Emergency Room
Ich hab gerade das mieseste Wochenende meines Lebens hinter mir. Mann, ist das ein gefährliches Land hier. ![]()
Also auf meiner Foto-Safari hab ich es am Freitag etwas übertrieben mit dem Rumlaufen-und-Fotos-schießen. Ich lief nämlich eine ganze, ganze Weile umher (quasi den ganzen Tag), zuerst am Strand entlang bis hoch nach Alboraya und danach durch den Turia vom Anfang an der CAC bis zu der Penner-Brücke am Nuevo Centro. Den Turia-Teil dahinter hab ich bisher noch nie gesehen.
Eines der Dinge, die auf meiner Wenn-ich-wiederkomme-Liste stehen. Außerdem war es verflucht heiß und halt mittags und so. Also das war klar zu viel. Als ich abends nach hause kam, ging es mir dreckig. Da hatte ich mir wohl nen Sonnenstich zugezogen. Dachte mir, das würde schon weggehen und hab mich etwas ausgeruht. Der Samstag war damit im Arsch. Ich war in der Apotheke um mir was gegen Übelkeit und so zu holen. Hab von den Mitteln aber irgendwie nur die Nebenwirkungen mitbekommen. Hab sie auch nicht mit nach Deutschland genommen.
Sonntag Mittag meinte Anna dann, ich solle besser zum Arzt gehen, weil es nur schlimmer wurde. Mir war schwindelig, ich war sehr schwach, konnte die Augen kaum offen halten, aber auch nicht schlafen, weil es mir so dreckig ging. Ich sah schon meine Abschiedsfete am Abend und vielleicht sogar meinen Rückflug dahin. Dann begann das Abenteuer, das mir anfangs so extrem übel erschien, in Nachhinein aber gar nicht so arg schlimm war. Ich nahm mir ein Taxi und fuhr damit zur Notaufnahme der Uniklinik. Im Nachhinein ne interessante Erfahrung; wie im Fernsehn.
Ich kam da hin, es wurden meine Personendaten aufgenommen, ich bekam nen Sicker auf die Brust und nen Armbändchen, dann stand eine Schwester neben mir um mich zu begleiten. Ich dachte mir schon, die müssen ja viele Schwestern haben, wenn jeder eine zum Händchenhalten kriegt. Aber die Begleitung reichte dann exakt bis zum Warte-Raum. Im Wesentlichen hatte die Schwester die Aufgabe meine Akte dorthin zu tragen. Ich wartete wieder und wurde dann in ein Zimmerchen gerufen, wo ich erzählen konnte, was mir fehlte. Danach wieder warten und nun wurden die Leute wohl in Reihenfolge des Grades ihrer Probleme aufgerufen. Dann kam ich aber endlich in ein Zimmerchen (oder in einen Bereich mit Vorhang davor), in dem eine Ärztin saß. Die fragte mich allerhand Sachen und schrieb alles ausführlich auf. (Ich hab es mir später durchgelesen. Die machen keine Stichpunkte, alles Prosa.) Symptome abfragen, Blutdruck messen, Bauch abfühlen, Bluttest; allerhand wurde gemacht. Dann durfte ich wieder warten und wurde später in eine andere “Box” gerufen (ja, so un-spanisch hießen die Dinger wirklich), in der eine andere Ärztin saß, der ich ungefähr nochmal das gleiche erzählte und die nochmal so viel aufschrieb. Sie erklärte mir dann, dass ich an dem Tag nix mehr essen sollte, nur höllisch viel trinken und so weiter. Außerdem meinte sie, ich würde eine Infusion bekommen mit Flüssigkeit und ein Pillchen gegen den Blutdruck, der bei mir grad ziemlich hoch war. Dann wieder warten bis der Onkel mit der Infusion kam und diese mit immenser Gemütlichkeit anlegte. Dann wurde ich in einen Bereich geführt, in dem einige Sessel standen mit Leuten drauf, die alle wie ich am Schlauch hingen. Dort saß ich dann ne halbe Stunde oder so rum bis die Flasche leer war, und es wurde noch das eine oder andere Mal Blutdruck gemessen. (Die haben sich echt daran aufgehangen. Deswegen war ich gar nicht da.) Die zweite Ärztin kam ein paar Mal um sich zu erkundigen, wie es mir ginge (sehr nett) und händigte mir nachher noch eine schriftliche Zusammenfassung ihres Gesagten aus; dann konnte ich gehen.
In den späteren Wartephasen merkte ich, wie es immer voller wurde. Ich hatte wohl ne gute Zeit erwischt, denn vor mir waren nur so fünf Leute vielleicht dran. Als ich das Krankenhaus verließ, saßen da bestimmt 30. Und ich war schon 3-4 Stunden unterwegs für die Aktion. Auf dem Rückweg gab das leider nix mit dem Taxi (war einfach keines unterwegs), also lief ich. Eigentlich ist das keine wirkliche Entfernung (ähnlich wie zur Uni), aber in meinem Zustand hätte ich ein Taxt bevorzugt, obwohl es mir nach der Infusion schon deutlich besser ging. Bei der Gelegenheit fiel mir auf, wie alt meine Brille sein muss, denn mit ihr (Für Kontaktlinsen hatte ich an dem WE keinen Nerv.) hätte ich herannahende Taxen überhaupt kaum ausmachen können.
Nunja, ich kam noch rechtzeitig zu hause an um mich etwas frisch zu machen und dann die Gäste für die Abschiedsfete von Maud und mir zu empfangen. Als Gag behielt ich meinen Sticker aus dem Krankenhaus an, auf dem wie bei einer Single-Party mein Name, Alter und meine Telefonnummer standen zusammen mit einem Barcode und der angsteinflößenden Abkürzung “ICU” (wird auf spanisch vielleicht was anderes heißen, aber kam gut). Die Party war auch echt fein. Mein Problem war nur, dass ich die letzten drei Nächte kaum ein Auge zu getan hatte, weil es mir so mies ging. Und für den nächsten Vormittag hatte ich geschickterweise einen Frisörtermin auf dem Campus. Also war wieder wenig mit schlafen und gegen Ende der Fete war ich echt hinüber. Ich hatte dann noch ziemliche Probleme beim Einschlafen, weil jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, ich irgendwas völlig absurdes erlebte. Ich kam mir vor, wie traumatisiert. Dabei fühlte ich mich auf der Fete ziemlich gut. Hinzu kam der (auf der Fete auch nicht so auffällige) Hunger. Irgendwie bekam ich es dann aber doch hin zu schlafen, musste aber halt nach viel zu kurzer Zeit schon wieder los.
Am Montag wollte ich auf dem Campus und in der Stadt noch ein paar Dinge erledigen, hab mich dann aber nur auf das Nötigste beschränkt, weil ich echt fertig war. Aber zusammen mit heute hab ich alles hinbekommen, was vor der Abreise noch erledigt werden musste. Hab mir zum Beispiel ein T-Shirt von der Uni gekauft und sowas. Nur die Foto-Safari konnte ich nicht beenden, aber was soll’s? Letzte Nacht konnte ich auch endlich wieder normal durchschlafen. DAS tat gut!
Nun sitze ich hier neben quasi gepackten Koffern und warte darauf, dass es morgen mittag wird und ich los zum Flughafen gehe. Mittlerweile geht es mir wieder recht gut. Bäume ausreißen ist noch nicht so wirklich, aber zumindest kann ich nach Hause fliegen. Und genau das werde ich morgen tun, mich dann in Aachen darum kümmern, dass meine Wohnung nicht mehr so leer ist, in Düsseldorf auf nen Geburtstag gehen und mich dann auch mal wieder in Goch sehen lassen.
Also bis bald!