Urlaub bei den Eltern, nicht zu hause
Über Ostern habe ich meine Eltern besucht, die sich in dieser Zeit in Calpe aufhielten. In Valencia zu wohnen kann man über Ostern im Allgemeinen und jetzt während des America’s Cup im Speziellen völlig vergessen, wenn man nicht grad der Typ Mensch ist, der eh immer erster Klasse fliegt. Calpe war das nächste bezahlbare von Valencia aus. So an die 120km waren es dann aber schon. Man ist dort bereits fast in Benidorm, falls das jemandem was sagt. Noch ein Stückchen weiter liegt Alicante. Der geniale Plan war also, dass ich mir ein Auto miete und mal auf Besuch dort runterfahre. Von 5.4. bis zum 12.4. verfügte ich nun also über ein Auto in Valencia. Das kam natürlich - ohne dass ich das bei der Reservierung wusste - unheimlich gut mit meinem Umzug zusammen. Ich holte also den Wagen, zog erstmal gemütlich um, packte aus und so und fuhr dann am nächsten Morgen ebenso gemütlich nach Calpe. Es gibt hier in Spanien ja verschiedene Arten von Straßen. Die feinste ist die Autopista, sowas wie unsere Autobahn (heißt wörtlich übersetzt sogar genau das). Die kostet allerdings Geld (von Valencia nach Calpe, also für die 100km Autobahn, 8 Euro). Es gibt noch die Autovia, die sehr ähnlich ist (nen Hauch schlechter vielleicht, länger), aber kein Geld kostet. Dann gibt es Nationalstraßen (wie unsere Bundesstraßen; auf Karten meist rot), die halt einspurig sind und durch alle größeren Dörfchen auf der Strecke führen (mit 50 da drin und Ampeln und allem drum und dran). Und dann gibt es noch die ganz kleinen Straßen (gelb), die halt echt jedes Kaff verbinden. Nach Alicante gibt es von Valencia aus alles, allerdings führt die kostenlose Autobahn (durchs Landesinnere) nicht an Calpe vorbei (dazwischen liegen noch einige Kilometer gelber Straßen). Die Autobahn an der Küste kostet, also nahm ich die kleinere Nationalstraße. So brauchte ich dann etwa drei Stunden für die Strecke. Teilweise ist das echt frustrierend und man kommt langsamer voran als in Valencia während der Rush Hour. Als ich mit meinen Eltern Valencia besichtigte, nahmen wir noch einmal diese Route, weil sie schon recht nett anzusehen ist, aber danach dann immer die Autobahn, die einen die Strecke in ner guten Stunde zurücklegen lässt.
Die Zeit dort war sozusagen ein kleiner Urlaub. Wir haben am Wochenende aufgrund meines Reiseführers für diese Region hier zwei kleinere Touren in das Umland gemacht und waren am Montag in Valencia und haben im Wesentlichen den Hafen und die CAC besichtigt. Am Dienstag war ich außerdem noch mit meinem Vater beim Champions League Spiel Valencia gegen Chelsea. Abends sind wir alle immer wieder nach Calpe zurückgefahren und haben dort im Appartment meiner Eltern übernachtet. Wir haben immer viel und gut gegessen, und ich hab in der Woche nicht einen Euro ausgegeben. ![]()
Außerdem konnte ich meinen Eltern ne ganze Menge Zeug mitgeben, von dem ich sonst nicht gewusst hätte, wie es Deutschland hätte erreichen sollen. Ihr Gepäck war extra für diese Aktion optimiert gewesen. Meine Mutter hatte bei der Reise alles, was es an Handtüchern und ähnlichem nicht mehr so tat, eingepackt um es hier zurücklassen zu können. Außerdem reisten meine Eltern mit so gut wie keinem Handgepäck. Es war also ordentlich Platz und das nutze ich.
Für wen’s interessiert; die Details:
Ich kam am Freitag (5.4.) in Calpe an, so zur (deutschen) Mittagessenszeit und wir nahmen jenes bei einem deutschen Metzger ein, der halt auch Schnitzel und sowas reicht. Das war schonmal der totale Umbruch aus Valencia, wo man spanisch und meist noch valencianisch antrifft, in so einen Touristen-Ort zu kommen, in dem fast jede Speisekarte auf spanisch, englisch, französisch, deutsch und holländisch angeboten wird und fast jeder einen gewissen Teil dieser Sprachen beherrscht. Man kommt sich schon fast komisch vor die Leute auf spanisch anzureden. Aber mal wieder ein feines deutsches Schnitzel zu essen hatte schon was.
Unsere erste Tages-Tour (Samstag) ging in Richtung Westen in die Berge (Altea, Fuentes del Algar, Guadalest). Auf der Karte sieht das nach kaum Weg aus, was wir da zurückgelegt haben, aber man kommt da natürlich auch nur langsam voran (sehr schöne Passstraßen mit toller Aussicht). Und wir waren in den einzelnen Orten natürlich noch bisschen was unterwegs. Generell alles sehr schön dort in der Ecke. Man hat feine Aussicht und sieht halt mal was *etwas* Abseits des Tourismus, wirklich hinterweltlerisch ist es dort auch noch nicht. Die Fuente del Algar (fuente = Quelle) ist ein Stück Berg mit mehreren Wasserfällen und so. Sehr schön anzusehen, aber leider mit Eintritt versehen, und wir waren dort schon etwas zu fertig als dass sich das gelohnt hätte.
Die zweite Tour (Sonntag) ging Richtung Norden an der Küste entlang (Moraira, Jávea, Dénia). Das bedeutete jetzt aber keinen krassen landschaftlichen Gegensatz, denn die Gegend um Calpe ist voller Küstengebirge (bestes Beispiel ist der fette Felsen neben der Stadt selbst). Aber die Orte waren größer und es waren nun schon wirklich Städte und keine Dörfer. Details zu den einzelnen bekomme ich nicht mehr zusammen. Wir haben auch keine speziellen Monumente besichtigt oder so (auch wenn die Touri-Info-Büros immer sehr hilfreich waren), sondern haben eher die Atmosphäre auf uns wirken lassen. Das hat gut geklappt.
Am Montag besuchten wir Valencia. Wir nahmen, wie gesagt, die Trödel-Strecke und waren darum erst gut mittags dort. Leider war das Wetter außerdem nicht so berauschend. Unser erster Stop war meine neue Wohnung und die Bar auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo ich meinen Eltern zeigte, was ein Bocadillo ist.
Als nächstes gingen wir die Avenida del Puerto lang zum Hafen und sahen uns dort etwas um. Da der Cup nun ja voll im Gange ist, ist auch alles fein abgesperrt, es gibt nur noch ein paar Eingänge mit Metalldetektoren und so und es gibt allerhand zu gucken. Hauptsächlich ließen wir uns in einem Laden sehen, damit mein Vater bei seinen Tennis-Kollegen mit einem America’s Cup Sweatshirt angeben kann und als Andenken ne schöne Tüte zu Hause liegen hat.
Wir gingen dann vom Hafen aus an meiner alten Wohnung vorbei zur CAC, die natürlich wieder gut Eindruck machte. Praktischerweise sieht man die ja auch immer, wenn man die Stadt in Richtung Süden (Calpe) verlässt oder von dort kommt. Meine Idee war, danach noch etwas Turia und vielleicht Altstadt zu sehen, aber das wäre zeitlich eng geworden, weil wir abends in El Saler (wo sonst) eine Paella Valenciana (was sonst) essen wollten. Das lohnte sich, wie zu erwarten war, auch extremst und wenn man zwischen acht und neun dort ist, ist es auch noch sehr ruhig.
Dienstag war der Tag des Fußballspiels. Vormittags ließen wir uns nochmal in Moraira sehen, weil es dort einen interessanten China-Laden gab, von dessen Konzept meine Eltern nun auch überzeugt sind. Von dort fuhren wir dann kurz in Teulada vorbei, was wir am Wochenende nicht mehr geschafft hatten. Viele Orte dort an der Küste haben zwei Teile; einen älteren etwas in den Bergen und einen neueren für Touristen am Strand. Meist liegen die nah beieinander und heißen auch sehr gleich (wie in Calpe oder Gandia), aber manchmal ist es auch subtiler, wie bei Moraira und Teulada. Letzteres ist der Teil, in dem zunächst mal der Hund begraben ist. Als wir dort waren, fanden sich auf der Straße einige Kinder, die alles anmalten, weil wohl bald Dorffest war, aber an sich war dort rein gar nichts los. Trotzdem nett anzusehen. In Moraira kann man halt mehr machen als wohnen, so dass wir zum Essen wieder dorthin fuhren.
Abends stand dann das Fußballspiel an. Wir nahmen natürlich die Autopista nach Valencia, gerieten aber kurz vor der Stadt in einen guten Stau. Der war wohl Teil der ganz normalen valencianischen Rush Hour. Aber ich war erstaunt wie gut ich mich bereits mit dem Auto in der Stadt zurecht finde. Wir kamen gerade rechtzeitig zum Spiel an. Das Auto hatten wir natürlich bei mir zu hause geparkt. Von dort ist es kein Problem zum Stadion zu laufen. Verwunderlich war, dass man in der Stadt kaum was von dem Ereignis merkte. Erst sehr kurz vor dem Stadion wurden die Straßen voll. Das Spiel selbst war leider nicht besonders sehenswert. Die Valencianer haben sich nicht sonderlich gut angestellt und letztendlich auch verloren, womit sie sich aus dem Pokal geworfen haben. Aber die Aktion war trotzdem ein Erlebnis. Die Atmosphäre in einem Stadion muss man halt mal erlebt haben. Und als die Jungs aus der Stadt dann ihre Hymne zu hören bekamen und alle Zuschauer die bereitgelegten orangenen Zettelchen hochhielten… das hatte schon was. Nach dem Spiel kamen wir erfreulich gut wieder aus der Stadt raus (weil wir eben nicht am Stadion geparkt hatten) und zogen uns auf ner Raststätte noch ein Bocadillo rein, was auch nicht verkehrt war, denn in Calpe war um die Zeit bereits tote Hose.
Der Mittwoch, mein Abreisetag, wurde gemütlich begangen. Meine Eltern verstauten schonmal all meinen Kram in ihrem Gepäck und wir gingen noch eine Paella am Strand essen (diesmal “arroz a banda”). Ich fuhr nach hause und finalisierte meinen Umzug.
Das war ne sehr schöne Woche. Es war wirklich wie Urlaub und ich hab wieder gut was für die Erinnerungskiste angesammelt.