Kommunikation: mangelhaft; Geldgier: sehr gut
Ich gebe mal ein Update zu meiner Wohnungssituation, oder eher zu meiner Mitbewohnersituation:
Es war ja so, dass Susana ausgezogen ist und wir dafür ein Mädel mit Mutter und Baby bekommen haben. Nun ist zum 1.3. auch Jonas raus aus der Wohnung. Zuvor hatte ich Susana geschrieben ich würde gerne einen neuen Mitbewohner suchen, weil ich ja schließlich mit diesem ne Weile zusammenwohnen würde. Sie fand die Idee auch toll und hat vorgeschlagen einfach meine Nummer in die Anzeige zu schreiben, so dass mich die Leute kontaktieren können, ich die kommen lasse, mich entscheide und ihr dann mitteile, was Sache ist. Außerdem bat ich sie mir die Anzeige zu schicken, damit ich weiß, worauf sich die Leute da melden, wann und wo sie geschaltet wurde, was so die Wohnregeln sein werden und sowas alles. Gesagt, nicht getan. Sie packte Jonas’ Nummer in die Anzeige (die ich nie erhielt und plötzlich einfach in der Welt war). Zum Glück für ihn wollte Susana verbrecherische 250 EUR für das Zimmer. Eine Unverschämtheit. Die Wohnung und erst recht das Zimmer haben nichts zu bieten, was das rechtfertigen würde. Somit blieben also die Heerscharen von Menschen aus, die man eigentlich in dieser Zeit beobachtet, wenn irgendwo ein Zimmer frei wird. Ein paar waren hier um sich das anzusehen, aber letztendlich zeigte nur ein Mensch (Rene aus Deutschland) wirklich Interesse. Susana fing dann an Druck zu machen, weil der Monat zuende ging und sie unbedingt die Kaution von dem neuen Menschen haben wollte. Mit Auswahl hatte das Ganze dann also noch sehr viel zu tun. Aber gut, mit Rene wär ich klar gekommen, also nannte ich ihn Susana und freute mich, dass die Sache so gut ausgegangen war… ja, denkste!
Am nächsten oder übernächsten Tag (als Rene eigentlich hätte einziehen sollen) kam Susana plötzlich mit einem Pulk Leuten in die Wohnung und führte diese rum. Ich fragte sie dann, ob das Zimmer nicht vielleicht schon weg wäre (oder hatte ich das geträumt). Ich verstand dann von ihr, dass Rene nicht mehr wollte, rief ihn an und er erzählte mir, dass er sie um einen weiteren Tag Bedenkzeit gebeten hätte, weil er noch auf die Antwort von einer anderen Wohnung wartete, worauf sie dann die Suche wieder aufgenommen hat. Den halben späten Abend lang kamen dann hier Leute rein und schauten nach dem Zimmer. Ihnen wurde dann gesagt, der erste, der das Geld auf den Tisch lege, hätte das Zimmer. Man bemerke nicht nur, dass die Suchaktion nun keinerlei Auswahl-Elemente mehr enthält, sondern auch die ausgereifte Bereitschaft zur Kommunikation, die Susana mal wieder bewieß. Wäre ich an dem Abend nicht zufällig hier gewesen (um mit Nadine zu telefonieren, was durch die Aktion verdammt gut gestört wurde) und hätte einer dieser Menschen zugeschlagen, hätte ich plötzlich hier wen wohnen gehabt und nicht gewusst, was das soll. Ich glaube, mit sowas werde ich mich abfinden müssen.
Nun also passierte das noch das eine oder andere Mal, dass hier Leute gucken kamen. Ich hatte mittlerweile jeglichen Spaß an der Sache verloren. Ich machte die Tür auf, wenn jemand kam, und zeigte auf das Zimmer, aber mehr war ich nicht mehr bereit in die Sache zu investieren. Mitbewohnersuche kann ne tolle Sache sein, glaub ich, aber unter diesen Umständen… nein, danke! Die Aktion war auch zum Scheitern verurteilt. Aufgrund des hohen Preises meldeten sich halt so gut wie keine Studenten. Hauptsächlich Leute, die schon arbeiteten und eigentlich gar nicht in soner Wohnung wohnen wollen. Ich sagte Susana dann auch, dass sich wegen des Preises so wenige melden und alle wieder absagen, aber das schien wohl egal.
Gestern dann kam sie wieder mit einem Schwung Menschen an und plötzlich hörte ich von irgendwem (natürlich nicht von ihr), dass das Zimmer nur noch 220 EUR kostet. Immer noch zu viel, aber nun waren scheinbar wieder Interessenten da. Hätte man von Anfang an diesen Preis angesetzt, hätte man richtig schön wählen können. Aber mittlerweile waren wir ja schon in der Phase “Das Zimmer steht schon nen ganzen Tag leer. Wir brauchen jemanden. Egal wen!” Ich hätte mich darüber sehr aufregen können (kurze Zeit tat ich’s), aber eigentlich war mir mittlerweile so ziemlich alles egal. Ich fühlte mich eh machtlos. Mit Susana zu diskutieren hielt ich für sehr sinnlos. Ich hoffte also auf Glück, dass halt ein anständiger Mensch zuerst das Geld auspackt und dass es mit dem anderen Zimmer, das ja ab April wieder frei wird, besser läuft.
Am gleichen Abend kam irgendwann ein Mensch vorbei, der scheinbar zu den Interessenten gehörte und Geld dabei hatte, denn Susana packte ein Stück Papier aus, das von weitem wie ein Mietvertrag aussah. Es erhielt nun also jemand das Zimmer. Bis dieser am nächsten Tag sein Zeug hier rein schleppte war ich dessen allerdings nicht 100%ig sicher, denn ich schloss es ja nur aus meinen Beobachtungen. Gesagt hat mir nie jemand, dass das Zimmer nun weg ist. Wäre ich nicht zufällig hier gewesen… ja, das hatten wir ja schon. Scheinbar ist aus der Alternative für Rene nix geworden, denn später fragte er mich, ob das Zimmer noch zu haben wäre. Ich konnte nicht mehr antworten als “glaub nicht”. Vielen anderen Menschen hat Susana generell nicht daon erzählt, denn später waren noch weitere Menschen an der Tür zum Zimmer-Gucken. Zum Glück wusste ich da schon, dass das Zimmer vergeben war (aber halt auch nur, weil der neue Mitbewohner da bereits neben mir stand).
Also nun habe ich einen neuen Mitbewohner (Yassin aus Marokko). Niemand hat mich nach meiner Meinung gefragt, niemand hat mir gesagt, wer es ist, was er macht oder dass er überhaupt einzieht. Dabei zeigte Susana vorher noch sehr viel Verständnis für die Aussuch-Idee. Vermutlich nur, weil sie dadurch weniger Arbeit gehabt hätte. Ich hoffe wirklich, dass das bei dem anderen Zimmer anders läuft. Dafür will Susana 350 EUR haben, denn es ist ein Doppelzimmer. Das ist auch ein Grund, warum mir die Idee einfach auch umzuziehen und den ganzen Mist hinter mir zu lassen nicht gefällt. Abgesehen davon, dass umziehen doof ist und ich so ein Zimmer hier zu dem Preis bestimmt nicht leicht finde, würde Susana meines dann auch als Doppelzimmer vermieten und mal eben 150 EUR mehr in der Tasche haben. Irgendwie gefällt es mir besser das hinauszuzögern.
Nunja, Yassin macht einen netten Eindruck. Er ist auch Informatiker und sitzt hier grad an seinem Doktor im Bereich künstliche Intelligenz. Er spricht auch englisch. Also ich denke, es hätte weit schlimmer kommen können. Wird sich zeigen, wie das hier mit unserer Gemeinschaft endet, aber im Moment fühlt es sich schonmal echt besser an als in den letzten Tagen.
Noch ein bisschen Erfreuliches zum Schluss:
Das Wetter im Moment rockt! Wir haben fast immer strahlend blauen Himmel mit mindestens 25° und leichtem, angenehmen Wind. Letztens saß ich in einer Pause auf dem Campus in der Sonne (vielleicht 20min) und war danach schon ansatzweise rot.
Der Spanisch-Kurs der UPV in diesem Semester könnte echt taugen. Ich fühlte mich ja in dem letztes Jahr schon etwas überfordert. Da ich aber die Klausur am Ende so gerade eben geschafft hab, bin ich nun im Folgekurs (Level B2), versprach mir davon also noch unpassenderes. Bisher haben wir hauptsächlich wiederholt. Die Lehrerin meinte, B2 wäre hauptsächlich dazu da um früher gelerntes zu vertiefen. Ist also gar nicht so verkehrt, der Kurs, wie’s scheint.
Letztens sollten wir als Hausaufgabe einen Witz über “Lepe” raussuchen. Das ist ein kleiner Ort im Süden Spaniens, der (oder deren Bewohner) in vielen Witzen vorkommt, sehr zu vergleichen mit unseren Ostfriesen-Witzen. Ich habe eine Website mit diesen Witzen gefunden und das Niveau ist wirklich vergleichbar. Ich habe sogar schon mehr als einen Witz gelesen, den ich zuvor bei uns wörtlich über Ostfriesen gehört hatte.
Noch was Feines: Die Erasmus-Menschen sprechen untereinander plötzlich viel mehr spanisch. Das hat schon was. Daneben hab ich in diesem Semester ja nahezu alle Vorlesungen auf spanisch. Damit hätte ich echt schon im ersten Semester anfangen sollen, dann würde ich jetzt bestimmt schon alles darin verstehen. Es klappt erstaunlich gut, aber es dauert wohl noch ein bisschen, bis ich wirklich dem Unterricht vollends folgen kann. Die Vorlesungen machen allesamt einen sehr interessanten Eindruck. Ich hoffe wirklich, ich finde mal die Zeit mich dazu ausführlich zu äußern.