Der Begriff Foto-Safari trifft’s ganz gut.
Denn manchmal fühlt man sich hier zur Zeit wie in der Wüste. Ich verstehe mittlerweile ganz gut, warum sich Spanier im Juli und August nicht gerne in Valencia aufhalten.
Zur Zeit bin ich dabei einige (stark untertrieben; hab’s schon auf fast 3.000 gebracht) Fotos von Valencia zu schießen. Das heißt, ich verwende meine Zeit, die gerade reichlich vorhanden ist, darauf durch verschiedenste Teile der Stadt zu laufen und alles zu fotografieren.
Bei dem Wetter schlaucht das ganz schön. Aber es ist sehr cool. Ich bekomme immer neue Gegenden zu sehen. Letztens war ich beispielsweise auf dem Campus und hab den fotografiert. Dabei war ich zum ersten Mal in dem Gebiet nördlich des Campus. Und gestern hab ich zum ersten Mal den Marcado de Colón geöffnet gesehen. Ich dachte immer, diese Markthallen hier wären nicht mehr als überdachte Marktplätze, wo man auch heute noch Fisch und Gemüse kauft, aber der Colon ist ein richtiges fancy Erlebniszentrum. Ein kleines zwar, aber dafür dass er direkt in der Innenstadt liegt echt fein. Außerdem gestern: Ich lief in der Gegend der öffentlichen Bibliothek umher (da wo die Krankenhaus-Ruine ist; jetzt weiß zumindest ich irgendwann noch bescheid), sah an einem Museum (dem MuVIM) Plakate von deren Ausstellungen und ging spontan mal da rein (hat auch nix gekostet). Die Abkürzung steht für “Museo Valenciano de la Ilustración y la Modernidad” - Valencianisches Museum für Aufklärung und Moderne”, also dort sieht man so Dinge zum Thema moderne Wissenschaft. Es gab ne Ausstellung zu Hochseedampfern und noch ein bisschen was mehr. Hat mich nicht so umgehauen, aber: Während ich von einer Ausstellung zur nächsten irrte und mich nahezu verlief, zwischendurch mal durch einen Büro-Korridor lief und letztendlich dann doch… irgendwo auskam, wo was ausgestellt wurde, öffnete sich plötzlich eine Türe und ein Typ in schwarzer Mönchskutte erschien, der mich und ein paar andere Umherstehende hereinwunk. Da denkt man sich doch… “wasn jetz”. Wir folgten dem Typen in einen dunklen Raum und wurden so auf eine Tour mitgenommen, die durchaus die Hauptattraktion des Museums sein könnte (wenngleich ich es auch nirgends erwähnt fand). Man bekam so Raum für Raum quasi eine kurze Geschichte der Wissenschaft präsentiert von früher bis heute. Angefangen halt mit den Mönchen, die alles abschrieben, dann der Buchdruck, Aufklärung, all sowas wurde erwähnt bis zur Neuzeit und natürlich mit dem über all den Entdeckungen erhobenen Zeigefinger, dargestellt durch diverse Monitore, die Kriegsszenen und ähnliches zeigten. Der Typ in Mönchskutte wich zwischendurch einer Dame aus der Renaissance und später einem Wissenschaftler mit Kittel. Die Installationen waren teils nicht ohne. Das witzigste war wohl der Teil mit der Frau, der hauptsächlich daraus bestand, dass wir in einen Teesalon oder was aus der Zeit geführt wurden, in dem wir ein Schoki geschenkt bekamen und mindestens zehn Minuten nur rumsaßen. Das sollte wohl demonstrieren, was die entsprechenden Leute zu der Zeit hauptsächlich taten: rumsitzen.
Ich kam an dem Tag auch am IVAM vorbei (Instituto Valenciano del Arte Moderno), in dem ich vor Monaten schonmal war und in dem es mir echt gefallen hat. (Eva und ich kamen damals da raus als die anderen schon ne Stunde oder was im Cafe saßen.) Die schlossen leider gerade, also werd ich da vielleicht an nem anderen Tag nochmal vorbeischauen. Der Eintritt kostet für Studenten nen Euro oder so. Also ins Museum gehen und dergleichen kann man hier echt günstig.
Während ich so tagelang ständig in der Stadt war, fielen mir wieder die echt unpraktische Einstellung der Spanier zu Öffnungszeiten auf, an die ich mich einfach nicht gewöhnen kann. Mein Problem war, dass gegen Ende der Alinghi-Show am Dienstag meine Kamera plötzlich meldete, dass meine Speicherkarte nicht formatiert sei, so von jetzt auf gleich. Ich konnte also weder Fotos davon gucken/kopieren noch neue machen. Da ich eh schon seit Monaten vor mir herschiebe mir eine zweite Karte zu kaufen, empfand ich das mal wieder als Arschtritt des Schicksals und wollte das durchziehen um vielleicht in Deutschland eine Lösung für mein Problem zu finden, das nicht das Formatieren der Karte und damit den Verlust aller Bilder des Tages zur Folge hat. Mir wurde eine Laden-Kette in Valencia empfohlen, die Informatik-Artikel zu saugünstigen Preisen verhökert. Zunächst mal musste ich bis fünf Uhr warten bis der Laden wieder auf machte. Dann machte er natürlich nicht um fünf auf sondern um halb sechs, man muss es ja nicht so genau nehmen. Und dann warte ich da also ewig um gesagt zu bekommen, dass es meine Karte da nicht gibt. Ich also schon Angst um meine Safari gehabt und auf der Suche nach nem anderen Laden. Ich war davon überzeugt, dass jeder andere deutlich teurer sein müsse als die knapp 30 Euro, die der für ein Gigabyte hätte haben wollen. Ich war dann in einem Foto-Laden oder sowas, wo es die letzte Karte im Fenster für saftige 55 Euro gab; und das waren sogar nur 512MB. Dann die Rettung. Einer dieser unzähligen winzigen nichtssagenden Wir-verkaufen-und-reparieren-alles-was-Strom-braucht-Läden. Der hatte einen ganzen Stapel von dem, was ich suchte für sogar ein paar Euro weniger als der Laden, der mir empfohlen wurde. Vielleicht hab ich jetzt was vom Laster gefallenes, aber was soll’s. Meine Safari konnte weitergehen und das tat sie auch. Ist auf jeden Fall ein tolles Projekt, und ich bekomme so ein paar Ecken von Valencia zu sehen, die ich vorher wenig beachtet hatte. Ich werde, wenn ich wieder in Deutschland bin, auch auf Aachen nochmal einen sehr genauen Blick werfen müssen, damit ich nicht wieder erst kurz vor Abreise einige Highlights bemerke.