Karneval! … aber trotzdem ein ganz schönes Wochenende
Das war letztendlich ein recht feines Wochenende. Hätte ich nicht gedacht. Eigentlich dachte ich, ich würde es hauptsächlich damit verbringen meinen Stundenplan vorläufig zusammen zu bauen. Das hat letztendlich recht wenig Zeit benötigt, weil alles recht gut ineinander passt. Viel besser als im letzten Semester, wo ständig alles miteinander kollidierte. Ich habe die Vorlesungen nicht danach ausgesucht, aber es sieht so aus, als hätte ich nur so drei Tage oder so Uni die Woche. Diese sind dann natürlich ziemlich voll (In Zahlen heißt das, ich bin dann so von 10 bis 21 Uhr dort mit 1-2 Stunden kummuliertem Päuschen irgendwo.), aber dafür hab ich lange Wochenenden. Damit kann man bestimmt mal was anfangen.
Zunächst das Miese: Jonas fand die Aktion von Susana wohl so doof, dass er sich nach ner neuen Wohnung umgesehen hat. Er erhielt dann die Möglichkeit mit Menschen, die er kennt, eine Wohnung recht nahe der Uni zu beziehen, die wohl fein ist. Er wird somit zum März ausziehen. Irgendwie nahm mich die ganze Situation etwas mit und ich war recht mies drauf. Als dann noch pünktlich zum Freitag unser Internet plötzlich stumm blieb, wurde es schwierig für mich mir ein schönes Wochenende vorzustellen. Erschreckend, wie wichtig einem sowas wie das Internet werden kann. Es ist natürlich schlimmer, wenn man fast 2000 km von fast jedem weg ist, der einem nahe steht. Und wenn man dann schlecht drauf ist und nicht mit seinen Freunden kommunizieren kann, ist das schon echt mies. Glücklicherweise hat die Uni auch am Wochenende mal auf, so dass ich da ein bisschen Internet schnorren konnte. Aber die ist natürlich nicht um die Ecke, macht irgendwann mal zu und mit seiner Freundin telefonieren kann man da z.b. kaum wo wirklich gut… Meine Eltern waren unterwegs um dem Karneval zu entfliehen, das Wetter hier war recht mies… kurzum: alles doof.
Doch nun der schöne Teil: Am Donnerstag war ich auf Sonjas Abschiedsfete. Sie ist am Freitag Morgen wieder nach Deutschland geflogen. Gut, das ist nicht direkt schön. Aber auf ihrer Abschiedsfete hab ich Lisa und Judith kennen gelernt. (Judith war in meinem Gandia-Kurs, sie kannte ich also offiziell schon.) Dadurch war ich am Samstag am Strand. Zwar war ich etwas spät und dadurch war es schon etwas kühl, aber es war trotzdem fein, halt einfach weil man am Strand war. Erst hatte ich nicht wirklich Bock zu gehen, weil ich eben nicht gut drauf war, aber es war gut dort gewesen zu sein und auf andere Gedanken zu kommen. Die meisten Leute habe ich in diesem Semester übrigens auf Abschiedsfeten von Leuten aus dem letzten Semester kennen gelernt. Schon witzig.
Am Abend waren wir dann bei Judith zu hause. Sie wohnt mit Franzosen zusammen, die Crepes gemacht haben. Es waren wohl etwas mehr als 10 Leute anwesend, von denen ich vielleicht zwei zuvor mal gesehen hatte. Sehr gemischte Nationalitäten. Die Deutschen überwogen wie fast immer, aber ansonsten war es wirklich recht vielfältig. Ich habe sogar den ersten Englänger hier gesehen.
Nachdem wir köstliche Crepes gegessen hatten (Ich krieg schon wieder Hunger.) gingen wir auf die Straße, denn Judith wohnt in Benimaclet und dort sollte es an dem Abend irgendwo Karneval geben. Benimaclet war wohl mal ein Städtchen nahe Valencia, das irgendwann einverleibt wurde. Es liegt nun am Stadtrand und erscheint wie ein normales Stadtviertel. Wenn man dort durch läuft, fühlt es sich aber schon irgendwie anders an als im Rest von Valencia. Es ist eine eigene kleine Stadt in der Stadt. Als ich später am Abend nach Hause wollte und in einer Bar oder sowas nach dem Weg zum Stadtzentrum fragte, wurde mir Gelächter geantwortet begleitet von den Worten “Das Zentrum von Valencia ist hier.” Naja, ich bin nach Hause gekommen. Da Benimaclet nahe der Uni ist, war es kein Problem mehr, als ich erstmal die Himmelsrichtungen klar hatte.
Wir gingen an diesem Abend also von Judith aus nur wenige Schritte bis zur Kirche. Auf dem Platz davor (dem “Plaza de Benimaclet”) war dann Karneval. Klingt mickrig, war es auch. Also im Prinzip sah es da aus wie in Deutschland in diesen Tagen. Menschen standen dicht gedrängt, manche verkleidet, kaum einer mit einem wirklichen Kostüm, alle besaufen sich, … nur alles deutlich kleiner als bei uns. Eigentlich wollte ich nach etwa zwei Minuten wieder gehen. In Deutschland suche ich diese Art Event ja auch nicht gerade. Irgendwie hatte ich aber auf dem Weg angefangen mich mit Marin, einem Schweden, zu unterhalten und das führten wir dort dann halt einfach fort. Auf spanisch natürlich.
Das rede ich in diesem Semester irgendwie deutlich mehr. Alle um mich herum reden plötzlich spanisch. In der Uni, auf Feten, … überall. Ich bin mittlerweile schon überrascht, wenn ich irgendwo englisch höre.
Es war auf jeden Fall letztendlich echt nett dort. Martin erspähte irgendwann ein Dreiergrüppchen von Mädchen, die wir für als Katzen verkleidet hielten, weswegen er sie “las Gatitas” taufte. (Wie sie uns später erzählten, stellten sie irgendwelche Mädchen aus dem Zauberer von Oz dar, der mir leider nicht geläufig ist.) Der Rest des Abends drehte sich dann darum, dass Martin ein Foto von sich und einem Kätzchen haben wollte, einem bestimmten sogar. Als eine der Mitbewohnerinnen von Judith das mitbekam, schleifte sie ihn hinter sich her und fragte einfach mal bei denen nach. Sie reagierten etwas skeptisch… verständlich, aber so kam man ins Gespräch. Ein Spanier, der in der Nähe stand, fragte, wo wir her seien. Wir zählten unsere Länder auf und er dann (wie jeder Spanier immer sofort damit angibt): “Ja, ich spreche ein bisschen deutsch.” Und dann: “Ich war ein Jahr als Erasmus-Student in Aachen.” Janee… is klar. Was auch sonst? (Eines der Kätzchen teilte noch mit, dass sie zwei Jahre in Bremen studiert habe. Ich konnte mich dort also genauso gut auf deutsch unterhalten. Etwas komisch war das schon.) Nachdem sich Martin ein Weilchen mit seinem Lieblingskätzchen und ich mit dem Temporär-Aachener unterhalten hatte (Mit dem Bremener Kätzchen bekam er sogar ein Foto.), zogen wir weiter. Irgendwer in unserer Gruppe hatte scheinbar irgendwen kennen gelernt, der ihm von einer Wohnungsparty ein paar Straßen weiter erzählt hatte, denn dort gingen wir nun hin. Natürlich dauerte es locke ne halbe Stunde, bis wir den Platz verließen (10 Menschen, die immer wieder anfangen irgendwelche wildfremden Menschen anzuquatschen), aber irgendwann standen wir dann in einem Wohnzimmer zwischen 50 weiteren Leuten, die alle am feiern waren. Die Hütte war geradezu ideal, nicht nur für Parties. Erstaunlich, wie viele Menschen da reinpassten. Zwei Etagen, in jedem Zimmer Menschen, auf dem Balkon, auf der Straße, … überall. Ein schöner Abschluss, zumindest für mich. Martin erzählte mir später noch von weiteren Erlebnissen, aber ich ging relativ bald nachdem wir dort ankamen nach hause.
Also insgesamt war das Wochenende nicht so verkehrt. Am Montag Abend hatten wir dann auch wieder Internet. Weiß der Himmel, was da passiert war. Ich hatte Susana eine SMS geschrieben, dass das nicht ging und irgendwann antwortete sie sowas wie “hat sich erledigt”. Bestimmt war das mit dem Umzug zu kompliziert für die Telefon-Firma.
Ich war also vielleicht 2-3 Tage ohne Internet, allerdings kam mir das ewig vor. Das wird unter anderem auch daran gelegen haben, dass ich halt vor hatte mit Nadine zu telefonieren. Letztendlich hat das auch geklappt dank der netten Menschen mit dem ungesicherten Hotspot im Häuserblock neben dem Spielplatz ein Stück die Straße runter.