Die Zahl meiner Verehrerinnen wächst :)
Am Dienstag durfte ich das spanische Original erleben. Ich hab mich seit ewig mal wieder mit Anna unterhalten und unter anderem sprach ich sie auf unsere Dachterrasse an, weil ich im letzten Jahr einst an einer Grillfete auf einer solchen teilnahm und überlegte, ob sowas bei uns vielleicht auch möglich wäre. Sie war erstmal unglaublich überrascht von meiner Idee und meinte, man dürfe in Spanien so gut wie nirgendwo einfach so grillen.
Außerdem meinte sie, die Terrasse wäre sehr klein und voller Antennen und sonem Zeugs. Sie wollte mir das direkt mal beweisen, also gingen wir zur Wohnung gegenüber, weil die dort wohnende Dame einen Schlüssel für die Terrasse hat. Nun klappt es in Spanien natürlich selten, wenn man “mal eben schnell” was tun will. Anna kannte die über 80 oder sogar über 90 jährige Frau, die dort mit ihrer ähnlich alten Schwester wohnt. Sie selbst ist noch sehr fit, besitzt sechs Wohnungen hier in Valencia, die sie vermietet mit all dem Papierkram und so. Nur ihre Schwester ist mental nicht mehr ganz auf der Höhe und vergisst scheinbar nahezu alles.
Ich weiß nicht, wie lange wir dort waren. Ich war auf jeden Fall froh an dem Abend nichts mehr vor gehabt zu haben. Zunächst sprach Anna die Alte auf das Fernsehn an, dessen Empfang irgendwie im Eimer war. Man vermutete das Wetter, aber… naja… es war halt etwas windig.
Dann ging es um die Arbeiten, die gerade an unserer Fassade stattfinden. Wir betraten die Wohnung um gezeigt zu bekommen, wie das auf ihrer Seite des Hauses aussah. Dann wurde natürlich die Schwester begrüßt und ein paar Worte gewechselt. Man sprach über Nebenkostenabrechnungen und sowas… Ich hab natürlich nur einen Bruchteil von alldem, was geredet wurde, verstanden. Irgendwann fiel der Dame dann auf, dass ich ja doch recht groß sei. Sie fragte, wo denn so ein großer Junge her käme. Aus Deutschland halt. Dann fragte sie, wo denn so ein hübscher Junge her käme… Und dann ging das los. Sie und Anna überschlugen sich in Äußerungen darüber. Ich verstand sowas wie “Er ist eine 10 oder mindestens eine 7.” ![]()
Wie für die meisten Spanier war für die Frau klar, dass ich englisch kann, weil ich aus Deutschland komme. Sie hatte ein Tagebuch, auf dem was auf englisch stand, das sie nicht verstand. Dass Anna auch englisch spricht, war ihr wohl nicht bewusst. Auf dem Buch stand auf englisch “nur für mich”, was sie scheinbar nicht so ernst nahm, denn es folgte ein Vortrag über den Inhalt. Das Buch war so 2/3 gefüllt mit Text und eingeklebten Fotos, von denen wir jedes einzelne kommentiert bekamen: “Schau, das ist meine Tochter, schau, hier mit ihrem Hund, hier sind wir alle zusammen, …” Dann ging es nochmal kurz über die bald in Spanien anstehende Wahl und die Schwester wurde mehrmals gefragt, wen sie denn wählen würde und gab jedes Mal eine andere Antwort oder so. Irgendwie empfand man es wohl fragwürdig, ob sie denn wählen gehen sollte.
Die Terrasse rockt wirklich nicht so. Sie ist schon recht klein und voller Zeugs, das sie nicht gut begehbar macht. Aber die Aussicht ist klasse. Werde mich mal bei besserem Wetter mit einer Kamera dort hoch trauen.
Den Schlüssel zurückzugeben war dann natürlich auch nicht mal eben so getan.
Wir wechselten mit der Dame ein paar Worte über’s Grillen. Sie meinte, auf Terrassen und so dürfte man das schon, man fände halt in der Stadt nur schwer welche. Nach kurzer Zeit kam ihre Schwester hinzu. Dann ging erstmal die Rangelei los. “Den ganzen Tag muss man ihr den Hintern nachtragen, und auf einmal kann sie laufen wie ne Eins.” und sowas. Die beiden scheinen öfters so ihren Spaß miteinander zu haben. Dann ging es um einen Jungen (ein Enkel der einen), der jede Woche zum Essen kommt. Man beschuldigte sich gegenseitig in ihn verliebt zu sein und sowas. Obwohl ich nicht alles verstand, war es echt witzig das zu erleben. Das Zurückbringen des Schlüssels hat dann nochmal ähnlich lange gedauert wie das Abholen. War aber halt ein netter Abend.
Was gibt’s sonst noch neues? Spanien ist aus dem America’s Cup geflogen.
Im Rennen sind jetzt noch Neuseeland und eines der italienischen Teams. Wer von den beiden gewinnt, darf dann ende Juni die Schweiz herausfordern. Nun halte ich also für Neuseeland, und wenn die Italien rausgekickt haben für die Schweiz, damit das Teil in Europa bleibt und - wer weiß - nächstes Mal vielleicht wieder in Valencia stattfindet. Ich hätte es den Spaniern allerdings arg gegönnt (mehr als den Deutschen, die ja schon vorher weg waren). Man stelle sich das Feuerwerk vor, das es gegeben hätte, wenn Spanien hier in Valencia das Teil geholt hätte… *träum*
Am letzten Samstag wollten wir uns das AC-Spektakel mal aus der Nähe ansehen. Ich wollte ja immer mal zum Hafen, wenn da auch Rennen ist, weil ich dachte, dann wäre da ne Menge mehr los… irgendwie nicht. Und ich kann es nachvollziehen. Es reizt auch nicht viel. Es gibt halt zwei Leinwände (vor denen sich die Leute dann auch knubbelten), auf denen man das Rennen betrachten kann wie vom heimischen Fernsehsessel aus. Neben dem Rennen selbst gibt es am Hafen ja kaum was. Man kann ein Bierchen trinken (zu gar nicht mal überhöhten Preisen) oder was in der Art, aber das war’s im Wesentlichen auch schon abgesehen von den ganzen kleinen Shops und Ausstellungen in den einzelnen Gebäuden, die man recht fix hinter sich hat. Das Rennen in echt zu sehen, ist nicht. Wenn man auf dem Steg des Hafens oder am Strand steht, kann man es am Horizont anhand einiger weißer Punkte erahnen, aber mehr auch nicht. Was Sinn machen soll (hab es noch nicht erlebt) ist sich das Raus- oder Wiederreinfahren der Boote anzusehen. Das taten wir zumindest vom Strand aus (in Badehose in der Sonne, ja), von wo das schon interessant aussah, als die - keine Ahnung - 50 Boote wieder in den Hafen fuhren. Unglaublich, wie viel da auf dem Wasser los war.
Ansonsten ist nicht viel spektakuläres passiert in letzter Zeit. Wie hatten ein Sagunto-Castellón-Nachtreffen, ich hab die Bodega mal wieder bei ein paar weiteren Leuten bekannt gemacht, war letztens mit Sandra ein Geburtstagbierchen trinken (nein, ich trinke immer noch keins) und sowas. Aber bald geht’s bestimmt wieder richtig ab.