San Juan, Schutzpatron der Taschendiebe

Letzten Samstag feierten die Valencianer (vermutlich auch der Rest von Spanien) San Juan. Zunächst mal klingt das nicht nach was besonderem, denn hier ist wohl jedem Tag mindestens ein Heiliger zugeodnet, der an dem Tag halt gefeiert wird. (Wenn man den Namen in die spanische Wikipedia eingibt, bekommt man sogar ne ganze Liste von heiligen Juans, die es so im Laufe der Jahrhundete gegeben hat.) Ist der Heilige irgendwie wichtig, dann feiert man den Tag halt größer. Ich hab mich mal ein wenig schlau gemacht. Bei uns heißt der Tag nach der Nacht, in der die Spanier feiern, Johannistag (der spanische Juan ist unser Johannes), mit dem nichts geringeres als die Geburt Johannes’ des Täufers gefeiert wird, ja nun schon eine gewisse VIP unter den katholischen Heiligen. Hier und da feiert man das, indem man um so genannte Johannisfeuer herumtanzt. Das kommt auch dem Spektakel hier in Valencia nahe. Außerdem ist zu dieser Zeit ja noch die Sommersonnenwende, also noch ein Grund zu feiern.
Konkret sieht das hier so aus: Abertausende Menschen treffen sich in Valencia am Strand, machen alle paar Meter ein Lagerfeuer im Sand, sitzen drum herum und haben Spaß. Dazu gibt’s dann ein bisschen Programm (Konzerte oder so, wurde mir gesagt), und um Mitternacht hüpfen einige ins Wasser (weil das Glück bringt) um sich danach am Feuer wieder zu trocknen. Klingt simpel, ist es auch. Wir waren da (insgesamt zehn Menschen, von denen ich nicht alle kannte).

Wir planten uns so um elf in der Stadt zu treffen und dann zum Strand zu laufen. Meine Mitbewohnerin meinte dann am Abend, dass man da viel früher hin müsste, dass um zwölf Uhr bereits alles vorbei wäre. Das klang schon verdammt un-spanisch, wäre andererseits aber wiedermal typisch gewesen das Fest nicht voll auszunutzen und so; generell Organisation… :) Da wir aber alle nicht so höllisch fit waren, ging es dann doch nicht früher los (auch nicht für meine Mitbewohner, die eigentlich schon um zehn dort sein wollten, dann aber doch nicht wirklich vor mir los kamen). Als wir in die Nähe des Strandes kamen, fühlte ich mich an die Fallas erinnert. Die Luft war neblig und es roch verbrannt. Direkt am Strand dann das unglaubliche Bild. Man hatte uns ja gesagt, es wären viele Leute da, aber was da los war, lässt sich kaum in Worte fassen. Ich nehme an, der Strand war vom Hafen bis mindestens zum Ende des Malvarossa-Abschnittes (also auf einer Strecke, für die man zügig zu Fuß ne sehr gute halbe Stunde braucht) mit Menschen überströhmt, dass kaum noch Sand zu sehen war. Auch die Promenade davor war voller Menschen, und alle hatten sie ne Menge Spaß. Übrigens scheint dies der einzige Tag im Jahr zu sein, an dem Spanier grillen. Genau das tat man nämlich auf der Promenade. Es gab da einige Pros, die mit Tisch, Stühlen und allem drum und dran anrückten. Die offene Frage bleibt, wo die Spanier ihre Grills kaufen, denn obwohl man hier so um die 300 Tage Grillwetter im Jahr haben dürfte, gibt es so gut wie nirgendwo Zubehör dafür zu kaufen. Die Gesetzeslage, wann man das wo darf, scheint auch den wenigsten klar zu sein. :(
Wir kamen vielleicht um viertel vor zwölf am Strand an, aber das einzige, was um zwölf passierte, war dass das Licht aus ging. (Ja, in Valencia ist der Strand nachts teils beleuchtet.) Außerdem setzte sich die Menschenmasse um Mitternacht irgendwie in Bewegung. Es sah aus, als würden einige gehen, aber das konnte man bei der Menge letztendlich nicht so wirklich bestimmen. Vor allem aber kam Bewegung auf, weil viele ins Wasser gingen. Zuvor rannten schon eine Menge in Bade-Klamotten rum. Leider war es nicht so höllisch warm an dem Abend, zudem recht windig. Die meisten ließen ihre Bekleidungsphilosophie davon aber unbeeinflusst.

Also es war echt ein irrer Anblick, die Menschenmassen und all die Lagerfeuer im Sand… aber das war dann auch schon alles. Es war die Rede von einem Feuerwerk um Mitternacht (eigentlich gehr hier ja gar nix ohne), aber das blieb leider aus. Hier und da schoss jemand ne Rakete ab, aber es gab nix großes. Was so organisiert war, war eine Bühne nahe des Hafens, auf der ein paar Tänzer(innen) aktiv waren und von der irrsinnig laute, schreckliche Musik her schallte. All die Irren direkt davor gingen an dem Tag bestimmt mit Tinitus nach Hause. Dann gab es für die einige Tausend Menschen eine sehr überschaubare Anzahl Dixi-Klos und eine Rote-Kreuz-Station mit einem Krankenwagen und ner Handvoll Sanitätern. Alles also wie man das von Spanien gewöhnt ist. :) Essen und Trinken verkauften lediglich die Südamerikaner, die dort in dem Slum nahe des Strandes wohnen und die bei solchen Gelegenheiten immer den schnellen Euro machen, den die Spanier scheinbar zu dumm sind einzustreichen. Bei uns stünden bei sonem Ereignis zig Buden mit allerhand Zeugs, aber hier… nix. Da können die Onkels mit ihrem Wassereimer voller Bierdosen für nen Euro das Stück natürlich reich werden. Man hätte bei denen an der Promenade sogar noch kurz eine “magische Massage” abstauben können.
Wir blieben nicht wirklich lange. Zum einen weil das Ereignis - wenn man sich an dem Menschenmassen mal satt gesehen hatte - nicht so recht flashte, zum anderen weil bei Katharina (vermutlich rauchbedingte) Kopfschmerzen einsetzten.

Ein Problem auf diesem Fest waren die Taschendiebe. Eine ernsthafte Warnung vor diesen hatte ich zuvor bisher nur für die Fallas gehört, wo sich ja ähnlich viele Menschen zusammengefunden hatten. Also hatte niemand von uns mehr als seinen Haustürschlüssel und vielleicht ein paar Euro dabei (und natürlich was zu trinken). Ich hörte schon mehrere Geschichten von geklauten Taschen, Handys etc. Auch musste man wohl auf seine Klamotten aufpassen (lassen), wenn man schwimmen ging. Vielleicht ging deshalb niemand nackt ins Wasser. :) Aufgrund dieser Bedrohung hatte ich natürlich auch keine Kamera dabei, so dass keine Fotos entstanden sind. Leider. :(

Also Fazit: War ein nettes Fest; nicht umwerfend, aber nett. Vielleicht hätte man es anders angehen müssen. Das mit den Taschendieben verhindert aber leider auch ein gutes Stück Spaß. Wenn man kaum was mitnehmen kann und auf das bisschen dann auch noch höllisch aufpassen muss, kann man weit weniger gut feiern.
Also ich war ganz froh, dass wir nicht ewig geblieben sind. Einen der angeblichen Hauptaspekte des Events haben wir natürlich verpasst. :) Man weiß ja nie, wieviel von solchen Geschichten wirklich wahr ist, aber es schien da wohl auch zum großen Teil um Paarung zu gehen. Der Eindruck kam bei uns durchaus auch an. Wahrscheinlich wäre es einfach gewesen eines der betrunkenen halbnackten 14-18 jähringen Mädels dort zu vernaschen oder sich mit nach hause zu nehmen, die da haufenweise rumrannten, aber dafür war ich ja nicht wirklich dort… oder auf der Welt.

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