Der Norden der Comunidad Valenciana
Und wieder kann ich was von der ToDo-Liste streichen. Am Sonntag schauten wir - Julia, Ricke, Sarah, Nadine (Mitbewoherin von Ricke), Claudia (Besuch von Ricke) und ich - uns Sagunto und Castellón an. Zumindest Sagunto lohnt sich schon. Da gibt’s nen Berg nebendran mit Festungsüberresten drauf, der bei der Hitze etwas mühseelig zu besteigen war. Außerdem waren wir alle anfangs etwas fertig, weil wir recht wenig Schlaf hinter uns hatten. Die Festung (Castillo) reißt einen nicht um, aber die Aussicht von da oben ist ganz nett. Etwas tiefer gibt es auch ein römisches Theater, das leider nahezu vollständig mit einem neueren Freiluft-Theater überbaut ist. Scheinbar wird es auch in unserer Zeit für Aufführungen genutzt. Das Schärfste sahen wir dort: Toiletten unter freiem Himmel. Also es waren schon Wände drum mit Tür und es gab Waschbecken und alles und sogar Licht, aber keine Decke. War mal was anderes da in der Sonne rumzusitzen. ![]()
Von dem Berg aus hat man eine schöne Aussicht über die Stadt. In dieser gibt es dann noch ein jüdisches Viertel, das sich als irre klein herausstellte und wie wohl überall hier (es ist wirklich schon sehr unspektakulär geworden) eine Katedrale.
In dem Städtchen muss an dem Tag irgendwas los gewesen sein. Zunächst mal schienen alle Bewohner in der Kirche gewesen zu sein. Die Straßen waren wie leer gefegt. Dann hingen überall religiöse Bilder herum und es gab diverse Mascletás in der Stadt. Auch cool war eine Art kleines Motorrad-Treffen, was da wohl stattfand. Wir sahen diverse Motorräder den Berg hoch und wieder runter fahren. Bei dem Wetter natürlich ne feine Sache. Wirklich ergründen, was da abging, konnten wir aber nicht. Wir aßen noch eine Kleinigkeit in einem sehr lauten Schuppen mit unfreundlicher Bedienung und zogen dann weiter nach Castellón.
Hier liefen wir einfach mal in Richtung Innenstadt und kamen durch einen wirklich sehr schönen Park neben einem sehr protzigen Corte Ingles. Wir sahen die zwischen ein paar neueren Häusern sehr fehl am Platz wirkende Stierkampfarena, die Post, die ja oft ein Hingucker ist, und warfen noch einen kurzen Blick auf Katedrale, Marcado Central und was es da in der Gegend (Plaza Mayor) sonst noch so gab. Auch hier schien irgendwas zu passieren, denn man baute eine Bühne auf. Insgesamt begeisterte Castellón nicht höllisch, was uns auch schon der Reiseführer versprochen hatte. Wir hetzten dann ziemlich zurück zum Bahnhof, weil die Züge nach Valencia nur stündlich fuhren. Dem einzigen(!) Fahrkarten-Automat war unsere Eile viel zu unspanisch, und nach zwei Tickets hatte er einfach mal keinen Bock mehr. Der Typ am Schalter ließ sich auch nicht dadurch aus der Ruhe bringen, dass unser Zug in weniger als fünf Minuten weg sein würde. Letztendlich kamen wir dann aber gerade noch rechtzeitig und stellten später fest, dass es in Spanien wohl überhaupt kein Problem ist beim Schaffner sein Ticket zu lösen. Hmpf!
Castellón ist mit dem Zug ne gute Stunde von Valencia entfernt, Sagunto vielleicht ne halbe. Wir stiegen im Bahnhof Valencia-Cabañal ein. Von dem Gebäude war mir zwar schon gesagt worden, dass es ein Bahnhof ist, jedoch konnte ich das nie so recht glauben, weil das einfach mal so auf der Straße rumsteht und die Schienen drum herum unterirdisch verlaufen. Ich hatte mich auch schon mehrfach gewundert, dass Valencia so wenig Bahnhöfe hat.
Für die Fahrt von Castellón zahlten wir knappe drei Euro. Man setze sich mal für eine Stunde in einen deutschen Zug und vergleiche…
Interessant bei der Reise zu beobachten war die Sache mit der Sprache. Anna meinte mal zu mir, dass man in Valencia gar nicht wirklich viel Valenciano spricht, weil es eben eine große Stadt wäre. Man täte das eher in den Dörfern, und das kommt wohl hin. In Sagunto (~60.000 Einwohner) steht eine Menge in Valenciano und nur darin, in Valencia (und auch in Castellón mit ~130.000 Einwohnern) steht halt alles zusätzlich auf castellano. Es geht also noch schlimmer als hier. Hätt ich kaum gedacht.
In Castellón war es schon fast recht wenig Valenciano. Die Verbreitung scheint schnell abzunehmen. Castellón ist ja eine Randprovinz der Comunidad Valenciana.
Das mit dem Schlafmangel an dem Tag war bei mir extrem. Am Tag zuvor war ich ja bei Eva zum Song-Contest gucken und so. Der ging bis halb eins; eigentlich also gar nicht so lang, allerdings machte ich dann den “Fehler” mit den Nachtbussen nach hause fahren zu wollen, was eigentlich ne recht fixe Methode ist, selbst wenn man mehrere braucht. An dem Tag jedoch wäre ich zu Fuß schneller dort gewesen. Über zwei Stunden hab ich mit der Reise verbracht (80% davon hab ich natürlich gewartet). In der Zeit wäre ich das Stück locker gelaufen. Und da wir am nächsten Tag schon um neun am Bahnhof stehen wollten, kam da nicht mehr so viel Schlaf bei rum.
Außerdem war ich am Freitag endlich mal wieder auf einem Botellón. Meine Mitbewohner hatten mich gefragt, ob ich mit zu einer Abschiedsfete wollte, aber dort hätte ich außer ihnen wohl niemanden gekannt (einschließlich der Gastgeberin). Also ging ich mit Marco und Eva zu dieser Botellón irgendwo in der Nähe der Uni. Genauer wusste das keiner, aber so ein Event findet man ja ganz gut, wenn man durch die Gegend läuft. Es war allerdings nicht das einzige an dem Abend. Wir sahen unterwegs für eine Uhrzeit weit nach Ladenschluss ungewöhnlich viele Menschen mit Supermarkttüten rumlaufen…
Die Party war ein Geburtstagsbotellón von zwei Österreichern und einem Deutschen, folglich war nur eine Minderheit der vielleicht 100 Anwesenden nicht-deutschsprachig. Insgesamt kannte ich auch hier nicht wirklich viele. Vielleicht 15 Menschen, wenn man die mitrechnet, die ich mal in Gandia gesehen hab. Erstaunlich, dass man mit so vielen Menschen so lange hier sein kann und sie nie zu Gesicht bekommt. Vielleicht geh ich dafür auch auf die falschen Parties, wer weiß? Auch der Abend wurde natürlich lang, aber von dort konnte ich gemütlich nach hause laufen.