der Abflug nahe wäre. Auch hinter dem Sicherheitscheck war alles ruhig. Auf dem Monitor stand weiterhin 17:00, aber es lief nix. Letztendlich waren wir dann so gegen sechs in der Luft, aber nirgendwo war die Rede von Verspätung oder sowas. Wir waren sogar eine halbe Stunde vor der mit genannten Ankunftszeit am Ziel. Bei der Landung gab es über die Lautsprecher einen Tusch, nach dem angepriesen wurde, dass Ryanair den Rekord halte bei pünktlichen Flügen. Wahrscheinlich geben die die Ankunftszeiten einfach sehr großzügig an. Ich fand das auf jeden Fall letztendlich toll, weil - kombiniert damit, dass der Bus vom Flughafen zum Bahnhof (trotz planmäßiger Abfahrt) auch eine halbe Stunde zu früh ankam - die Reise dadurch sehr stressfrei ablief.

Nun genieße ich ein paar Tage hier und werfe mich dann ins Getümmel des zweiten Semesters in Valencia. Wie das aussehen wird, lässt sich noch so gar nicht sagen. Klar steht was auf meine Learning Agreement, aber ich werd mich wohl wieder in der ersten Vorlesungswoche gründlich umsehen und mir dann was davon vermutlich relativ abweichendes bauen und genehmigen lassen.
Jetzt geh ich erstmal bowlen. :)