Spanien so grün wie Deutschland
Ja, sowas geht. Spanien ist nicht überall heiß wie doof. Ich kann mittlerweile wirklich gut nachvollziehen, warum die Spanier nie ihr Land verlassen. Die haben hier alles, was das Herz begehrt. Ich gebe zu noch kein Land so intensiv erforscht zu haben, aber ich hab den Eindruck, in Spanien ist es extrem so, dass man durch relativ wenige zurückgelegte Kilometer in völlig andere Welten gelangen kann. Und diese Welten sind fast alle toll.
Über die 1.-Mai-”puente” (Das heißt Brücke; so nennen die Spanier solche langen Wochenenden.) sahen wir uns die Welt des Baskenlandes an. Wir, das sind Julia, Friederike (Ricke), Sarah und ich. Julia, dat is die, die mal n Zimmer in meiner Wohnung angeguckt hat (und den Titel wird sie wohl ewig behalten). Ricke kannte ich seit der Cuenca-Aktion und Sarah hatte ich nie zuvor gesehen.
Die Mädels untereinander kannten sich aber schon.
Wir verbrachten im Vorfeld relativ viel Zeit mit der Planung. Also der Zeitplan und die Route standen recht schnell, aber die Suche nach Schlafmöglichkeiten zog sich hin. Zaragoza war sehr teuer und in Pamplona schien es gar keine Hostals zu geben. Ach ja, die Route. Zaragoza, Pamplona, San Sebastian, vielleicht Bilbao und Santander sollte es werden. Übernachtungen in jeder dieser Städte außer Bilbao. Fancy feature dieser Reise: Mein Mitbewohner Martin hatte einen GPS-Empfänger hier rumliegen und Gerätschaften um meinen Laptop im Auto zu betreiben. Dann fix noch nen chicken Routenplaner gezogen und nichts konnte mehr schief gehen… so dachte man. In der Praxis gab es wenige Schwächen. Hier und da fehlte mal eine Straße auf der Karte und in Städten kam mein Rechner manchmal nicht recht nach mit dem Anzeigen der scheinbar zu detailreichen Karte in Echtzeit. Aber das Teil war trotzdem Gold wert. Nicht nur haben wir uns so sehr gut zurecht gefunden und sind nie verloren gegangen, auch haben wir jetzt einen netten Strich auf der Karte im Programm (den ich noch auf Papier übertragen werde) wo wir lang gefangen sind. (Wird teils wohl recht abenteuerlich aussehen.)
Wir fuhren am Freitag kurz vor mittag am Flughafen Valencia los und nach Zaragoza. Das ist nicht grad um die Ecke, drum waren wir erst am Abend dort. Auf dem Weg nach Zaragoza liegt Teruel, ein kleines und recht nettes Städtchen vielleicht eine Stunde von Valencia entfernt. Wir wollten was zu Mittag essen, also machten wir dort Halt. Maria, eine Tandem-Partnerin von mir kommt dort her, war aber an dem Wochenende leider in Valencia. (Die Spanier fahren nahezu jedes Wochenende nach hause; an langen sowieso, aber an diesem natürlich nicht…) Jedoch empfahl sie uns einen feinen Laden zum Essen, den wir auch problemlos fanden. Von Teruel haben wir dann nicht mehr viel angeschaut (obwohl es wirklich ein schönes Städtchen zu sein scheint) weil das bei dem Regen nicht so Spaß gemacht hätte. Das Wetter an dem Wochenende war leider ziemlich im Eimer. Wir hatten insgesamt so 1.5 Tage Sonne.
Aber wir haben das Beste draus gemacht und es war ja trotzdem schön.
In Zaragoza angekommen ging zum ersten Mal die Freude der Parkplatzsuche los. Eine gute Taktik ist oft sich erstmal ins Parkverbot zu stellen, in der Bleibe einzuchecken und dort nach ner Parkmöglichkeit zu fragen. Man empfahl uns ein Parkhaus von der Stadt, dass normalerweise recht teuer, nachdem man sich im Hotel einen gewissen Wisch ausfüllen lässt aber wohl bezahlbar sein sollte. Präziser erfuhren wir es nicht… Wir fuhren dann erstmal ein wenig durch die Gegend und schau an… nicht sehr weit von dem Ort, den man uns für das Parkhaus nannte, fanden wir einen kostenlosen(!) Schotterplatz. Normalerweise rennt da wohl ein Opa mit Kasse rum (solche Leute nehmen aber auch selten mehr als nen Euro), aber der hatte bei dem Wetter wohl auch keinen Bock drauf.
Das Hotel in Zaragoza war mit Abstand das beste Dach über dem Kopf, das wir an dem Wochenende hatten. Kostete auch entsprechend, aber es gab ja auch nix anderes in der Stadt (sah zumindest im Netz so aus; als wir durch die Stadt liefen, sahen wir genug). Und da wir so einen engen Zeitplan hatten, wollten wir weder viel Zeit damit vertun vorort was zu suchen noch damit immer aus irgendeinem günstigeren Vorort anzureisen.
Zaragoza ist eine schöne Stadt. Sie ist (nach Madrid, Barcelona, Valencia und Sevilla) die fünftgrößte Spaniens und scheinbar fett im Umbruch begriffen. Wir haben auf dem Rathausplatz eine große Ausstellung gesehen, in der es um Zukunftspläne der Stadt ging. Die haben viel vor. Unter anderem natürlich ein Metro-Netz, wenn man die richtige Partei wählt.
Ja, in Spanien sind bald Wahlen, was auch immer für welche. Die Werbung der Parteien ist bei weitem nicht so nervig und allgegenwärtig wie in Deutschland, aber man merkt’s schon. Was in Zaragoza grad halt auch ganz groß ist: Die Stadt ist Gastgeberin der Expo 2008. Vermutlich haben die auch einfach die Hotelpreise schonmal vorausschauend angepasst. Die Expo ist in der Stadt natürlich allgegenwärtig, weshalb wir direkt mal ne studiVZ-Gruppe für das immens knuffige Maskottchen (das wir in Ermangelung eines offiziellen Namens Fluvi tauften) aufgemacht haben.
Desweiteren hat Zaragoza eine sehr sehr schöne Basilika und, ich glaub, auch eine Katedrale, die aber Geld kostet, was sie schonmal extrem hässlich erscheinen lässt.
Die Dame im Touri-Büro war sehr kooperativ und die hatten da so feine Prospekte, die Routen vorschlugen für Leute, die 24, 48 oder 72 Stunden in der Stadt waren. Genau das richtige für uns. Ich denke, am schönsten fand ich die Basilika. Nach den ganzen Trips hier bin ich wohl schon relativ abgestumpft was Kirchen angeht, aber die hatte immer noch was. Ich glaube, ich fand sie fast gemütlich… Wir haben am nächsten Tag noch ein Schloss besichtigt und einen sehr schönen Park, der leider auch unter dem schlechten Wetter litt, und dann ging’s auch schon weiter Richtung Pamplona.
Hier wurde es dann baskisch. Pamplona heißt in der Sprache “Iruña”. Klingt fast genauso oder?
In Valencia ist es ja schon manchmal komisch mit zwei Sprachen, wobei die natürlich recht ähnlich sind und man sich echt schon sehr dran gewöhnt hat. Baskisch ist aber mal sowas von anders… schon komisch. Man hat das Gefühl, die würden zu jedem Wort, das da so rumsteht, einfach noch ne zufällige Aneinanderreihung von Buchstaben beischreiben.
In Pamplona haben wir nette Sachen gesehen. Die Stadt ist scheinbar unter anderem durch einen Roman von Hemingway berühmt, der wohl oft dort war. Auf der Suche nach dem “Cafe Iruña”, in dem sich der Bursche damals häufig aufhielt, wurden wir auf dem Rathausplatz (wenn in spanischen Städten was abgeht, dann erstaunlich häufig dort) Zeuge des Endes einer Schaumparty für Kinder. Sehr witzig anzusehen, und die Kleinen hatten trotz des auch hier schlechten Wetters sichtlich Spaß.
Unsere Bleibe in Pamplona war… sagen wir mal, schlicht. Zunächst tat unser Routenfinder sein Bestes uns zum “Hotel” zu lotsen. Bei dieser verrückten Straße war das aber aussichtslos. Wir brauchten die Hausnummer 2. Ich lief in ein großes Hotel, in dem die Dame an der Rezeption meinte “Ja, wir sind die 1, aber wo die 2 ist, kann man nicht so genau sagen… es ist eine verrückte Straße.” Das Verrückte war, dass die ungeraden und die geraden Hausnummern an unterschiedlichen Enden der Straße begannen, die 2 war also exakt am anderen Ende der Straße auf der anderen Seite. Wenn man das weiß… Dort war aber nur das Restaurant, der Essensraum oder wie auch immer. Auf jeden Fall eine Bar, die gleichzeitig Rezeption war. Wir hatten uns für Pamplona den Luxus gegönnt einen PKW-Stellplatz mit zu mieten, weil wir hier nur nen halben Tag eingeplant hatten und nicht die Hälfte davon mit Parkplatzsuche verbringen wollten. Nun stellten wir aber fest, dass wir gar nicht so höllisch zentral gelegen waren und sich deshalb in der Umgebung unserer Bleibe ne Menge Parkplätze fanden. Parkplatz stornieren war aber natürlich nicht drin. Hmpf. Das Wohnhaus an sich war dann auch recht einfach gehalten. Das Treppenhaus war eine Baustelle, wir hatten ein kleines Badezimmer für acht Leute oder so, aber jeder hatte nen Fernseher mit sogar deutschen Sendern.
Naja, nur zum Pennen reichte es ja. Nach dem Frühstück ging es dann direkt weiter zur Nordküste Spaniens.
San Sebastian war definitiv das Highlight unserer Tour. Das mag daran gelegen haben, dass wir die komplette Zeit, die wir uns in der Stadt aufhielten, strahlenden Sonnenschein hatten, aber die Stadt hat echt was. Es gibt natürlich auch hässliche Gegenden, aber die meisten Häuser sind echt schön (sogar die neuen großen), es liegt direkt am Strand und man hat außerdem Berge im Hintergrund. Nachdem wir einen Blick auf den Strand geworfen und ein wenig zugesehen hatten, wie ne Menge Leute sich beim Wellenreiten versuchten, gingen wir wandern. Direkt neben der Stadt ist ein kleines Berglein mit einer Jesus-Statue drauf. Von dort oben hat man einen schönen Ausblick über die Küste vor der Stadt. Es gibt mehrere Strände in San Sebastian, eine kleine Insel direkt vor der Tür, das alles in einer ruhigen Bucht mit Bergen drum. Wirklich schön. Wir sahen uns noch den Hafen und die Strandpromenade an. Hier war es unangenehm voll. Irrsinnig viele Leute marschierten dort entlang. Es lagen sogar ein paar am Strand. Wir liefen dort ein gutes Stück entlang und machten ein paar schöne Fotos auch um das tolle Wetter zu dokumentieren. Als es dunkel wurde, hielten wir dann noch ein Foto-Shooting ab und schlossen den Pakt allesamt unsere studiVZ-Seite mit einem dieser Fotos zu schmücken.
Das Thema Unterkunft erlebte in San Sebastian seinen Höhepunkt. Wir hatten es hinbekommen in jeder Stadt was zu finden und zu reservieren, aber das war natürlich bloß die Theorie. Als wir an der im Internet angegebenen Adresse ankamen, meinte die freundliche Dame, sie sei ausgebucht und habe das mit unserer Reservierung wohl verpeilt. Aber kein Problem. Sie habe da eine Freundin, die uns gerne noch unterbrächte. Ein Anruf und schon hatten wir was zum Wohnen ein paar Häuser weiter. Das war allerdings wohl kein eingetragenes Hostal. Um genau zu sein war es eine Oma, die in Kauf nahm eine Weile auf einer Matratze in der Küche zu schlafen und dafür nahezu ihre gesamte Wohnung mit reisenden Studenten zu füllen. Zum Glück gab es zwei Badezimmer, denn wir waren auch hier locker acht Menschen, die allesamt recht amüsiert ihr Schlafgemach kennenlernten. Wir vier lagen in Wohnzimmer, dadurch hatten wir zwar einen großen Fernseher, jedoch kein Fenster. Als Ausgleich war das Omchen echt lieb. Unterhielt sich nett mit uns und stellte uns sogar spontan ne Tortilla hin als wir abends nach hause kamen.
Richtig gegessen haben wir an dem Tag aber auch in der Stadt und zwar Pinxtos. So heißen Tapas im Baskenland. Und wir waren in einer stilechten Tapas-Bar, in der der gasamte Boden voller Servietten, Zahnstocker und anderem Müll liegt, wo der Schinken von der Decke hängt und es kein Besteck gibt. Man packt sich was von der Theke auf den Teller und zahlt pro Stück einen relativ niedrigen Preis. Alles sehr fettig, aber lecker.
Die Lage unserer Unterkunft war auch top. Wir wohnten mitten in der Altstadt und konnten überall hin fallen. Bei uns gegenüber gab es ein Einkaufszentrum in einem sehr alten Gebäude. Das war sehr komisch. Von außen sah das so altehrwürdig aus und von innen neu und stressig wie Einkaufszentren hier eben sind. Auch San Sebastian verließen wir recht bald nach dem Frühstück (bei “Don Huevone”; huevo ist das Ei auf spanisch), weil wir hier einen richtigen Parkplatz mit Ticket an der Straße bezahlten, der nur eine recht knappe Höchstparkdauer erlaubte.
Auf dem Weg nach Santander fuhren wir durch Bilbao. Die Frage, ob wir da mal halten und uns die Stadt ansehen sollen, beantwortete uns der sich wie aus Eimern auf die Erde ergießende Regen, der uns dort begrüßte. Wir fuhren also nur einmal vor dem Guggenheim-Museum und dem Hündchen daneben auf und ab und dann weiter nach Santander.
Unsere letzte Station war auch nicht so schlecht. Wir schliefen in einer Pension, hatten damit also so ziemlich alle Arten von Herbergen durch. Die Leute waren sehr nett und erzählten uns, was wir uns ansehen sollten und wo wir das Auto unterkriegen können (das, wie es sich gehört, natürlich zu dem Zeitpunkt direkt vor der Tür im Parkverbot stand). Wir hatten wieder einen Fernseher, auf dem wir in unseren Erholpausen einen Teil eines unglaublich schlechten deutschen Fantasy-Films und später ein Stück Bud Spencer und Terence Hill schauten (beides natürlich auf spanisch). Da wir zu der Zeit schon recht hinüber waren und das Wetter immer noch nicht recht mitspielte, entschieden wir uns die Küste mit dem Auto abzufahren und an gewissen Stellen mal auszusteigen um Fotos zu machen. Dabei kamen wir an einer Art Park vorbei, in dem es ein Schlösschen gab, ein paar Schiffsmodelle und einen kleinen Tierpark mit Pinguinen und Seelöwen (sehr strange). Ganz nett anzusehen, wenn es auch alles sehr künstlich aussah. Eine schöne Aussicht hatte man dort nahezu überall. Aufgrund der Wolken haben wir es leider nicht hinbekommen den Sonnenuntergang zu sehen. Das hätten wir gerne getan, wo wir schonmal auf der anderen Seite Spaniens unterwegs waren. Jetzt werden wir uns demnächst zumindest mal in Valencia den Aufgang reinziehen.
Abgesehen davon dass wir auf dieser Reise ein paar schöne spanische Städte gesehen haben (die auch irgendwie anders waren als die, die ich hier in der Gegend kenne), hat es sich allein schon wegen der Landschaft gelohnt. Es war ein ähnliches Gefühl wie bei meinem Kurzbesuch bei Esther in Deutschland. Damals hatte ich schon vergessen wie grün Deutschland sein kann nach all den Monaten im eher ungrünen Spanien. Nun weiß ich, dass auch letzteres nur lokal gilt. Der Norden Spaniens ist mal sowas von grün. Teils kam wirklich das Gefühl auf man wäre im Schwarzwald oder ähniches. Auf der Strecke zurück von Santander, die wir über Madrid zurücklegten, was zwar weiter als der direkte Weg aber mit Autobahnen versehen ist, nahm das Grün dann immer weiter ab und wurde blasser, bis wir nahe Valencia dann wieder bei den gewohnten Farben angelangt waren.
Zwischen Santander und Madrid fuhren wir über ein Gebirge und befanden uns zeitweise auf über 1000 Metern Höhe. (GPS liefert einem auch das, ja.) Dort wurde die Landschaft dann plötzlich weiß.
Wir konnten das überhaupt nicht glauben und mussten anhalten um es wirklich zu fühlen. Dort lag Schnee. Wirklich immer wieder krass, wie schnell sich hier um einen herum die Landschaft ändern kann, wenn man gewisse Straßen langfährt.
Nun liegt also wieder eine sehr schöne Reise hinter mir und ich habe meinen Spanien-Horrizont erneut erweitert. Es gibt noch ein paar Dinge, die ich gerne sehen würde, aber so die großen Regionen sind damit in etwa durch. Neben diesen landschaftlichen Erfahrungen, die wir versuchten auf über 800 Fotos festzuhalten, war es echt ne schöne Zeit, und wir hatten unheimlich viel Spaß. Mal schauen, was als nächstes kommt…