East-O-Vision Song Contest

Manche von euch werden’s miterlebt haben. An mir wäre es natürlich völlig vorbei gegangen, aber der spanische Mitbewohner von Eva ist totaler Fan des Eurovision Song Contests und hat - man glaubt es kaum - alle(!) davon auf Video. Da Eva heute wieder nach hause fliegt, nutzte sie die Gelegenheit um ein paar Leute zum Contest Gucken einzuladen und sich zu verabschieden. So gelangte ich also am Samstag zusammen mit ein paar netten Menschen in den Genuss dieses Ereignisses. Im Vorfeld hörte ich schon, dass sich nahezu kein westeuropäisches Land für das Finale qualifiziert habe. Dass die wenigen teilnehmenden dann auch noch auf den letzten Plätzen landen würden… naja, dabei sein ist ja alles. :) Der Titel dieses Artikels ist übrigens von n-tv.de geklaut, die ihre Halbfinal-Berichterstattung so nannten, was ich auf der Suche nach den genauen Plazierungen fand.

Ich muss sagen, das Bild des Contestes scheint sich verändert zu haben. Für mich war das immer ein Inbegriff für einen Haufen schmalziger Heimatmusik, die ich mir freiwillig niemals anhören würde. In diesem Jahr hatte ich aber extrem das Gefühl, dass die Musikrichtungen sehr gemischt waren. Es gab nur sehr wenige Lieder, die ich dem Ereignis so gefühlsmäßig zugeordnet hätte. Es gab sogar ein paar Lieder, die ich richtig gut fand (weiß natürlich nicht mehr, welche alle). Insgesamt hatte ich aber das Gefühl, das Event wäre zu einer einzigen Freak-Show verkommen. Nicht nur die, ich würde mal sagen, offensichtlich nicht völlig ernst gemeinten Beiträge von Frankreich (piiink) und Ukraine (”sieben, sieben, eins zwei”) trugen zu dem Eindruck bei. Länder wie Spanien mit ihrer schlechten Ausrede für eine Bilderbuch-Boyband bilden sich ja ernsthaft ein damit was reißen zu können. Der deutsche Beitrag in diesem Jahr war gar nicht so schlecht. (Ich war überrascht.) Auch er trug zur Manigfaltigkeit der Stilrichtungen bei. Dann gab es noch die Frau an der Bushaltestelle, die wieder was ganz eigenes hatte, und sowas wie Finnland und Schweden (Das ewige Licht leuchte ihr.). Insgesamt sehr vielfältig, aber halt auch ne Menge Müll dabei. Ich würd sagen, es waren vielleicht so ne Hand voll anständige Beiträge dabei, für den Rest hätte ich gerne eine “nächster Track”-Taste gehabt.

Marco beim Erleiden des Contests

Die Abstimmung war dann auch noch eher öde. Die Länder, die ich auf ner Weltkarte finden würde, versammelten sich sehr schnell am Ende, was ich z.b. für Irland sehr schade fand, weil die ein Lied hatten, das nicht nur da rein passte weil landestypisch und so, sondern das man sich außerdem noch anhören konnte ohne weglaufen zu wollen. Und dann weniger Punkte als der Verbesserungsvorschlag für die Präsentation der Sicherheitsanweisungen im Flugzeug aus GB zu bekommen ist schon bitter. Aber naja, die Qualität der Lieder scheint da ja eh nicht wirklich bewertet zu werden. Sehr schade.
Wir haben übrigens nicht mitgewählt, obwohl das natürlich die Gelgenheit gewesen wäre all den Ballermann-Touristen beim Deutschland-Pushen unter die Arme zu greifen. Ich hätte mir auch keinen wirklichen Favoriten aussuchen können. Meine Stimme hätte vermutlich Ukraine bekommen, weil die das mit der Freak-Show perfektioniert hatten, was sehr gut passte, fand ich. Die hätten’s ja auch fast gemacht, das hätt ich gut gefunden.
Aber der Gewinner hat’s schon auch verdient. Die “Frau” von denen kann ja scheinbar singen.

Gut fand ich neben dem Umbruch, der in den Zuschauerreihen stattgefunden haben muss (Sonst kann ich mir nicht erklären, wie man Apocalyptica in der Werbepause spielen lassen kann.), dass der eine oder andere Punkte-Ansager seinen Job nicht ganz so ernst nahm. Es gab nicht nur das übliche “Hiiiii. Good Evening, Europe. Let me say, Great Show!!! You two look very nice today. blablabla” und dann die Punkte abgelesen. Am besten fand ich den Schweden mit seiner Taschenlampe. Selbst die Art der Taschenlampe war sehr gut gewählt. Ich denke mal, der Contest kann auch weiterhin ziemlich gut als Party-Unterhaltung dienen. Muss ich mir merken.

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