Endlich Besuch!

April 19th, 2007

Es wird höchste Zeit, dass ich mich endlich mal zu meinem Besuch äußere. Das wird auch nicht kurz. Also holt euch lieber vorher noch ne Limo und nen Yoghurt, wenn ihr das lesen wollt. :) Ich hoffe, ich bekomme noch alles auf die Reihe. Es ist, wie gesagt, sooo viel passiert. Weiter unten gibt es allgemein was zu den Fallas und was zum Thema “Wohnung” und hier gehe ich nun ins Detail, was den Aufenthalt der Mädels angeht. Ohne die beiden allgemeinen Teile wird man nämlich nicht verstehen, was wir hier so getrieben haben.

Ich beginne meine Erzählungen am 9. März, einem Freitag und dem Tag von Friederikes Abschiedsfeier. Das gehört nicht direkt zum Themenkomplex, aber es kommt mit rein, weil die echt cool war. Sie fand hauptsächlich in der Küche statt, wo ein paar Tapas gereicht wurden. Außerdem hörten wir unter anderem gutes deutsches Liedgut mit Mathias Reim & Co. Bei “Verdammt, ich lieb dich” fing Miguel plötzlich an auf spanisch mitzusingen. Scheinbar exisitiert das Lied auch hier, und er ist ein großer Fan. Zum Glück blieb der Ohrwurm nicht sehr lange, sonst wäre das Wochenende schon direkt hinüber gewesen. :) Später waren wir noch im Club “El loco” (Der Verrückte), der mal etwas anders und damit nicht verkehrt ist. Man spielt dort keinen Gehirnwäsche-Techno sondern eher rockiges, außerdem funktioniert deren Lüftung oder es halten sich einfach weit weniger Lungenkrebs-Kandidaten dort auf. Auf jeden Fall hatten wir irre viel Spaß und blieben bis vier oder so. Zum Glück hatte ich am nächsten Tag keinen arg dichten Plan.

So, nun geht’s los.

Samstag, 10.3.
Ines war die erste, die in Valencia eintraf. Ich kam sie am frühen Abend am Flughafen abholen und natürlich war der Ryanair-Flug mal wieder zu früh, so dass sie auf mich warten musste. Ich glaube langsam wirklich, die schreiben einfach mehr Flugzeit hin um jedes Mal damit angeben zu können vor dem Plan anzukommen. Nunja, der Groll legte sich umgehend, und wir fuhren in die Stadt, machten allerdings zwischendurch (weil es auf dem Weg lag) noch kurz bei Friederike Halt um die Fotos vom Vorabend abzuholen. (So finde ich die Rechtfertigung die Abschiedsfeier hier zu erwähnen.)
Leider war Ines an dem Abend nicht für viel Essen zu begeistern, also führte ich sie in die Welt der “100 Montaditos” ein. Das ist eine Laden-Kette hier, in der man Tapas in kleinen Baguettchen zu essen bekommt. Die haben dort 100 verschiedene Sorten zur Auswahl und bisher kostete so ein Teil nur nen Euro, wodurch man sich echt günstig abfüllen konnte. Ich hoffe, die haben die Preise nur für die Fallas erhöht, denn auf einmal kosten sie zwei Euro. Trotzdem futterten wir dort ein wenig und ließen uns unser erstes Häagen-Dazs Eis schmecken. Unheimlich teuer, aber auch mindestens so gut.
Auf dem Weg zu den Montaditos (im Einkaufszentrum “El Saler”) kamen wir natürlich durch die “Ciudad de las Artes y las Ciencias” (CAC), diese fetten Bauten, die dank des Architekten Calatrava in meiner Nähe zu sehen sind. Die haben wir uns in der Zeit noch einige Male angesehen und immer wieder ernteten sie unser Staunen.
Vor dem Schlafen legten wir uns noch einen Plan für den nächsten Tag zurecht, den wir in gewissen Teilen sogar durchzogen.

Sonntag, 11.3.
Ines und ich gingen vormittags in die Altstadt. Wir warfen mal einen Blick in die Katedrale (hatte ich bisher natürlich nie gemacht), in der auch grad Messe war. Pünktlich (viel zu früh) zur Mascletá um zwei standen wir dann vor dem Rathaus mit einem tollen Blick auf dem Platz. Das war schon irre mit all den Leuten. Und da war eine Stimmung… man spielte valencianische Musik, sang und tanzte - und das mit tausenden Menschen auf engster Fläche. Zehn und fünf Minuten vor zwei Uhr wird immer ein fetter Knaller losgelassen, damit auch alle wissen, dass es bald soweit ist. Um Punkt zwei tritt dann die Fallas-Königin auf den Balkon des Rathauses, bringt irgendeinen Spruch und dann geht’s los. 5-10 Minuten Krieg, die Leute waren aus dem Häuschen. Das schlimmste Geräusch ist übrigens meiner Ansicht nach das Jubeln direkt nach dem Ende der Mascletá. Das dröhnt unglaublich in den Ohren.
Nach diesem Event wollten wir dann was essen… gar nicht so leicht um diese Zeit. Klar kann man zu McD oder was gehen, aber das wollten wir natürlich nicht. Also liefen wir durch die Altstadt, in der man sich unglaublich leicht verlaufen kann. Ich habe bereits unzählige Stunden darin verbracht und bekomme das immer noch ganz gut hin. Wir fanden irgendwie nicht wirklich was. Es war auch noch einen Tick zu früh. Ein Restaurant unterwegs sah interessant aus, war aber leer. Als wir dann eine halbe Stunde später wieder dort vorbei kamen, hätten wir auf einen Tisch warten müssen. Immer das Gleiche… :) Also gingen wir letztendlich zu “Pans & Company”, einer spanischen Fast-Food-Kette, wo man Bocadillos essen kann. Das Essen kam gut an und wir befanden uns somit direkt neben der Bushaltestelle, von der aus der Turisten-Bus losfuhr. Da machten wir eine Tour mit und sahen einige schöne Ecken von Valencia, die von dem Mann im Ohr ausnahmslos in den höchsten Tönen gelobt wurden. Man hörte nicht auf von jedem einzelnen Gebäude zu schwärmen und ging natürlich richtig ab, als wir zu den Calatrava-Bauten kamen. “Diese Gebäude nehmen das Jahr 2000 schon vorweg und führen Valencia direkt ins nächste Jahrtausend”… scheinbar war die Kassette schon etwas älter. Nach der Tour fuhren wir dann aus der Innenstadt direkt zum Flughafen, empfingen Barbara und beschlossen den Tag mit einem weiteren Besuch bei den 100 Montaditos, diesmal jedoch auf dem Plaza de la Reina.

Montag, 12.3.
An diesem Tag war echt mal doofes Wetter; Valencia hat Barbara nicht nett empfangen. Es war den ganzen Tag bewölkt und hat zwischendurch nicht unwesentlich geregnet. Dazu kam natürlich noch der Wind. Trotzdem waren wir draußen. Wir spazierten am Hafen entlang zum Strand, der bei dem Wetter natürlich ein wenig trostlos aussah. Wir nahmen also recht fix die Metro am Campus entlang zur Ausstellung der Fallas-Puppen, in der man für die Modelle abstimmen konnte. Sich die 382 Modelle anzusehen hat ordentlich geschlaucht und die 382 Modelle der Kinderpuppen nahmen wir nur noch recht flüchtig im Vorbeigehen wahr. Danach machten wir uns (nach einer Pause natürlich) auf zur Turi-Info im Bahnhof, weil der Onkel in der Turi-Info am Strand meinte, dort gäbe es einen Stadtplan, auf dem die interessantesten Puppen verzeichnet wären, denn die wollten wir natürlich gerne in natura sehen. Auf dem Weg dorthin (durch die Altstadt; wie gesagt: Verlaufgefahr) stellte Ines ihre Qualitäten als Anführerin unter Beweis, indem sie in einem Moment der Orientierung auf dem Stadtplan die Straße “se vende piso” suchen wollte, weil das da an nem Haus stand. Die Zahlenfolge darunter, die deutlich länger war als übliche Hausnummern, wurde dabei nicht sofort als Telefonnummer identifiziert, welche sie war, denn “se vende piso” bedeutet “Wohnung zu verkaufen”. Tut mir leid, Ines, aber daran möchte ich mich später gerne zurück erinnern, also muss es die ganze Welt zu lesen bekommen. :)
Am Abend ließen wir uns dann nochmals in der CAC sehen, weil man die natürlich unbedingt im Hellen und im Dunkeln erlebt haben muss. Barbara schoss dort ne Menge Fotos, und zum Abschluss gingen wir im El Agua in dem Laden Tapas essen, in dem Jonas und ich in unserer ersten Woche hier nach Gandia waren. Leider hatten die schon so gut wie zu, was die Auswahl deutlich einschränkte. Hat sich trotzdem sehr gelohnt.

Dienstag, 13.3.
An diesem Tag musste ich zur Uni. Da mein Stundenplan ja erfreulich kompakt ist, muss ich das im Wesentlichen nur dienstags und mittwochs, dafür dann aber nahezu den ganzen Tag. Die Mädels vertrieben sich die Zeit beim Shoppen und am Strand. Abends trafen wir uns auf dem Campus, so dass ich damit direkt noch mächtig Eindruck machen konnte. :)
Später am Abend dieses Tages, kurz bevor wir schlafen wollten, erreichte mich die Mail von Susana, die zur Folge hatte, dass ich schlagartig wieder auf Wohnungssuche war. Also verzögerte sich das Zubettgehen noch um ein paar Minuten, in denen ich mit Eva und Friederike über deren bald freies Zimmer sprach.

Mittwoch, 14.3.
Hier war es ähnlich. Ich war in der Uni, die Mädels in der Stadt. In der Uni erzählte ich Martin von meiner Wohnungsnot und er erzählte mir von dem Zimmer, was in seiner Wohnung bald frei werden würde. Für den nächsten Tag wurde also ein Besichtigungstermin angesetzt. Abends jedoch wollten wir dann (war ja schließlich Mittwoch) etwas Erasmus-Feeling ernten. Wir trafen uns mit Friederike, Peter und Martin an DER Bodega. Über die hab ich bestimmt mal was geschrieben. Natürlich gibt es hunderte Bodegas in Valencia, aber es gibt eine, in der man mittwochs abends einen Großteil der Erasmusstudenten findet. Leider muss man deshalb irre früh dort aufkreuzen, was sich im Laufe des Jahres mehr und mehr verschlimmert hat. Mein erster Besuch dort fand um halb neun statt, als es noch schön leer war. Mittlerweile findet man leere Tische dort nur noch vor sieben. Wie das halt so ist, wenn man mit Frauen unterwegs ist, kommt man nie an, wann man sich das vornimmt, und da wir eh schon nicht so großzügig geplant hatten, gab’s für uns in dem Laden gerade noch ein paar Stehplätze (auch die werden immer sehr schnell knapp). Darum zogen wir weiter in die Bodega ein Stück die Straße runter (Bodega de Colón), in der es in der Regel immens leerer ist. Man bekommt das Essen dort zwar nicht unbedingt nachgeworfen, aber es ist immer noch sehr bezahlbar.
Während wir dort waren, kam Esther in Valencia am Busbahnhof an, und ich gabelte sie an der U-Bahn-Station “Amistad” in der Nähe der Bodega auf. Wir gingen “kurz” bei mir zu hause vorbei und gesellten uns dann wieder zu den anderen, allerdings zogen wir recht bald alle gemeinsam weiter ins Café Paris, auch eine Standard-Adresse für Erasmus-Abende und nur wenige Blocks weiter die Straße runter. Meine Gäste lernten so direkt das berühmte Agua de Valencia kennen (und noch ein paar andere Aguas). Den Rest der üblichen Erasmus-Abende (Club) ließen wir dann sein, weil wir durch die letzten Tage schon recht geschlaucht waren. Außerdem war für den nächsten Tag geplant den Turia in voller Länge zusammen mit ein paar umliegenden Parks zu erkunden, was einen weiteren langen Tag versprach.

Donnerstag, 15.3.
Wie gesagt: der Turia stand an. Bei Kaiserwetter zogen wir los, begannen natürlich an der CAC. Unterwegs gingen wir noch durch den Jardín del Real. In diesem wurde gerade eine Bühne aufgebaut für ein Live-Konzert, das während der Fallas irgendwann stattfinden sollte (davon gab es scheinbar gar nicht so wenige). Neben diesem Park gibt es einen Opencor, in dem wir uns mit was zu futtern eindeckten, das wir dann später im Turia picknickten. Natürlich haben wir nicht den ganzen Turia geschafft. Beim Busbahnhof etwa verließen wir ihn und statteten dem Jardín Botánico noch einen kurzen Besuch ab, der uns aber irgendwie nicht mehr so umhaute, vielleicht weil wir schon echt fertig waren. Also machten wir uns auf in Martins Wohnung. Ein anderer Bekannter von mir aus Valencia hatte mir auch angeboten vorbeizuschauen, allerdings hatte ich scheinbar nur eine veraltete Nummer von ihm und war im Botanischen Garten natürlich etwas weit vom Internet entfernt. Als wir dann bei Martin waren, stellte sich heraus, dass das aber gar nicht schlimm war, denn ich wollte eh sofort bei ihm einziehen. Wir tauschten noch ein paar Fotos vom Vorabend aus und zogen dann los zum günstigsten Buffet-Libre-Chinesen, den ich kenne. “Buffet Libre” ist der spanische Ausdruck für “All-you-can-eat”. Dafür bezahlt man dort gerade mal 6.50 EUR und bekommt noch nen Nachtisch und für je zwei Personen ne Kanne Sangría dabei. Vollgefressen machten wir uns dann auf zum Turia, wo an dem Abend eines der wirklich großen Feuerwerke (Castillos de los fuegos artificiales) stattfand. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig, erwischten aber leider eine recht schlechte Position. Wir waren ein paar Brücken entfernt von dem Spektakel (Es fand zwischen der Alameda und der Flores statt, und wir standen an der Aragón.), und standen inmitten irrsinnig vieler Menschen. Das war wie Silvester in Deutschland. Jeder warf mit Sprengstoff um sich, nur dass das in Valencia natürlich weit gefährlicher ist. Leider sahen wir also “nur” das, was am Himmel passierte, was bei dieser Art Feuerwerk (auch weil es nachts stattfindet) schon spektakulär ist, aber zusammen mit dem Boden-Programm hätte es halt noch mehr gerockt.
Wir verlagerten unsere Hoffnungen also auf eines der nächsten Spektakel (sowas machen die Valencianer schließlich nicht nur einmal) und nahmen uns ein Taxi nach hause. Das klingt natürlich weit einfacher als es war bei tausenden Menschen, die von dort gleichzeitig nach hause wollten und kaum Bussen oder ähnlichem, die fuhren.

Freitag, 16.3.
Für diesen Tag hatten wir geplant uns Fahrräder zu leihen und mal ein bisschen damit rum zu fahren. Beispielsweise den Turia dann doch mal komplett abzufahren. Außerdem wollte ich mal Alboraya und Benimaclet zeigen, weil es dort ja doch recht anders aussieht als im Rest von Valencia.
Leider bekommt man in dem fancy angesagten Fahrradschuppen hier (DoYouBike.com) fast nur was, wenn man vorher reserviert. Die Zweigstelle auf der Avenida del Puerto war quasi abgegrast, als direkt vor uns ne Sechsergruppe von Leuten da eintrat. Also wollten wir in die Altstadt, wo die Hauptfiliale steht. Laufen wäre weit gewesen, also suchten wir uns nen Bus, was ja während der Fallas nicht ganz einfach ist, weil die ganze Innenstadt umorganisiert ist. Wir entschieden uns erstmal die Mascletá auf dem Rathausplatz zu geben und danach weiter nach Fahrrädern zu suchen. Die Mascletá war, wie man sie kennt, allerdings war es die erste, in der ich zumindest für kurze Zeit eine Art Rhythmus rausgehört habe. Die Valencianer meinen ja, das Ganze hätte ne Art Melodie, aber bisher erschien es mir immer nur wie Krach.
Als wir nach der Mascletá auch in dem Innenstadt-Schuppen keine Fahrräder bekamen, weil die natürlich Siesta machten und es ab fünf Uhr nur noch wenig Sinn macht sich für nen Tag n Fahrrad zu leihen, schlenderten wir also zunächst etwas ziellos durch die Altstadt und statteten der Shopping-Meile von Valencia (die Gegend um die Calle Colón) einen Besuch ab. Die Idee kam mir leider erst so spät, sonst hätten sich die Mädels auf ihren bisherigen Einkaufstrips bereits hier austoben können. Entweder kurz davor oder danach zogen wir uns vor dem Bahnhof noch ein paar Churros und Buñuelos rein, sehr fettiges Gebäck, das auch spanientypisch ist und das während der Fallas hier an mindestens jeder Ecke verkauft wird.
Abends wollten wir dann ein weiteres kulinarisches Highlight in Valencia genießen. Denn hier haben PizzaHut und auch Kentucky Fried Chicken einen Lieferservice. :) Wir wollten also eine Pizza ordern, was sich aber erstaunlich kompliziert gestaltete, denn ich hatte weder Prospekte der Läden im Haus noch waren diese im Internet sonderlich präsent. Von PizzaHut fanden wir eine Seite, auf der wir zumindest Telefonnummern erfahren konnten, aber das Menü war irgendwie unübersichtlich gestaltet. Letztendlich bekamen wir es dann aber doch hin uns was von denen bringen zu lassen. Und da die gerade ein “2 für 1″-Angebot hatten, war die Aktion sogar recht günstig.

Samstag, 17.3.
Unser zweiter Anlauf was die Fahrräder anging. Gleicher Ablauf. Der Laden auf der Avenida del Puerto hatte nix mehr, also mit dem Bus in die Innenstadt. Diesmal waren wir aber früher dran und ließen natürlich auch die Mascletá weg, also bekamen wir dort was. Die Ausleih-Prozedur zog sich gewohnt lange hin, aber schließlich waren wir mobil und brausten los, und zwar ziemlich direkt nach Alboraya. Das war nicht ganz so gemütlich, weil es in Valencia (ernsthaft eine der fahrradfreundlichsten Städte Spaniens) vielleicht vier Fahrradwege oder so gibt. Aber wir waren erstaunlich schnell dort und machten ein Päuschen in dem verdammt guten Imbiss-Schuppen, in dem ich damals auf dem Horchata-Fest schon mit Friederike und Sandra war. Danach machten wir uns auf zur Horchatería Daniel, denn meine Gäste mussten natürlich auch mal eine Horchata zu trinken bekommen. Leider stieß diese auch bei ihnen nicht auf Gefallen. Dabei waren wir schon in DER Horchatería des angeblichen Ursprungsortes dieses Getränks. Mir wurde gesagt, es gäbe gute und schlechte Horchata, aber wenn du die in diesem Laden nicht magst, magst du schlicht keine Horchata. Somit wissen wir nun also alle Bescheid. :) Während wir auf der Terasse saßen, kamen wir an zwei Uhr vorbei und hörten wieder aus allen Richtungen Kriegsatmosphäre zu uns herüberschallen.
Wir entschieden uns an der Strandpromenade zurück nach Valencia zu fahren, weil das erstmal weit entspannender ist als durch die Stadt und außerdem viel schöner anzusehen. Alboraya hat einen recht netten Strand und man kann halt bis zum Hafen von Valencia durchfahren, was wir auch taten. Dort sahen wir uns ebenfalls ein bisschen um (auch wenn zu der Zeit Cup-mäßig noch nix los war) und fuhren dann am Campus vorbei (der ja leider zu war) nach Benimaclet. Dort tranken wir endlich einen Zumo de Naranja Natural, also einen frisch gepressten Orangensaft, den man hier für fast kein Geld bekommt, der aber während des Aufenthalts der Mädels erstaunlich schwer zu finden war.
Als nächstes wollten wir, glaube ich, uns das Ende des Turia ansehen, kamen aber leider nicht so weit. In der Nähe des Busbahnhofs streikte plötzlich Barbaras Fahrrad, so dass es uns zu gefährlich erschien weiter damit rumzufahren. Also entschieden wir uns auf kürzestem Wege zum Verleihschuppen zurückzukehren, weil der auch nicht mehr so höllisch lange auf hatte. Durch Ines genialen Einfall mit der Roller-Technik kamen wir dort aber doch recht fix an (Schieben hätte gut gedauert).
Vom Fahrrad-Laden aus gingen wir dann durch die unvorstellbar menschenvolle Altstadt über den Plaza de la Virgen, auf dem gerade das Gewand der Jungfrau zusammengesteckt wurde, zum Bahnhof um wieder nach hause zu fahren. Man macht sich keinen Begriff davon, wie voll alles war und wie lange wir für das Stück gebraucht haben. In der Altstadt von den gewohnten Hauptwegen abzuweichen kann halt Zeit kosten. :) Bevor wir nach hause kamen, sahen wir uns aber noch die Beleuchtung der Calle Sueca an, die dieses Jahr die am meisten beleuchtete Straße der Stadt war. Wenn man sich die Fotos dazu ansieht, glaubt man das ohne weiteres. Die Straße (und die Gegend drum herum) war unglaublich voll und wir sind auch nicht komplett zur Puppe durch gegangen, aber es war schon ein Erlebnis. Danach kommen einem ALLE anderen Straßenbeleuchtungen recht langweilig vor. :)
Unser Abendessen nahmen wir im El Saler ein. Wir wollten mal italienisch essen, was leider gut nach hinten losging. Wir waren im Pasta City, einer Kette für italienisches Essen… oder für das, was die dafür halten. Der Laden stank wirklich nur ab, von vorne bis hinten. Wir waren ziemlich enttäuscht und trösteten uns mit einem weiteren besten Eis der Welt von Häagen-Dazs.
An diesem Tag war auch Laura in Valencia um sich mal einen Tag die Fallas anzusehen, was sie scheinbar bisher noch nie getan hat. Leider haben wir es nicht hinbekommen sie zu treffen. Sie war nur recht kurz in der Stadt, und wir waren nach diesem Tag nicht mehr fähig zum Feuerwerk in der Nacht zu gehen.

Sonntag, 18.3.
An Ines’ letztem Tag wollten wir uns dann auch endlich mal an den Strand legen. Ans Schwimmen war zwar nicht zu denken (man zeigte guten Willen und frohr ein paar Füße ein), aber in der Sonne liegen ging ganz gut, sofern sich einer der Gruppe opferte und Windschatten lieferte. :) Während wir dort waren (gegen zwei natürlich), erlebten wir das krasseste Geballere, das wir je zu hören bekamen. Ewig lange hörte man aus allen Ecken der Stadt Mascletás und ähnliches. Es wollte gar nicht mehr aufhören. Und am Strand hat man eine schöne Übersicht, wenn es an mehreren Stellen losgeht. Zwischendurch stärkten wir uns beim Pans & Company, das man auch am Playa de Malvarrosa findet, und liefen durch das Hafenviertel nach hause, weil wir… ok, ich verpeilte, die Buslinie zu finden, was aber letztendlich auch recht interessant war.
Mittags brachte ich dann Ines zum Flughafen, während sich Esther und Barbara die Zeit in der Stadt vertrieben. Abends wollten wir es nochmal mit PizzaHut versuchen, allerdings hätten wir auf eine Pizza 1.5 Stunden warten müssen. Also entschieden wir uns für Tele-Pizza (ist ja quasi das selbe), denn hiervon gab es eine Filiale direkt bei mir um die Ecke, so dass wir unsere Pizza deutlich schneller persönlich abholen konnten. Weil Esthers Bus am nächsten Morgen unverschämt früh fuhr, beendeten wir den Tag recht zeitig.

Montag, 19.3.
Viel passiert an diesem Tag; hätte nen eigenen Eintrag verdient. :)
Wir standen scheißfrüh auf um Esther zum Busbahnhof zu bringen. Der Bus fuhr so gegen neun oder so, und der Busbahnhof ist nicht grad bei mir um die Ecke. Auf dem Rückweg liefen Barbara und ich am Opencor am Jardín del Real vorbei (den wir viel näher in Erinnerung hatten) und frühstückten dann Napolitanas de Chocolate (eine Art Schoko-Croasant) mit Limo im Park. Es war tierisch gutes Wetter und wir beschlossen durch den Turia nach hause zu laufen. Am Abend zuvor fand das größte der drei oder vier großen Feuerwerke der Fallas statt und der Park sah entsprechend aus. Es war echt kein schöner Anblick. Normalerweise ist es dort immer super sauber, aber an dem Morgen lag alles voller Müll. Es hatte den Anschein als wäre die Stadtreinigung bereits dort gewesen, aber es war immer noch um Welten schlimmer als sonst immer.
Der Turia ist ja nun echt cool. Da gibt’s allerhand, womit man sich die Zeit vertreiben kann. Eines haben sich Barbara und ich an diesem Vormittag mal genauer angesehen: Gulliver. Das war früher mal ein Kinder-Vergnügungspark mit allerhand Zeugs und auch Eintritt. Heute hat man das meiste in Park umgewandelt und auch die Kasse abgebaut, aber der Gulliver selbst ist noch da. Wie der Name vermuten lässt, ist das ein Riese. Der liegt da rum und man kann auf ihm rumklettern, an diversen Stellen runterrutschen und sowas. Das macht irre Spaß. Wir waren eine ganze Weile dort, hatten viel Spaß und haben allerhand Fotos gemacht. Es waren auch gar nicht so arg viele kleine Kinder da. Einige Jugendliche und ein paar Kinder mit Großeltern, die mindestens genau so viel Spaß hatten wie die Kleinen. Dieses Ding hätte es in Deutschland auch nie so gegeben. Sicherheit wurde da nämlich auch nicht so arg groß geschrieben. Nirgens Geländer, die Rutschen hebten sich kaum vom Rest ab (das war ja das coole), alles recht rutschig und kantig, … aber irre lustig. Also wenn man ein bisschen aufpasste, wo man hintrat, war das ein Mordsspaß. Ein wirklich tolle Erlebnis!
Als wir zu hause waren, befassten wir uns zum ersten Mal mit unserem Waschbecken im Bad. Das Wasser darin lief nämlich mal so gar nicht mehr ab. Also nahmen wir das Rohr auseinander und holten all den Schmand raus, der sich dort so angesammelt hatte. Relativ ecklige Angelegenheit, aber letztendlich doch ganz witzig. :) Leider kam, als wir das Ganze wieder zusammenbauten, an alles Ecken und Kanten Wasser raus, weil man natürlich bei einem Teil, was schon so alt ist, die Dichtungsringe nach so einer Aktion erneuern sollte. Also beschlossen wir das Waschbecken den Rest des Tages nicht mehr anzufassen und am nächsten Tag die Ringe auszutauschen. Bis dahin wollte die Mutter meiner Mitbewohnerin neue Dichtungen besorgt haben.
Dieser Tag war definitiv der Höhepunkt der Fallas, in jeder Beziehung. So wie eine Mascletá in einem krassen, kurzen Finale endet, Ist der letzte Tag der Falles einfach nur sick. All das Geballere in den Straßen gipfelt. Im Laufe des Tages (Bin nicht mehr sicher, wohin wir unterwegs waren.) liefen Barbara und ich durch mein Viertel und kamen durch Zufall an einer kleinen Straße vorbei, in der eine (man könnte sagen auch kleine) Mascletá aufgebaut war. Wir dachten uns “ach, wie niedlich” und blieben stehen um sie uns anzusehen ohne uns zwischen tausende Menschen drängen zu müssen. Das war ganz nett sowas mal in der direkten Nachbarschaft mehr oder weniger privat zu erleben… aber klein war es nicht wirklich. Wir standen halt auch näher dran als sonst, aber das war schon übelst laut. Vermutlich auch weil es in einer kleinen Gasse direkt zwischen Häusern stattfand. Man sieht auf dem Video bestimmt gut, wie wir zwischendurch versuchen ein wenig zu flüchten. :) Man sieht außerdem auf dem Video, wie ein Typ in dem Käfig direkt neben dem Spektakel herschlendert. Völlig unverständlich, wie man das überleben kann. Ich bin auf jeden Fall froh auch das erlebt zu haben.
Nun zum spektakulären Highlight der Fallas, den Verbrennungen:
Das Programm sah vor, dass um zehn Uhr die kleinen Puppen verbrannt wurden und um Mitternacht dann die großen. Jeweils immer zuerst alle anderen, dann die Gewinnerpuppe, dann die vom Rathausplatz. Barbara und ich hatten uns ein bisschen in den diversen Plänen umgesehen, die sich mittlerweile bei uns angesammelt hatten, wo man welche Puppe bestaunen sollte, verbanden das mit unserem Drang was Leckeres zu essen und entschieden uns darum die “Gran Vía Marqués de Turia” und die “Avenida Reina de Valencia” lang zu laufe (zwei sehr große Straßen südlich der Altstadt) und uns in den diversen Seitenstraßen unsere Puppe zum Anschauen auszusuchen. Die Gegend war geradezu perfekt. Sie lag nicht wirklich im Stadtzentrum, also war es zwar voll, aber nicht übervoll. Trotzdem waren dort einige große Straßen, die sich imposante Puppen leisten konnten. Es gab viele davon auf engem Raum. Außerdem gab es in der Gegend sowohl ein PizzaHut als auch ein KFC, das wir im Auge hatten.
Schon die erste Puppe, die wir sahen, gefiel uns sehr gut und wir wollten später zurückkehren um sie brennen zu sehen (taten wir natürlich nicht). Wir liefen also ein bisschen da rum, trafen ein paar deutsche Mitstudenten, die uns stolz ihre für fast kein Geld gekauften irre lauten Böller vorführten, schauten uns zwischendurch eine relativ zufällige kleine Puppe an, wie man sie abfackelte, sahen im weiteren Verlauf noch ein paar kleine brennen oder hörten zumindest das natürlich laute Anzünderitual und trafen schließlich kurz vor Mitternacht Friederike, Eva, Marco und Chris, die nach der Beiwohnung der Verbrennung der kleinen Rathauspuppe auch in der Gegend unterwegs waren. Wir beschlossen dann einfach uns die Puppe an diesem Treffpunkt brennend anzusehen. Die war auch nicht ohne und wir hätten es bis Mitternacht wohl nicht mehr zu einer anderen geschafft, die wir uns ausgeguckt hatten.
Die Verbrennung der kleinen Puppe war ja schon recht krass. Eine Mascletá zündete sie an, sie brannte blitzschnell lichterloh und recht lange, stieß riesige schwarze Rauchwolken aus und am Ende tanzten alle fröhlich umher. (Ich muss endlich mal alle Fotos und Videos unserer Truppe versammeln.) Nachdem ein paar kleine Puppen gebrannt hatten, stand die ganze Stadt schon ziemlich im Rauch und roch entsprechend. Wir wollten uns gar nicht ausmalen, wie das nach den großen Verbrennungen aussehen mochte. Hinzu kam ja, dass es an dem Abend sehr windig war, was zwar etwas gegen den Rauch half, aber natürlich kein kleines gemütliches Feuer versprach.
Bei der großen Puppe lief quasi alles genauso wie bei der Kleinen nur halt größer. So gegen Mitternacht hörte man die ersten Anzündungen in der Gegend. Ich glaube, es gibt ne festgelegte Reihenfolge oder sowas. Auf jeden Fall begannen irgendwann unsere Nachbarn, eine auch recht große Puppe einen Häuserblock entfernt mit dem Spaß. Das aus der Ferne zu sehen war schon krass und wir sahen, was auf uns zukam… außerdem rochen wir es. Denn der Wind kam aus der Richtung der Vorgängerpuppe. Wir hatten uns extra so plaziert, dass unser Rauch von uns wegzog, aber natürlich standen wir nicht vor dem einzigen Brandherd. Also gingen wir auf eine andere Seite der Puppe, was sich als echt gute Idee rausstellte, denn was wir ebenfalls nicht bedacht hatten: Wenn man sich in einer Straße befindet, an deren beiden Enden jeweils eine riesige Puppe in Flammen steht, sind die Möglichkeiten realtiv eingeschränkt sich irgendwohin zu verdrücken um dem Effekt zu entgehen. Und das war letztendlich bitter nötig. Man kann sich nicht vorstellen welcher Gefahr sich die Spanier da aussetzen. Einen wirklichen Sicherheitsabstand für Zuschauer gab es nicht. Die Leute standen teils echt fünf Meter oder so von der Puppe entfernt als es losging. Die Feuerwehr stand mit zwei ganzen Menschen bereit und hatte um die Puppe herum die Straße etwas angefeuchtet. So ging es dann los. Das Anzünden selbst war nett, aber schon wenige Augenblicke später trat eine riesige Stichflamme aus der Puppe auf und in vielleicht ner Minute brannte das ganze Teil. Nicht nur fachte der Wind die Flammen ordentlich an, er sorgte auch noch für eine schön gleichmäßige Verteilung brennender und glühender Teile durch die ganze Straße. Die Feuerwehrmänner (ja, beide) war quasi vom ersten Moment an damit beschäftigt, diese Teile mit dem Schlauch aus der Luft zu holen und die umliegenden Häuser und das Festzelt vor den Übergriffen der Flammen zu bewahren (denn die standen ja auch nicht weiter von der Puppe weg als die Menschen).
Die Zuschauer waren lange Zeit unschlüssig, ob sie sich über das spektakuläre Ereignis freuen oder sich davor fürchten sollten. Immer wieder jubelten sie, wichen dann geschockt weiter zurück, jubelten wieder, wichen weiter zurück usw. Auch wir zögerten. Aber spätestens als mir der erste brennende Fetzen in den Nacken flog, war die Sache klar. Letztendlich liefen wir zum Ende der Straße. Alles war voller Rauch und man sah überhaupt nichts mehr von den Flammen, überall flogen brennende Teile rum. Natürlich standen in der Straße Autos und - jetzt haltet euch fest - ein offener Kontainer voller Pappe, der um ein Haar an der Party teilgenommen hätte.
Man kann wirklich schwer in Worte fassen was das für ne Aktion war, aber es hatte unserer Ansicht nach nicht mehr viel von einem Fest. Ich glaube, es lief nicht alles exakt nach Plan. Als wir ne Stunde später oder so nochmal dorthin zurückkehrten, brannte immer noch ne Menge und die Feuerwehr war immer noch damit beschäft dafür zu sorgen, dass es bei dieser Menge blieb. Ich hab nachher gehört, die eine oder andere Puppe habe man gelöscht und am nächsten Tag zu Ende verbrannt.
Wir gingen nach der Aktion nicht mehr mit den anderen zum Rathausplatz, denn uns gefiel die Vorstellung nicht zwischen tausenden Menschen gedrängt zu stehen neben so einem Inferno. Wenn da der Rauch zu einem rüber zieht oder die einen oder anderen hundert Menschen auf die Idee kommen mal ausweichen zu wollen, ist dort wenig Platz dafür. Wir suchten uns also nen Bus nach hause, denn die fuhren erfreulicherweise die ganze Nacht. Vor dem Zubettgehen fischte ich dann, wie wohl so mancher, noch etwas geschmolzenes Plastik aus meinen Haaren und freute mich auf die Dusche.

Dienstag, 20.3.
An diesem Tag war die Stadt plötzlich wieder “normal”. Ich hab mir später sagen lassen, dass schon am frühen Morgen nahezu alle Schweinereien des Vortages beseitigt waren. Es hatten auch wieder alle Geschäfte normal auf und so. Busse fuhren wieder normal… alles als wäre nichts gewesen. Und diese Stille… Natürlich war Valencia vorher nicht leise gewesen. Habe von vielen gehört, dass sie es als echt laut empfinden hier. (Sevilla beispielsweise kam uns damals wesentlich ruhiger vor.) Aber an diesem Morgen hatte man das Gefühl taub geworden zu sein. Es fühlte sich so unwirklich an. Keine Knallerei mehr. Niemand warf mehr mit Feuerwerk um sich. Es war wirklich unheimlich still.
Barbara und ich verbrachten den Morgen mit Praktischem. Wir gingen einkaufen, weil wir echt nix mehr im Haus hatten. Zwar hatten wir in den letzten Tagen auch kaum was gebraucht, weil wir fast immer unterwegs waren und gar nicht zu hause essen konnten, aber jetzt wollten wir das ändern. An diesem Abend sollte gekocht werden. Außerdem brachten wir den zweiten Teil der Waschbecken-Aktion hinter uns. Es tropfte immer noch ein bisschen, aber nicht so viel als dass es Spanier nicht tollerieren würden. :)
Mittags dann wollten wir ins Oceanografic, einem Fische-angucken-Park neben der CAC, dem größten Europas, wie ich kürzlich laß. Wir hatten uns entschieden die anderen Gebäude der CAC nicht zu besuchen, weil man dafür sehr gute Spanisch-Kenntnisse und viel Zeit gebraucht hätte. Als wir am Mittwoch zuvor in der Bodega waren, ließ uns Peter wissen, dass er auch gerne (nochmal) dorthin wolle, also gingen wir zu dritt. An der Kasse entschieden wir dann allerdings, dass das Wetter doch zu mies sei (Es regnete zum zweiten Mal seit Ines’ Ankunft.), verschoben das Event auf Donnerstag und gingen mit Peter im El Saler in einer Cervecería was trinken. Die konnte scheinbar auch nur Bier, denn alles, was wir bestellten, war nicht so der Hit. Trotzdem unterhielten wir uns nett und machten Pläne am Abend gemeinsam zu kochen und nen Film zu schauen. Wir brauchten ne Weile für diese Idee, denn normalerweise muss man sich in Valencia nicht mit der Frage beschäftigen, was man denn tolles machen könnte, was unbedingt drinnen stattfinden muss. Zuvor wollte Peter noch was lernen, und ich hatte auch noch was für die Uni zu tun. Barbaras Plan war, wenn ich mal was tun müsse, auf eigene Faust die Stadt zu erkunden, was ja nun ziemlich klar ins Wasser fiel, weswegen diese Zeit für sie ein wenig langweilig wurde. Aber arg lange war ich nicht von der Uni eingenommen und wir schauten uns noch ein paar Simpsons-Folgen an bis Peter vorbeikam. Wir machten dann Spaghetti Bolognese und schauten und MatchPoint an. Den hatte sich Peter vorher mal hier in Spanien gekauft, was zusammen mit unseren Sprachkenntnissen die Möglichkeiten was Sprache und Untertitel anging gut beschränkte. Es wurde dann Englisch ohne Schrift. Der Film ist übrigens sehenswert. Echt nicht verkehrt.
Da solche Abende in Spanien natürlich recht spät stattfinden (wegen Essen), dauerte das Ganze bis gut spät und ich dachte mit Grauen daran am nächsten Tag zur Uni zu gehen.

Mittwoch, 21.3.
Diesen Tag verbrachte Barbara in der Altstadt und ich in der Uni. Als meine Vorlesungen vorbei waren, kam sie mich am Campus abholen, und wir tranken dort noch etwas. Als wir wieder zu hause waren, entschieden wir dann uns einen richtigen Italiener zu suchen um doch noch in den Genuss anständigen Essens aus der Region zu gelangen. Wir fanden einen unglaublich guten Italiener im El Agua (Il Tempino ?). Wir waren relativ früh dort und darum fast die einzigen. Aber in dem Laden stimmte einfach alles. Nicht nur dass das Essen wirklich gut war, auch die Deko, die Atmosphäre, die Bedienung, einfach alles war super. Zum Glück hatten die auf jedem Tisch ein Kommentarkärtchen liegen, so dass wir das den Leuten auch gebührend mitteilen konnten. Wir dachten uns dann beide ziemlich zeitgleich, dies sei ein toller Abschluss von Barbaras Zeit hier. Als nächstes dachten wir, dass das ja noch gar nicht der Abschluss ist. Und dann dachten wir, dass wir das aber zum Abschluss einfach nochmal machen könnten, was wir auch taten. :)
Als wir nach hause kamen, zogen wir uns noch ein paar Simpsons-Folgen rein und ließen diesen schönen röstigen Tag damit gut sein.

Donnerstag, 22.3.
Auch donnerstags hab ich ein bisschen Uni (Spanisch-Kurs), wenn es nicht grad wie in der Woche zuvor fallasbedingt ausfällt. Barbara ließ sich derweil nochmals am Strand sehen. Mittags gingen wir dann zum Oceanografic. Peter hatte an diesem Tag dann doch keine Zeit, also waren wir zu zweit. War auch echt nett, der Besuch. Vor allem war auch das Wetter wieder entsprechend. Ich war bisher nicht in vielen Aquaparks, aber so arg spektakulär kam mir das Oceanografic nicht vor. Vielleicht sind es Aquaparks generell einfach nicht, denn der in Valencia soll ja schließlich der fetteste Europas sein. Sehr schade war auch, dass das Delphin-Becken gerade renoviert wurde und es deshalb auch keine Show gab. Aber man konnte ein paar schöne Fische begucken, es war echt nett. Sowohl an der frischen Luft gab es Fische, Schlidkröten, ein paar Vögel und ähnliches zu bestaunen als auch unterirdisch in Aquarien und Tunneln zwischen den Gebäuden. Das Erlebnis wäre noch vollkommender gewesen, wenn der Park nicht voller Spanier gewesen wäre. :) Nicht nur dass diese die vielen Schlider und unübertrieben nahezu minütlichen Durchsagen ignoriert haben, die ihnen das Scheiben anfassen und Fotografieren mit Blitzlicht verboten. (Vor jedem Aquarium musste die ganze Familie aufs Neue abgelichtet werden.) Spanische Eltern scheinen es sinnvoll zu finden im Falle durch die Gegend schreiender Kinder einfach noch lauter zu schreien. Zwischenzeitlich fühlte ich mich in diesen Unterwassertunneln an das Gekreische am Ende der Mascletás erinnert. Die Geräuschkulisse war ungelogen ähnlich unangenehm.
Als wir nach drei Stunden den Park wieder verließen, gingen wir zu unserem neuen Lieblingsitaliener um an diesem Tag zu testen, ob der genau so gute Pizza machen kann wie Nudeln… er kann. :) Die Bedienung erkannte uns schon wieder und gab uns den gleichen Tisch wie am Vortag.
Auch diesen Tag ließen wir nicht zu lang werden, weil Barbaras Flug uns ebenfalls sehr früh zum Flughafen zwang.

Freitag, 23.3.
Wir gingen, wie gesagt, scheißfrüh zum Flughafen. Das hieß aufstehen vor fünf Uhr. Die wenigen Male, die ich bisher um diese Zeit in Valencia auf war, war ich NOCH auf.
Den Rest des Tages (also quasi den ganzen Tag) verbrachte ich mit allerhand Kram, der so über die Zeit des Besuchs liegen geblieben ist. Angefangen mit dem Aufräumen meines Zimmers über das Beantworten von eMails und allerhand anderem. Ich wurde regelmäßig von Anrufen gestört, weil Leute mein Zimmer besichtigen wollten. Und Spanier halten sich auch nicht oft dran, wenn sie sagen, sie kämen in zwei Stunden oder was mal vorbei… alles recht doof, aber darüber habe ich mich ja bereits ausgekotzt.
Es kehrte recht fix wieder Alltag ein bei mir. Am Samstag Abend lud mich Eva zu einer Bierprobe bei sich ein. Wir haben dort mit sechs Leuten (Eva, Marco, Chris, Miguel, Miguels Eva und ich) 15 Sorten Bier getestet. Ich ließ mich überreden mitzumachen, obwohl ich Bier ja überhaupt nicht mag. Nun kann ich diese Aussage wenigstens untermauern und niemand kann mir mehr unterstellen, dass ich bisher nur die falsche Sorte erwischt hatte. Der Gewinner unter den Bieren war übrigens das billigste Penner-Bier, das sich in Valencia finden ließ. :)
Zu der Bierprobe schauten wir - natürlich - Fußball. Spanien spielte gegen Dänemark in der Europacup-Quali und gewann… glaub ich. War insgesamt ein sehr witziger Abend trotz des fiesen Geschmacks im Mund. Wir haben uns überlegt das beizeiten nochmal mit Rotwein oder Vodka zu wiederholen. Dann kann ich bestimmt objektier urteilen.

So ging also die Zeit mit meinem erstern Besuch hier in Spanien zu Ende. Es war eine unglaublich tolle Zeit. Wir haben irre viel erlebt, und alles hat unheimlich viel Spaß gemacht. Es war anstrengend, klar, aber es waren mit ziemlicher Sicherheit meine zwei schönsten Wochen in dieser Stadt.
Danke, Mädels! :)

Wohnungssituation-Update

March 27th, 2007

Hach, davon werd ich auch noch meinen Enkeln erzählen können. Kurzes Was-bisher-geschah: Susana (unsere Vermieterin) zog zu ihrem Freund, sagte uns (Jonas und mir) quasi nix davon, plötzlich saßen neue Leute in ihrem Zimmer, Jonas zog auch aus, weil’s ihm zu blöd wurde, ich sollte Nachschub besorgen, keiner wollte, plötzlich war jemand da (Yassin). Dieser jemand ist übrigens… naja. Yassin ist witzig und auch ein netter Kerl (Mein Besuch kam auch mit ihm klar.), aber er ist halt was komisch. Mal abgesehen davon dass er schnarcht wie doof macht er auch in wachem Zustand komische Geräusche. Man stelle sich einen Menschen mit einem schrecklichen Schnupfen vor, der noch nie von der Existenz eines Taschentuchs gehört hat. Paints a picture, hm?

Ich hatte mich also damit abgefunden, dass der Mensch hier wohnt und mit Zuversicht auf die erneute Vermietung von Susanas altem Zimmer geblickt, die für April geschehen sollte, denn daran sollte ich ja wieder teilhaben. Und auch wenn die Chancen schlecht standen, dass das besser ablaufen würde, stirbt die Hoffnung ja wie immer zuletzt. Doch all das ist nun egal, denn ich ziehe ebenfalls Anfang April aus. Wie mag das plötzlich kommen, wollte ich doch mir den Stress nicht antun und Susana das zusätzliche Geld nicht gönnen, was sie einnimmt, wenn ich erstmal weg bin und mein Zimmer zu einem Doppelzimmer mutiert ist? Susana muss eines schönen Morgens aufgewacht sein und festgestellt haben, dass sie gar nicht warten muss bis ich weg bin. Also schickte sie mir am späten Abend des 13.3. eine Mail, dass ihre ökonomische Situation nicht so rosig sei und sie aus der Wohnung rausholen müsse, was ginge. Mein Zimmer wird nun also ab April einfach ein Doppelzimmer sein und somit 350 Euro kosten. Sie ließ mir somit die Optionen das zu zahlen, mir jemanden zu suchen, der mit mir in meinem Zimmer (und meinem Bett) wohnt oder auszuziehen. Da überlegt man nicht lang.

Nun war ich also von jetzt auf gleich wieder auf Wohnungssuche. Noch in der gleichen Stunde quatschte ich Friederike und Eva an (die zusammen wohnen), weil ich wusste, dass Friederike bald ihr Zimmer räumen würde. Am nächsten Tag in der Uni schrieb ich so ziemlich jedem in meiner studiVZ-Freundesliste, der in Valencias Straßen zu Hause ist. Eine Möglichkeit bot sich mir dort. Jemand anderes war kurz davor umzuziehen. Außerdem hätte ich für Friederikes Zimmer wohl Chancen gehabt, denn mit ihren Mitbewohnern komme ich sehr gut klar. Leider ist die Wohnung halt sehr weit weg von meiner alten, und ich wäre schon glücklich gewesen mehr oder weniger in meiner Gegend wohnen zu bleiben. Glücklicherweise erzählte ich außerdem am Mittwoch Morgen in der Uni Martin von meinem Schicksal und er meinte, in seiner Wohnung würde Anfang April jemand ausziehen, so dass sie nun auch auf der Suche wären. Der aufmerksame Leser wird sich erinnern, dass ich Martin aus Schweden vor ner Weile auf ner Party kennengelernt habe. Seitdem hab ich ihn noch ein paar Mal gesehen und mache in der Uni das eine oder andere mit ihm zusammen.

Am nächsten Abend schaute ich also mit all meinen Gästen bei ihm vorbei um mir die Wohnung anzusehen. Es war recht bald klar, dass das was ist. Natürlich bekomme ich nach spanischer Sitte das schlechteste Zimmer, weil ich als letzter einziehe, also wird das etwas schlechter ausfallen als bisher, aber der Rest der Wohnung ist klar um Längen besser, ebenso wie die Mitbewohner und die Lage. Es fährt ein Bus von der Haustür direkt zu Uni. Generell ist die Uni und die Innenstadt etwas näher und trotzdem ist es nur ein paar Straßen von meiner alten Wohnung entfernt. Und nicht zuletzt ist das Zimmer günstiger. Ich sollte Susana wirklich für ihre Aktion danken. Zu den objektiven Highlights der Wohnung zählen eine Spülmaschine, ein Festnetz-Telefon und eine Mörder-Aussicht (11. Stock), die in nächster Zeit leider von einem Gerüst mit Werbe-Banner versperrt wird. Aber es gibt noch ne Dach-Terrasse. :)

Für mein Wohl war also prinzipiell gesorgt. Ich musste nur noch mit Susana klären, dass ich bis zum 5. hier wohnen bleiben kann. Denn das neue Zimmer wird erst am 4. frei und aufgrund des Besuchs meiner Eltern steht mir ab dem 5. ein Mietwagen zur Verfügung, der die eine oder andere Stunde bei der Aktion einsparen sollte. Susana fand das mit dem Datum OK, sofern ich ihr helfe die freien Zimmer hier neu zu vermieten. Diesmal hatte das ja nichts mehr mit Aussuchen zu tun. Der Erste, der das Geld hinlegt, wohnt hier, und diesmal ist das genau das, was ich will, denn so hab ich wenig zu tun. Ich habe exakt einem Menschen mein Zimmer gezeigt (erstaunlicherweise einer Einzelperson). Die Anrufe kamen natürlich wieder unerwartet, Susana sagte mir ein weiteres Mal nichts davon, dass sie inseriert hatte. Ich setzte einen Termin fest und bestellte die Leute alle da hin. Von vier oder fünf Anrufern erschien wie gesagt einer. Interessant war, dass nicht wenige einfach anriefen um das Zimmer zu mieten, nicht um es anzusehen. Diese Leute wohnten weit weg und wollten vermutlich einfach einen Platz haben, von dem aus sie weitersuchen konnten. Es gab wirklich Leute, die das Zimmer ungesehen haben wollten. Einer wollte Fotos sehen, also bat mich Susana ihr welche zu schicken. Ich tat das und erntete neben einem Dank die Aussage, dass die Zimmer bereits vermietet wären (also ihres schon, meines fast). Der mittlerweile gewohnt hohe Kommunikationsgrad interessierte mich mittlerweile zum Glück nur noch wenig. Scheinbar war das mit meinem Zimmer dann doch nicht ganz so klar, denn es kommen immer noch ab und an Leute her. Auch wieder nach gewohnt spanischer Art. Wenn man anruft und einen Termin für in zwei Stunden abspricht, heißt das beispielsweise lang nicht, dass man auch aufkreuzt.

Nun beginne ich die Tage zu zählen wann ich in die neue Wohnung komme. Mit jedem Tag werde ich glücklicher hier weg zu kommen. Ich werde bestimmt noch das eine oder andere Mal positiv von meiner neuen Wohnung schreiben (und negativ von meiner alten).

La fiesta más loca del mundo

March 27th, 2007

So. Nun da alles vorbei ist, lasse ich mal allgemein was zu den Fallas von mir: Definitiv das verrückteste und krankeste Fest, das ich je erlebt habe. Ich fürchte, meine Erzählungen werden dem niemals gerecht werden. Es glaubt einem auch keiner, wenn man das erzählt. Zum Glück hab ich Zeugen. Man kommt einfach aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Vom 1. bis zum 20. März schaffen es die Valencianer wieder und wieder ihre bisherigen Aktionen in den Schatten zu stellen. Die Stadt befindet sich fast einen ganzen Monat lang im Ausnahmezustand. Es herrscht überall mehr oder weniger Kriegsatmosphäre, zig Straßen sind unbefahrbar, kaum ein Bus fährt seine übliche Route, die ganze Innenstadt ist ständig voller Menschen, (Und wenn ich sage “voll”, dann heißt das, jeder hat gerade Platz zu stehen.) ständig gibt’s überall Musik, Umzüge und Knallerei, riesige kunstvoll gestaltete Puppen an jeder Kreuzung, nachts taghell erleuchtete Straßenzüge, zum Schluss ein unfassbares Inferno und dann ist alles ganz plötzlich vorbei. Ich kann mittlerweile äußerst gut verstehen, warum sehr viele Menschen zumindest über das eigentliche Fallas-Wochenende die Stadt verlassen. Also der wirkliche Hintergrund der Fallas ist mir nicht bekannt. Ich werde ihn mal recherchieren, weil mich wirklich interessiert, was diese ganzen kranken Aktionen für nen Sinn haben. Allerdings ist der wahre Grund wohl längst verwischt und das Fest hat sich zu dem, was es heute ist, entwickelt.

Nun im Einzelnen: In Valencia gibt es 382 Gruppierungen (vergleichbar mit unseren Karnevalsvereinen), die bestimmte Straßenzüge repräsentieren. Diese Vereine organisieren das ganze Jahr über allerhand Festivitäten und kümmern sich unter anderem um die Fertigung einer mehr oder weniger riesigen Puppe. Diese wird am 15. März nachts aufgestellt (bei solch großen Teilen fängt man damit allerdings meist schon Wochen vorher an) und ist dann ein paar Tage zu bewundern. Unterstützt wird das ganze von Straßenbeleuchtungen und -verziehrungen, die das, was die hier an Weihnachten so aufhängen, zu einem schlechten Witz degradieren. Die Puppen sind alle von Profis entworfen und gefertigt und teilweise wirklich 6 oder 8 Stockwerke hoch. Sie enthalten ein Holz-Gerüst und sind außen aus Kunststoff modelliert. Solch schöne Teile (oder zumindest ihre Baustelle) wollen natürlich den ganzen März über nachts nett beleuchtet sein. Also um Strom (oder auch um Geld und Umwelt allgemein) machen sich die Valencianer im März mal so gar keine Gedanken. Es gibt dann diverse Preise, die so ne Puppe oder auch Straße gewinnen kann (jeder, der will, kann abstimmen) und in der Nacht vom 19. auf den 20. März (San José) werden dann alle Puppen einfach abgefackelt. Ja genau, diese Puppen, die teils RICHTIG Geld kosten (Der Rekord in diesem Jahr lag bei deutlich über 600.000 EUR.) und die durch ihre Ausmaße und ihr Material brennend ein nicht zu vernachlässigendes Risiko darstellen, werden (nachdem sie gute 96 Stunden stehen) spektakulär niedergebrannt. Dazu später mehr.
Die Fallas haben auch nette Elemente. So gibt es beispielsweise zwei Tage, an denen jeder Verein seine Leute auf die Straße schickt und große Umzüge stattfinden. Die gesamte Innenstadt ist dann quasi nicht begehbar. Die ziehen stundenlang durch die Straßen und präsentieren quasi ihre Fallas-Mädels (Frauen im traditionellen Outfit). Diese tragen alle ein Sträußchen Blumen zum Plaza de la Virgen, auf dem dann ein riesiges Gestell steht, in das die alle von ein paar Leuten rein gesteckt werden, so dass daraus die Jungfrau (oder eher ihr Gewand) entsteht. Das Ganze dauert ungelogen etwa zwei Tage, und in dieser Zeit gehört es wirklich zu den blödesten Ideen sich in der Innenstadt von A nach B bewegen zu wollen.

Das Randprogramm der Fallas ist auch nicht ohne. Zunächst steht in jeder Seitenstraße ein großes Zelt, in dem die Gemeinschaft nicht selten feiert, das heißt auf der Straße Paella zubereitet, verputzt und ordentlich Lärm verursacht. Das ist auch schon das Stichwort. Die Fallas sind bestimmt das lauteste Fest überhaupt. Nicht nur weil jeder Mensch in Valencia im März mit Feuerwerkskörpern unterwegs ist und die ständig wo er geht und steht zündet (quasi wie Silvester bei uns nur heftiger - nter anderem weil das Zeug viel günstiger ist - und halt fast nen Monat lang). Die Stadt selbst macht auch fleißig mit. Vom 1. bis zum 19. März gibt es jeden Mittag um 14 Uhr eine Mascletá auf dem Rathausplatz, zu der tausende Menschen dorthin ströhmen.
Eine Mascletá kann man auch schwer in seinen Kopf bekommen, wenn man noch keine erlebt hat. Es mag in die Kategorie “Feuerwerk” fallen, ist aber eigentlich sehr anders. Denn wenn sowas mitten am Tag abgehalten wird, kann man mit schönen bunten Farben nicht viel gewinnen. Was tagsüber geht, ist Krach zu machen, und da die Valencianer davon was verstehen, ist das auch das Haupt-Element einer Mascletá. Der ganze Platz ist voller Sprengkörper und Kanonen, die in genau abgestimmter zeitlicher Abfolge ihre Pulver verschießen. Dann kommen so nette Sachen wie bunter Rauch oder Flitterkram in der Luft dazu, aber im Wesentlichen schießt man was in den Himmel, was dort dann laut explodiert oder lässt es gleich am Boden krachen. Die Lautstärken, die dort erreicht werden, liegen durchaus oberhalb der Schmerzgrenze des menschlichen Ohrs. Dennoch gibt es Menschen, die zwei Stunden vor Beginn auf dem Rathausplatz stehen um einen Platz in der ersten Reihe hinter dem nicht sehr großzügig bemessenen Sicherheitsabstand zu ergattern. Die weniger harten Schweine (oder die, die sich nicht ewig durch Menschenmassen zwängen wollen) stehen halt 100 Meter weiter hinten und haben’s immer noch derbe laut. Mir wurde mal gesagt, eine Mascletá habe einen Rhythmus. Ich habe bisher erst einmal wenige Sekunden lang sowas rausgehört. Meiner Ansicht nach ist es einfach Krach. Es fängt recht harmlos an - langsam und verhältnismäßig leise. Zehn und fünf Minuten vor Beginn kündigt ein einzelner Knall an, dass es bald los geht. Um Punkt zwei tritt die Fallas-Königin (vergleichbar mit einer Karnevalsprinzessin) auf den Balkon des Rathauses, bringt irgendnen Spruch und die Hölle bricht los. Das Ganze steigert sich recht schnell (weil es ja kaum länger als 5 Minuten dauert) und gipfelt im Finale, das sich vielleicht anhört wie ein Maschinengewehr, das Granaten verschießt. Man sieht nach wenigen Sekunden nichts mehr in dem Rauch, nichtmal die hellen Lichtblitze, die diese Granaten aussenden. Es ist nur noch ein einziger Krach, der vielleicht 20 Sekunden dauert. Zu dem Lärm gesellen sich dann noch die entsprechenden Druckwellen, die eine Vorstellung von der Kraft der Explosionen liefern. Zum Schluss gibt es dann drei einzelne Explosionen, die das Ende markieren und meist vom Jubel der Menge übertönt werden, der bisher immer noch heftiger in den Ohren dröhnte als die Böller.
Wenn ein solches Event startet, kann man sich eigentlich in der Stadt befinden, wo man will; es ist immer laut. Ich habe das in der Uni gehört, zu hause, im Turia, am Strand, selbst in Alboraya, einem Vorort von Valencia, in dem ich mit meinem Besuch war. Man hört es überall in einer Nahezu-Millonenstadt; ich finde, das sagt was aus. Zum Ende des Monats hin gesellen sich dann immer mehr weitere Mascletás hinzu, die in irgendwelchen Straßen mehr oder weniger privat abgehalten werden, sowie am eigentlichen Fallas-Wochenende jede Nacht ein Feuerwerk, das man nirgens sonst in dieser Dimension zu sehen bekommt. Es ist wirklich erstaunlich. Man ist ständig im Glauben um einen herum würden Häuser eingerissen oder sowas. Es herrscht Krach… immer. Man wacht auf - es ist Krach. Man schläft ein - es ist Krach. Immer und überall. Mal mehr und mal weniger, aber es ist immer laut. Als wir am Sonntag am Strand waren, hörte das gar nicht mehr auf. Die Mascletá vom Rathausplatz ging schon fast unter. Viele viele Minuten lang ging ein Schlachtfeld nach dem anderen hoch. Vom Strand aus konnte man auch noch alles fein sehen. Und anders als zwischen den Häusern, wo der Schall sonstwo lang geht, hörte man dort auch, von wo der Krach kommt.

Die letzte Nacht der Fallas verdient besondere Erwähnung, denn hier werden die Puppen verbrannt. Zuerst die kleinen, das ist noch gemütlich, aber dann die großen. Und am Schluss die auf dem Rathausplatz, die von der Stadt bezahlt wurde (aber deswegen nicht unbedingt die spektakulärste ist). Verbrennen tun die Valencianer etwas natürlich nicht indem sie einfach ein Streichholz dran halten. Erstmal gibt’s bisschen Feuerwerk drumherum, dann ein Mascletáchen, das quasi um die Puppe rum geht, so dass diese Feuer fängt. Unterstützt wird das durch die Raketen und die Fläschchen mit klarer Flüssigkeit, die vorher in der Puppe plaziert wurden. So eine kleine Puppe brennt auch echt fix weg (manche Teile schmilzen auch eher) und dicke schwarze Rauchschwaden steigen in den Himmel. Alle sind fröhlich und tanzen umher, singen, jubeln, machen sonstwas in der Art. Zwei Stunden später sind die großen Puppen dran. Das läuft nach ähnlichem Prinzip ab, ist halt nur größer. Größere Puppe, größere Flaschen, größere Raketen, größere Mascletá, … größere Flammen. Klar, ne haushohe Puppe produziert halt haushohes Feuer. Da stehen dann immer ein paar Männchen von der Feuerwehr rum und krasse Teile, die von der Puppe runterfallen könnten, sind auch manchmal vorher schon abgetrennt und daneben gelegt worden. Aber im Wesentlichen brennt das Teil einfach mal so weg, fällt in sich zusammen und die Leute stehen quasi direkt daneben. Jedes Osterfeuer bei uns hat mehr Sicherheitsabstand. Genaueres zu “unserer” Verbrennung weiter oben beim 19. Es war ein echt krasses Erlebnis.

Und am nächsten Morgen war dann alles vorbei. Wie am Morgen nach einer Schlacht (nachdem die Stadtreinigung bereits erstes beseitig hat). Mit einem Mal war es ruhig. Es ist wirklich erstaunlich. Ich lebte vorher sechs Monate in dieser Stadt und es war halt immer so, aber nach Wochen des Radaus und des Krawalls wirkt der Unterschied zum normalen Geräuschpegel unglaublich krass. Der normale Stadt-Lärm ist immer noch da und jemand, der die Stadt an diesem Tage zum ersten Mal betreten würde, wäre wie ich damals der Ansicht, es wäre schon recht laut hier, aber für uns war es eine wunderschöne Stille. Vielleicht gibt es einen Ehren-Kodex, dass man direkt nach den Fallas keine Feuerwerkskörper abfeuert, oder die Bewohner haben schlicht nix mehr. :) Jetzt, eine knappe Woche danach, hört man hier und da wieder was. Entweder geht also jetzt das Reste-Verballern los, oder wir erreichen wieder den normalen Feuerwerksgeräuschpegel, den Valencia so mit sich bringt das ganze Jahr über. Irgendwie kann ich mich an den nicht mehr recht erinnern…
Im Prinzip verläuft die Kurve bei den Fallas wie bei einer Mascletá. Es geht ruhig los, steigert sich in kleinen, aber schnellen Schritten, hat ein immenses Finale und endet dann sehr abrupt. Eine irre Erfahrung. Ich bin trotz all der Anstrengungen, des Stresses und der… nun ja… Gefahr sehr froh dabei gewesen zu sein.

Das mit der Puppen-Abstimmerei gab uns allerdings bis zum Schluss Rätsel auf. Wir waren zwischendurch in einer Ausstellung, in der man Modelle der ganzen Puppen sieht und für eines seine Stimme abgeben kann… so dachten wir. Es gibt übrigens nicht nur 382 große Puppen, sondern nochmal ebensoviele kleine Kinderpuppen, die halt eher Kinderthemen ansprechen und nicht so gesellschaftskritische wie die großen. Also zunächst mal war es viel zu schwierig seine Stimme nur einer Puppe zu geben, weil die fast alle klasse waren und nach den großen Modellen hatten wir kaum noch Aufmerksamkeit und Fußkraft übrig für die ganzen Kinder-Modelle. Aber als wir später wieder durch die Straßen zogen, erkannten wir keine einzige Puppe aus der Sammlung wieder. Als die Ausstellung geschlossen wurde, sahen wir dann, dass neben den großen Puppen in der Straße immer mehrere der Modelle aufgestellt waren, die wir bereits aus der Ausstellung kannten und die auch nachher mit verbrannt wurden. Neben den Kinderpuppen stand nichts. Alles sehr verwirrend. Ich werde bald mal einen Spanier damit konfrontieren müssen.

Insgesamt also ein eigentlich nettes Fest, das die Valencianer allerdings wohl ziemlich modifiziert haben, damit es ihrer Lebensweise gerecht wird. Sie müssen halt alles laut haben und mit viel Krawall. Außerdem zünden sie scheinbar gerne Dinge an. Es gibt hier im März so viel Programm. Wir waren jeden Tag echt geschlaucht und konnten bei weitem nicht an allem teilnehmen. Ich habe von Leuten gehört, die quasi jede Nacht durch gemacht haben, aber damit wären wir echt hin gewesen. Wir wollten ja nicht nur Fallas erleben hier. Teils wurde das durch die Festivitäten natürlich erschwert. Ich denke mal, im März bekommt kein Feuerwehrmann, kein Polizist und bestimmt niemand von der Stadtreinigung Urlaub. Andererseits läuft hier in der Zeit echt nicht viel. Alle Professoren vertraten, was Arbeit anging, meist die Ansicht “nach den Fallas”.
Was wohl klar ist: Bei uns gäb’s sowas nicht. Abgesehen von dem, was die Stadt auf sich nimmt um das durchzuziehen, würde jeder Sicherheitsbeauftragte in den Knast kommen, wenn er das durchgehen ließe.

Das ist so das objektivste, was man über die Fallas schreiben kann. :) Das subjektive steht dann im Besuch-Tagebuch weiter oben (komm ich hoffentlich bald zu).
Weitere treffend formulierte Impressionen zu den Fallas gibt’s auf der Seite von Marco:
“Die Stadt steht Kopf…”
“Die Stadt steht Kopf… - Teil II”
“Die Stadt stand Kopf… (Nein, sie war komplett verrückt!)”
“Die Stadt stand Kopf… (Nein, sie war komplett verrückt!) - Teil II”

Parties, viel bumm-bumm in der Luft und ein paar Euros für Ryanair

March 4th, 2007

Ja, das war doch schon wieder ein nettes Wochenende. Wie so häufig dachte ich bis zuletzt, ich hätte nix vor, und dann ergab sich in letzter Minute noch so manches.

Am Donnerstag (Ja, laut Stundenplan fängt mein Wochenende da schon an.) gab unsere Fakultät für die Erasmus-Studenten (plus Mentoren, Freunde, …) ein Dinner. Das war ne nette Idee. Leider waren recht wenige da. Wir waren 17 Menschen, dafür aber recht breit gestreuter Nationalität. Größtenteils waren es alles Leute, die schon ne Weile hier sind und natürlich waren allesamt männlich. :) Das Essen war OK. Es gab zunächst Tapas: Calamares, Patatas Bravas (soweit gut), irgendwas salatartiges und “Morros”. Man konnte mir nicht wirklich sagen, was das ist. Vielleicht wollte man auch nicht. Ich glaube, so ganau will ich es auch gar nicht wissen. Es war irgendwas vom Schwein, was man wo ich herkomme eigentlich nicht auf den Teller bekommt. Danach durfte dann jeder ein Bocadillo wählen und es gab noch Kaffee und ein Likörchen. Insgesamt für den Preis (12 EUR) recht wenig, aber man wurde satt und es war echt nett. Außerdem gab es viel Bier und Sangría zu trinken. Nach dem Essen waren wir noch in einer Bar in der Nähe und ließen ein paar Karaffen Agua de Valencia kommen. Die Meute zog danach weiter, ich ging aber nach hause. Drei Uhr fand ich spät genug.
Ich hatte vielleicht so die Hälfte der Leute schonmal gesehen. Wirklich kennen tat ich etwa drei. So habe ich nun mein Nationalitäten-Spektrum erweitert, indem ich einen Griechen kennenlernte, der grad erst hier ist. Fun Fact: Dieser Grieche meinte zu mir, ich würde griechisch aussehen. Wohl auf jeden Fall südländisch, aber konkret prinzipiell sogar griechisch.
Am Freitag hatte mich Pedro (aus Portugal) spontan zu seiner Geburtstagsparty eingeladen. Zufällig wohnte er im gleichen Haus, in dessen Erdgeschoss am Tag zuvor das Dinner stattfand. :) Erstmal dachte ich mir (lame wie ich unter all den Erasmuslern wohl bin): “Och, schon wieder Party.” Aber auch da hin zu gehen lohnte sich ungemein. Ich glaube, ich war so gegen fünf zu hause. Wir fingen in der sehr coolen Wohnung an und gingen nachher dann vor die Tür auf den “Plaza del Cedro”. Sehr cooler Platz; dachte ich schon am Vorabend, als wir dort vorbei liefen. Hier kannte ich bedeutend mehr Menschen (die Hälfte vielleicht), es waren aber auch einfach zig mehr da. Ebenfalls verschiedenste Nationalitäten, auch einige Spanier (den einen oder anderen hatte ich auch am Vorabend schon gesehen). Ein paar Leute kamen auch einfach zu uns, weil sie auch auf dem Platz abhingen und sahen, dass wir nicht wenig Alkohol dort auffuhren. :)
Noch ein Fun Fact: Andre (aus Bonn) unterhielt sich auf dem Platz eine Weile mit ein paar Spanierinnen und erzählte mir dann später, die hätten gemeint, dass die Deutschen so blond und blauäugig (Andre fällt ziemlich in diese Kategorie.) in der Regel ja eher nicht so ihr Fall wären, aber da gäb’s einen, so groß und dunkel, der wär was. Ja, damit meinten sie mich. Hätten wohl zwischendurch mal auf mich gezeigt. Neben dem auffällig vielen Nach-dem-Weg-gefragt-werden und sowas ein weiterer Beweis dafür, dass ich hier (solange ich nicht den Mund auf mache) so gar nicht deutsch rüber komme.

Am Samstag gab’s auch nur einen Programmpunkt, und der war auch noch bedeutend kürzer. Neben der Mascletá auf dem Rathausplatz, die im März bis zum Ende der Fallas jeden Mittag stattfindet, gab es da abends nämlich noch eine Gran Mascletá. Wie der Name schon sagt, war diese “etwas” größer. Eine Mascletá ist an sich was Feuerwerk-ähnliches, aber es ist nicht schön bunt, sondern primär laut und findet deutlich näher am Boden statt. Man kann es schwer beschreiben. Ich werde wohl in den nächsten Tagen versuchen etwas auf Video zu bannen. Versucht’s einfach mal bei YouTube mit dem Suchbegriff. Trägt ziemlich zum Kriegsfeeling hier bei.
Ich ging also zum Strand und lief und lief und lief. Die ganze Gegend war voller Menschen. Tausende. Das Spektakel dauerte keine 15 Minuten, aber es hat sich definitiv gelohnt. Ich sah sogar ein Flugzeug während der Krawalle über den Strand fliegen. Von dem aus muss das ausgesehen haben als wolle man sie abschießen. :) Ich wollte mich am Strand mit Martin (aus Schweden) treffen, aber das war hoffnungslos. Als es vorbei war und alle wieder nach hause ströhmten, liefen wir uns dann über den Weg, aber zuvor war in der Meute nichts zu wollen.
Seit dieser Gran Mascletá kommt die Stadt nun etwas anders rüber. Ständig hört man es irgendwo knallen. Explosionen, Lichtblitze, … wie im Krieg. Quasi wie bei uns über Silvester (tagsüber) nur viel, viel heftiger… und nen ganzen Monat lang.

Nun zum schönsten Teil des Wochenendes: Am Samstag vormittag telefonierte ich mit Nadine. Das ist an sich schon fein, aber speziell in diesem Gespräch festigten wir den Plan ihres Besuchs. Nun sind die Flüge gebucht, und ich kann mich auf eine weitere Woche in der näheren Zukunft freuen. In der letzten April-Woche wird sie mich besuchen. Das ist zwar noch ein gutes Stückchen hin, aber bis dahin passiert hier ja noch so viel, dass ich wohl nicht ständig nur mit Warten beschäftigt sein werde. :)

Kommunikation: mangelhaft; Geldgier: sehr gut

March 3rd, 2007

Ich gebe mal ein Update zu meiner Wohnungssituation, oder eher zu meiner Mitbewohnersituation:

Es war ja so, dass Susana ausgezogen ist und wir dafür ein Mädel mit Mutter und Baby bekommen haben. Nun ist zum 1.3. auch Jonas raus aus der Wohnung. Zuvor hatte ich Susana geschrieben ich würde gerne einen neuen Mitbewohner suchen, weil ich ja schließlich mit diesem ne Weile zusammenwohnen würde. Sie fand die Idee auch toll und hat vorgeschlagen einfach meine Nummer in die Anzeige zu schreiben, so dass mich die Leute kontaktieren können, ich die kommen lasse, mich entscheide und ihr dann mitteile, was Sache ist. Außerdem bat ich sie mir die Anzeige zu schicken, damit ich weiß, worauf sich die Leute da melden, wann und wo sie geschaltet wurde, was so die Wohnregeln sein werden und sowas alles. Gesagt, nicht getan. Sie packte Jonas’ Nummer in die Anzeige (die ich nie erhielt und plötzlich einfach in der Welt war). Zum Glück für ihn wollte Susana verbrecherische 250 EUR für das Zimmer. Eine Unverschämtheit. Die Wohnung und erst recht das Zimmer haben nichts zu bieten, was das rechtfertigen würde. Somit blieben also die Heerscharen von Menschen aus, die man eigentlich in dieser Zeit beobachtet, wenn irgendwo ein Zimmer frei wird. Ein paar waren hier um sich das anzusehen, aber letztendlich zeigte nur ein Mensch (Rene aus Deutschland) wirklich Interesse. Susana fing dann an Druck zu machen, weil der Monat zuende ging und sie unbedingt die Kaution von dem neuen Menschen haben wollte. Mit Auswahl hatte das Ganze dann also noch sehr viel zu tun. Aber gut, mit Rene wär ich klar gekommen, also nannte ich ihn Susana und freute mich, dass die Sache so gut ausgegangen war… ja, denkste!
Am nächsten oder übernächsten Tag (als Rene eigentlich hätte einziehen sollen) kam Susana plötzlich mit einem Pulk Leuten in die Wohnung und führte diese rum. Ich fragte sie dann, ob das Zimmer nicht vielleicht schon weg wäre (oder hatte ich das geträumt). Ich verstand dann von ihr, dass Rene nicht mehr wollte, rief ihn an und er erzählte mir, dass er sie um einen weiteren Tag Bedenkzeit gebeten hätte, weil er noch auf die Antwort von einer anderen Wohnung wartete, worauf sie dann die Suche wieder aufgenommen hat. Den halben späten Abend lang kamen dann hier Leute rein und schauten nach dem Zimmer. Ihnen wurde dann gesagt, der erste, der das Geld auf den Tisch lege, hätte das Zimmer. Man bemerke nicht nur, dass die Suchaktion nun keinerlei Auswahl-Elemente mehr enthält, sondern auch die ausgereifte Bereitschaft zur Kommunikation, die Susana mal wieder bewieß. Wäre ich an dem Abend nicht zufällig hier gewesen (um mit Nadine zu telefonieren, was durch die Aktion verdammt gut gestört wurde) und hätte einer dieser Menschen zugeschlagen, hätte ich plötzlich hier wen wohnen gehabt und nicht gewusst, was das soll. Ich glaube, mit sowas werde ich mich abfinden müssen.
Nun also passierte das noch das eine oder andere Mal, dass hier Leute gucken kamen. Ich hatte mittlerweile jeglichen Spaß an der Sache verloren. Ich machte die Tür auf, wenn jemand kam, und zeigte auf das Zimmer, aber mehr war ich nicht mehr bereit in die Sache zu investieren. Mitbewohnersuche kann ne tolle Sache sein, glaub ich, aber unter diesen Umständen… nein, danke! Die Aktion war auch zum Scheitern verurteilt. Aufgrund des hohen Preises meldeten sich halt so gut wie keine Studenten. Hauptsächlich Leute, die schon arbeiteten und eigentlich gar nicht in soner Wohnung wohnen wollen. Ich sagte Susana dann auch, dass sich wegen des Preises so wenige melden und alle wieder absagen, aber das schien wohl egal.
Gestern dann kam sie wieder mit einem Schwung Menschen an und plötzlich hörte ich von irgendwem (natürlich nicht von ihr), dass das Zimmer nur noch 220 EUR kostet. Immer noch zu viel, aber nun waren scheinbar wieder Interessenten da. Hätte man von Anfang an diesen Preis angesetzt, hätte man richtig schön wählen können. Aber mittlerweile waren wir ja schon in der Phase “Das Zimmer steht schon nen ganzen Tag leer. Wir brauchen jemanden. Egal wen!” Ich hätte mich darüber sehr aufregen können (kurze Zeit tat ich’s), aber eigentlich war mir mittlerweile so ziemlich alles egal. Ich fühlte mich eh machtlos. Mit Susana zu diskutieren hielt ich für sehr sinnlos. Ich hoffte also auf Glück, dass halt ein anständiger Mensch zuerst das Geld auspackt und dass es mit dem anderen Zimmer, das ja ab April wieder frei wird, besser läuft.
Am gleichen Abend kam irgendwann ein Mensch vorbei, der scheinbar zu den Interessenten gehörte und Geld dabei hatte, denn Susana packte ein Stück Papier aus, das von weitem wie ein Mietvertrag aussah. Es erhielt nun also jemand das Zimmer. Bis dieser am nächsten Tag sein Zeug hier rein schleppte war ich dessen allerdings nicht 100%ig sicher, denn ich schloss es ja nur aus meinen Beobachtungen. Gesagt hat mir nie jemand, dass das Zimmer nun weg ist. Wäre ich nicht zufällig hier gewesen… ja, das hatten wir ja schon. Scheinbar ist aus der Alternative für Rene nix geworden, denn später fragte er mich, ob das Zimmer noch zu haben wäre. Ich konnte nicht mehr antworten als “glaub nicht”. Vielen anderen Menschen hat Susana generell nicht daon erzählt, denn später waren noch weitere Menschen an der Tür zum Zimmer-Gucken. Zum Glück wusste ich da schon, dass das Zimmer vergeben war (aber halt auch nur, weil der neue Mitbewohner da bereits neben mir stand).
Also nun habe ich einen neuen Mitbewohner (Yassin aus Marokko). Niemand hat mich nach meiner Meinung gefragt, niemand hat mir gesagt, wer es ist, was er macht oder dass er überhaupt einzieht. Dabei zeigte Susana vorher noch sehr viel Verständnis für die Aussuch-Idee. Vermutlich nur, weil sie dadurch weniger Arbeit gehabt hätte. Ich hoffe wirklich, dass das bei dem anderen Zimmer anders läuft. Dafür will Susana 350 EUR haben, denn es ist ein Doppelzimmer. Das ist auch ein Grund, warum mir die Idee einfach auch umzuziehen und den ganzen Mist hinter mir zu lassen nicht gefällt. Abgesehen davon, dass umziehen doof ist und ich so ein Zimmer hier zu dem Preis bestimmt nicht leicht finde, würde Susana meines dann auch als Doppelzimmer vermieten und mal eben 150 EUR mehr in der Tasche haben. Irgendwie gefällt es mir besser das hinauszuzögern.
Nunja, Yassin macht einen netten Eindruck. Er ist auch Informatiker und sitzt hier grad an seinem Doktor im Bereich künstliche Intelligenz. Er spricht auch englisch. Also ich denke, es hätte weit schlimmer kommen können. Wird sich zeigen, wie das hier mit unserer Gemeinschaft endet, aber im Moment fühlt es sich schonmal echt besser an als in den letzten Tagen.

Noch ein bisschen Erfreuliches zum Schluss:
Das Wetter im Moment rockt! Wir haben fast immer strahlend blauen Himmel mit mindestens 25° und leichtem, angenehmen Wind. Letztens saß ich in einer Pause auf dem Campus in der Sonne (vielleicht 20min) und war danach schon ansatzweise rot.

Der Spanisch-Kurs der UPV in diesem Semester könnte echt taugen. Ich fühlte mich ja in dem letztes Jahr schon etwas überfordert. Da ich aber die Klausur am Ende so gerade eben geschafft hab, bin ich nun im Folgekurs (Level B2), versprach mir davon also noch unpassenderes. Bisher haben wir hauptsächlich wiederholt. Die Lehrerin meinte, B2 wäre hauptsächlich dazu da um früher gelerntes zu vertiefen. Ist also gar nicht so verkehrt, der Kurs, wie’s scheint.
Letztens sollten wir als Hausaufgabe einen Witz über “Lepe” raussuchen. Das ist ein kleiner Ort im Süden Spaniens, der (oder deren Bewohner) in vielen Witzen vorkommt, sehr zu vergleichen mit unseren Ostfriesen-Witzen. Ich habe eine Website mit diesen Witzen gefunden und das Niveau ist wirklich vergleichbar. Ich habe sogar schon mehr als einen Witz gelesen, den ich zuvor bei uns wörtlich über Ostfriesen gehört hatte.
Noch was Feines: Die Erasmus-Menschen sprechen untereinander plötzlich viel mehr spanisch. Das hat schon was. Daneben hab ich in diesem Semester ja nahezu alle Vorlesungen auf spanisch. Damit hätte ich echt schon im ersten Semester anfangen sollen, dann würde ich jetzt bestimmt schon alles darin verstehen. Es klappt erstaunlich gut, aber es dauert wohl noch ein bisschen, bis ich wirklich dem Unterricht vollends folgen kann. Die Vorlesungen machen allesamt einen sehr interessanten Eindruck. Ich hoffe wirklich, ich finde mal die Zeit mich dazu ausführlich zu äußern. :)

“Die Gemüse-Paella, aber bitte nur mit Gemüse.”

February 27th, 2007

Am letzten Wochenende war ich mit Friederike, Eva, Marco, Miguel und drei Besuchern von Marco, die ich vorher nie gesehen hatte, auf einer Fahrradtour zum Albufera. Das ist ein Naturschutzgebiet ein wenig im Süden von Valencia mit einem fetten See mitten drin. Außerdem gibt es dort noch “El Saler”, ein Dörfchen und namensgleich der angeblich beste Strand der Gegend hier. Dort gibt es der Sage nach auch einige der besten Paella-Reastaurants.
Zwar verfügt hier der eine oder andere über ein Fahrrad, aber für diese Aktion liehen wir dann doch geschlossen welche aus. Das lief dann auch äußerst spanisch ab. Der Laden liegt mitten in der Altstadt und öffnet offiziell um elf Uhr. Zu dieser Zeit trafen wir uns dort (natürlich kamen alle nach spanischer Sitte zu spät) um auch schon um 11:15 den Laden betreten zu können, nachdem ein sehr verschlafen aussehender Typ auf einem Fahrrad ankam und die Tür öffnete. Er machte den Eindruck in der Nacht zuvor nicht wirklich geschlafen zu haben. Es waren dann noch wenige Menschen vor uns, aber irgendwie hat sich der Mensch für jedes Fahrrad, das seinen Laden verließ, unheimlich viel Zeit gelassen. Und wir waren zu acht. Man kann sich vorstellen, wie komplex unser Wunsch war (dabei hatten wir zuvor reserviert). Um zwölf waren wir dann auch schon auf dem Weg. :) Wie immer war das schwierigste aus Valencia raus zu finden. Zwar ist das mit dem Fahrrad viel einfacher als mit dem Auto, aber wenn man nur sehr grob weiß, wo man überhaupt hin will, erschwert das die Sache schon. Unser Trip war nämlich auch sehr spanisch geplant… also gar nicht. Wir kannten zwar die Richtung, in die es in etwa gehen sollte, aber der einzige von uns, der schonmal dort war (Miguel), tat dies natürlich mit dem Auto. Spanier sind eh nicht so die Menschen, die lange Strecken mit Fahrrädern zurücklegen. Innerhalb der Stadt sieht man sie schon (auch nicht übermäßig viel; die mit den Fahrrädern sind eher Erasmus-Leute), aber außerhalb dann nicht mehr so wirklich. Entsprechend unzahlreich sind auch Radwege und ähnliches vorhanden. Ein Weilchen folgten wir einem bis Miguel dann plötzlich sagte: “Das kenn ich. Hier lang.” Niemand dachte wohl noch an die Tatsache, dass er bisher immer das Auto nahm um zum Albufera zu fahren. Somit fanden wir uns kurze Zeit später auf der Bundesstraße wieder, die jeder anständige Spanier mit seinem Auto dorthin befuhr. Klar, wir Deutschen haben kein Problem damit dort lang zu fahren (wie’s sich gehört auf der linken Seite), aber Miguel wurde mal wieder in seiner “Crazy Germans”-Ansicht bestärkt. Was dieser Mann durch seine exotischen Mitbewohner schon alles erlebt hat… Die anderen Spanier, die wir in ihren Autos sitzend auf der Straße trafen, waren von unserer Vorgehensweise allerdings auch nicht sehr angetan. Diejenigen, die nicht geistesgegenwärtig beim Vorbeirauschen die Hupe betätigten um ihren Missmut zu äußern, machten einen etwas überforderten Eindruck und man konnte fast meinen, sie hätten Angst gehabt uns zu überholen (als wir noch auf der rechten Seite fuhren). Scheinbar wird einem in der Fahrschule in Spanien nicht beigebracht mit solchen Situationen umzugehen. Fahrräder auf der Straße. Wie absurd.
Nach einer (vermutlich hauptsächlich durch unser Herumirren innerhalb Valencias) recht lange erscheinenden Zeit kamen wir im Albufera an. Blöd war halt, dass wir nicht die bequemsten Fahrräder erwischt hatten (erst recht nicht für die Großen unter uns) und z.b. Miguel das letzte Mal mit 10 Jahren überhaupt auf einem Fahrrad gesessen hatte und auch sonst kein Fan körperlicher Bewegung ist. Wir fuhren bis zum See. Auf dem Weg dorthin war es schon windig. Klar, da steig ich hier einmal auf ein Fahrrad und schon ist Sturm. Aber am See war es dann echt ungemütlich. Irgendwie war auch sonst niemand dort. Wir fanden all die Menschen in El Saler in den Paella-Restaurants wieder. Wir bestellten mehrere Sorten. Zum einen überforderten wir den Kellner erneut nahezu mit Friederikes Wunsch nach etwas vegetarischem. In Spanien reagieren die Menschen beim Ansprechen dieser Thematik immer noch irgendwie sonderbar, als wolle man die Paella püriert mit dem Stohhalm genießen oder was Vergleichbares. Fun Fact: “Paella de Verdura” (Gemüse-Paella) klingt vielversprechend, enthält aber scheinbar irgendwie nicht nur Gemüse (wäre ja… ich weiß nicht… logisch?). Ich glaube, wir bestellten dann eine modifizierte Version dieser, die dann eben wirklich nur Gemüse enthielt. “Die Gemüse-Paella, aber bitte nur mit Gemüse.” @-) Natürlich nur eine möglichst kleine Pfanne. Eva gesellte sich zu Friederike, weil es Paella in der Regel nur für mindestens zwei Menschen gibt. Auch ich probierte und fand es zwar ungewöhnlich, aber gar nicht so verkehrt. Miguel meinte, er fühle sich nach dem Kosten nicht mehr als Mann, aber es würde nicht wirklich schlecht schmecken. Die zweite Sorte war die Lieblingssorte von Miguel, deren Name mir nicht mehr einfällt (”Arroz Abando” oder sowas). Diese enthält kaum Gemüse und ansonsten Tintenfisch und noch was schwimmendes. Außerdem tun die irgendwie viel Geschmack an den Reis (wie auch immeR). Auf alle Fälle äußerst lecker. Ich glaube, ich mag am liebsten die Sorten mit Meeresfrüchten. Es gibt noch eine weitere (die vermutlich berühmteste: Paella de marisco), die auch die fette Garnelen draufliegen hat. Unsere dritte Wahl fiel auf die “Paella Valenciana”, die man natürlich mal gegessen haben muss, wenn man hier ist. Sie enthält Hühnchen und Häschen als Fleisch und noch gewisses Gemüse, das ich zuvor noch nie gesehen hab. Schmeckt auch echt nicht verkehrt, aber ich bin wohl eher der Meer-Paella-Mensch. Natürlich musste die valencianische aber dabei sein, weil wir ja Gäste hatten. Das war insgesamt ein sehr spanischer Tag für diese. Haben einiges typisches mitbekommen. Vor der Paella gab es noch Brot mit Tomate (bestrichen), auch sehr valencianisch und zwischendrin Brot mit Knoblauch-Aufstrich. Das hab ich zwar woanders auch schon gesehen, aber hier scheint es auch üblich. Insgesamt war es ein echt klasse Essen. Und gar nicht so teuer. Wir hatten mit viel mehr gerechnet. Nun hatten wir nicht die teuersten Paella-Sorten der Welt, aber so 15 Euro in einem guten Paella-Restaurant mit Wein, Brot und allem drum und dran ist nicht viel.
Während wir vor dem Essen auf unseren Tisch warteten (ja, es war voll, schließlich Sonntag), erzählte uns Miguel die Legende von der Entstehung der Flagge der Comunidad (sowas wie bei uns ein Bundesland) “Valencia” (welche die Provinz (wie bei uns ein Kreis) “Valencia” enthält, in welcher wiederum die Stadt “Valencia” liegt): Das Stück Spaniens, was heute aus den autonomen Regionen (wie wir die Comunidades nennen) “Aragón” (Aragonien), “Cataluña” (Katalonien), “Valencia” und “Islas Baleares” (Balearische Inseln) besteht, gehörte früher (12. Jhdt.) zum Königreich Aragón. Dieses hatte zwar ein Wappen oder sowas, aber keine Flagge. Als die Aragonier dann mal wieder gegen einige Mauren kämpften (was scheinbar öfter mal vorkam) und der erste König von Aragón (Jaime I., bei uns heißt er wohl Jakob) verwundet in seinem Zelt lag, forderten die Männer eine Flagge, unter der sie kämpfen konnten (Motivation halt). Der Legende nach nahm Jaime also die Hand, die eben noch auf seiner Wunde lag, ein gelbes Tuch und fuhr mit seinen blutverschmierten Fingern darüber. Daher also die vier roten Streifen auf gelbem Grund. Dies war fortan die Flagge des Königreichs Aragonien und heute ist es die von Katalunien. Da sich die Valencianer ein wenig von den Katalanen distanzieren wollten, fügten sie ihrer eigenen Flagge das blaue Geschnörkel bei, was ihren Rand ziert. Die Balearischen Inseln haben ein Schloss in der oberen linken Ecke und die Comunidad Aragonien ein Wappen mit drauf. Wie immer kommt das Rot in der Flagge also vom Blut. Genau wie in der spanischen Flagge, wie Miguel dann noch nebenbei erwähnte. Der goldene Teil stelle das Gold der neuen Welt dar (Spanien war durch die Eroberung ihrer südamerikanischen Provinzen sehr reich geworden.) und das Rot das Blut das bei der Eroberung vergossen wurde (vermutlich eher das spanische).
Nach Geschichtsstunde und Essen machten wir uns dann gestärkt auf den Rückweg, schauten aber vorher noch am Strand vorbei. Natürlich nicht an dem besten Stück (das wäre nochmal was weiter gewesen), aber auch die Stelle, an der wir waren, war schon nicht so verkehrt. Der Rückweg kam uns dann auch deutlich kürzer vor. Wir machten auf dem Weg in die Altstadt noch kurz im Turia Halt und brachten dann in einer ebenso erstaunlich lang andauernden Prozedur die Fahrräder wieder zurück. Ich habe schon Autos und sogar meine Wohnung in kürzerer Zeit gemietet. Wirklich bemerkenswert.

Nach der Fahrradtour wollten wir zunächst noch an dem Abend der Einleitung der Fallas beiwohnen. Die Fallas-Königin (wohl sowas wie unsere Karnevalsprinzessin) hält da ne Rede und hinterher gibt’s natürlich fett Feuerwerk und so… aber es regnete und wir hatten keine Lust nach der Anstrengung noch stundenlang rumzustehen. Ich hab mir sagen lassen, es soll echt schön gewesen sein. Aber die Fallas bieten ja noch einiges mehr.
Wir waren dann noch fix in einer Horchateria am Plaza de la Reina. Oder eher in einer DER Horchaterien in Valencia. Die besteht schon nahezu 100 Jahre und sieht von innen echt stark aus (von außen natürlich unscheinbar), denn Horchata ist natürlich auch typisch spanisch und vor allem typisch valencianisch und musste unseren Gästen nähergebracht werden.

Mehr pack ich besser nicht in diesen Artikel, sondern verarbeite es zu weiteren kleineren. :)

¡Benvingut a Valéncia!

February 23rd, 2007

Heute ist mir was Blödes passiert.

Zunächst als Info: Die Uni hier hat verdammt viel Geld. Die können sich gewissen Luxus leisten. Beispielsweise gibt es alle Vorlesungen der ersten vier Jahre für die Informatik auf spanisch am Morgen, auf spanisch am Nachmittag, auf Valenciano und ausgewählte außerdem noch auf englisch. Dazu gibt es dann Praktikumsgruppen in entsprechenden Sprachen. Für jeden also was dabei. Natürlich hatte ich im letzten Semester fast ausschließlich Vorlesungen aus dem fünften Semester, die es nur exakt einmal auf spanisch gibt und vielleicht noch auf englisch.
Aber in diesem Semester hab ich Vorlesungen aus früheren Jahren, was die Stundenplan-Erschaffung extrem vereinfacht. Dennoch muss man ein bisschen aufpassen, wo man hingeht, denn zwar sind die Vorlesungstermine ganz gut gekennzeichnet, bei den Praktika muss man aber manchmal Glück haben. So fand ich mich heute in einem Praktikum auf valenciano wieder. :) Man gewöhnt sich zwar echt dran das hier überall zu lesen und ein bisschen was versteh ich ja auch davon, aber gehört hab ich es noch nie so wirklich. Heute wurde ich dann mal ne Stunde lang damit zugeredet. Zum Glück gab’s die Aufgaben auch auf castellano. Zwar sind die Praktika in der Vorlesung nicht wirklich wichtig für die Note, aber eigentlich fand ich das Thema interessant, über das der Mensch redete, und hätte gerne mehr verstanden. Ein wenig was hab ich natürlich verstanden, zumal ich ja wusste, worum es in etwa geht. Witzig war auch: Diese Vorlesung (Einführung in Datenbanken quasi) gibt es nicht nur von unserer Fakultät, sondern auch von der Schule für angewandte Informatik gleich nebenan. Quasi exakt das gleiche. Und die hatten zur gleichen Zeit im Nebenraum das gleiche Praktikum auf castellano. Da die Computerräume (warum auch immer) durch Glasscheiben getrennt sind, hätte ich zumindest die Folien auf spanisch mitlesen können, wenn der Typ bei uns nicht viel schneller da durchgerannt wäre als die Dame nebenan.

Dies war also meine erste wirkliche bewusste Begegnung mit gesprochenem Valenciano. Es klingt wirklich etwas komisch. Doch recht anders. Aber die Leute hier stehen drauf. Ich hab in der Zeit ein bisschen im Katalog der Bibliothek gesucht nach einem Buch über Datenbanken, das uns in der Vorlesung empfohlen wurde. Kein Wunder, denn es wurde von den Veranstaltern verfasst, wie mir dann auffiel. Natürlich war das ein Buch auf spanisch. Man kann Informatik-Studenten im zweiten Jahr ja nicht zumuten englisch zu lesen. Wird bestimmt etwas komisch das zu lesen. Zum Glück hab ich mich nicht auch da vergriffen, denn die Autoren haben das Buch auch nochmal auf valenciano verfasst. Die spinnen, die Valencianer!

Karneval! … aber trotzdem ein ganz schönes Wochenende

February 20th, 2007

Das war letztendlich ein recht feines Wochenende. Hätte ich nicht gedacht. Eigentlich dachte ich, ich würde es hauptsächlich damit verbringen meinen Stundenplan vorläufig zusammen zu bauen. Das hat letztendlich recht wenig Zeit benötigt, weil alles recht gut ineinander passt. Viel besser als im letzten Semester, wo ständig alles miteinander kollidierte. Ich habe die Vorlesungen nicht danach ausgesucht, aber es sieht so aus, als hätte ich nur so drei Tage oder so Uni die Woche. Diese sind dann natürlich ziemlich voll (In Zahlen heißt das, ich bin dann so von 10 bis 21 Uhr dort mit 1-2 Stunden kummuliertem Päuschen irgendwo.), aber dafür hab ich lange Wochenenden. Damit kann man bestimmt mal was anfangen. :)

Zunächst das Miese: Jonas fand die Aktion von Susana wohl so doof, dass er sich nach ner neuen Wohnung umgesehen hat. Er erhielt dann die Möglichkeit mit Menschen, die er kennt, eine Wohnung recht nahe der Uni zu beziehen, die wohl fein ist. Er wird somit zum März ausziehen. Irgendwie nahm mich die ganze Situation etwas mit und ich war recht mies drauf. Als dann noch pünktlich zum Freitag unser Internet plötzlich stumm blieb, wurde es schwierig für mich mir ein schönes Wochenende vorzustellen. Erschreckend, wie wichtig einem sowas wie das Internet werden kann. Es ist natürlich schlimmer, wenn man fast 2000 km von fast jedem weg ist, der einem nahe steht. Und wenn man dann schlecht drauf ist und nicht mit seinen Freunden kommunizieren kann, ist das schon echt mies. Glücklicherweise hat die Uni auch am Wochenende mal auf, so dass ich da ein bisschen Internet schnorren konnte. Aber die ist natürlich nicht um die Ecke, macht irgendwann mal zu und mit seiner Freundin telefonieren kann man da z.b. kaum wo wirklich gut… Meine Eltern waren unterwegs um dem Karneval zu entfliehen, das Wetter hier war recht mies… kurzum: alles doof.

Doch nun der schöne Teil: Am Donnerstag war ich auf Sonjas Abschiedsfete. Sie ist am Freitag Morgen wieder nach Deutschland geflogen. Gut, das ist nicht direkt schön. Aber auf ihrer Abschiedsfete hab ich Lisa und Judith kennen gelernt. (Judith war in meinem Gandia-Kurs, sie kannte ich also offiziell schon.) Dadurch war ich am Samstag am Strand. Zwar war ich etwas spät und dadurch war es schon etwas kühl, aber es war trotzdem fein, halt einfach weil man am Strand war. Erst hatte ich nicht wirklich Bock zu gehen, weil ich eben nicht gut drauf war, aber es war gut dort gewesen zu sein und auf andere Gedanken zu kommen. Die meisten Leute habe ich in diesem Semester übrigens auf Abschiedsfeten von Leuten aus dem letzten Semester kennen gelernt. Schon witzig.
Am Abend waren wir dann bei Judith zu hause. Sie wohnt mit Franzosen zusammen, die Crepes gemacht haben. Es waren wohl etwas mehr als 10 Leute anwesend, von denen ich vielleicht zwei zuvor mal gesehen hatte. Sehr gemischte Nationalitäten. Die Deutschen überwogen wie fast immer, aber ansonsten war es wirklich recht vielfältig. Ich habe sogar den ersten Englänger hier gesehen. :) Nachdem wir köstliche Crepes gegessen hatten (Ich krieg schon wieder Hunger.) gingen wir auf die Straße, denn Judith wohnt in Benimaclet und dort sollte es an dem Abend irgendwo Karneval geben. Benimaclet war wohl mal ein Städtchen nahe Valencia, das irgendwann einverleibt wurde. Es liegt nun am Stadtrand und erscheint wie ein normales Stadtviertel. Wenn man dort durch läuft, fühlt es sich aber schon irgendwie anders an als im Rest von Valencia. Es ist eine eigene kleine Stadt in der Stadt. Als ich später am Abend nach Hause wollte und in einer Bar oder sowas nach dem Weg zum Stadtzentrum fragte, wurde mir Gelächter geantwortet begleitet von den Worten “Das Zentrum von Valencia ist hier.” Naja, ich bin nach Hause gekommen. Da Benimaclet nahe der Uni ist, war es kein Problem mehr, als ich erstmal die Himmelsrichtungen klar hatte.

Wir gingen an diesem Abend also von Judith aus nur wenige Schritte bis zur Kirche. Auf dem Platz davor (dem “Plaza de Benimaclet”) war dann Karneval. Klingt mickrig, war es auch. Also im Prinzip sah es da aus wie in Deutschland in diesen Tagen. Menschen standen dicht gedrängt, manche verkleidet, kaum einer mit einem wirklichen Kostüm, alle besaufen sich, … nur alles deutlich kleiner als bei uns. Eigentlich wollte ich nach etwa zwei Minuten wieder gehen. In Deutschland suche ich diese Art Event ja auch nicht gerade. Irgendwie hatte ich aber auf dem Weg angefangen mich mit Marin, einem Schweden, zu unterhalten und das führten wir dort dann halt einfach fort. Auf spanisch natürlich. :) Das rede ich in diesem Semester irgendwie deutlich mehr. Alle um mich herum reden plötzlich spanisch. In der Uni, auf Feten, … überall. Ich bin mittlerweile schon überrascht, wenn ich irgendwo englisch höre.
Es war auf jeden Fall letztendlich echt nett dort. Martin erspähte irgendwann ein Dreiergrüppchen von Mädchen, die wir für als Katzen verkleidet hielten, weswegen er sie “las Gatitas” taufte. (Wie sie uns später erzählten, stellten sie irgendwelche Mädchen aus dem Zauberer von Oz dar, der mir leider nicht geläufig ist.) Der Rest des Abends drehte sich dann darum, dass Martin ein Foto von sich und einem Kätzchen haben wollte, einem bestimmten sogar. Als eine der Mitbewohnerinnen von Judith das mitbekam, schleifte sie ihn hinter sich her und fragte einfach mal bei denen nach. Sie reagierten etwas skeptisch… verständlich, aber so kam man ins Gespräch. Ein Spanier, der in der Nähe stand, fragte, wo wir her seien. Wir zählten unsere Länder auf und er dann (wie jeder Spanier immer sofort damit angibt): “Ja, ich spreche ein bisschen deutsch.” Und dann: “Ich war ein Jahr als Erasmus-Student in Aachen.” Janee… is klar. Was auch sonst? (Eines der Kätzchen teilte noch mit, dass sie zwei Jahre in Bremen studiert habe. Ich konnte mich dort also genauso gut auf deutsch unterhalten. Etwas komisch war das schon.) Nachdem sich Martin ein Weilchen mit seinem Lieblingskätzchen und ich mit dem Temporär-Aachener unterhalten hatte (Mit dem Bremener Kätzchen bekam er sogar ein Foto.), zogen wir weiter. Irgendwer in unserer Gruppe hatte scheinbar irgendwen kennen gelernt, der ihm von einer Wohnungsparty ein paar Straßen weiter erzählt hatte, denn dort gingen wir nun hin. Natürlich dauerte es locke ne halbe Stunde, bis wir den Platz verließen (10 Menschen, die immer wieder anfangen irgendwelche wildfremden Menschen anzuquatschen), aber irgendwann standen wir dann in einem Wohnzimmer zwischen 50 weiteren Leuten, die alle am feiern waren. Die Hütte war geradezu ideal, nicht nur für Parties. Erstaunlich, wie viele Menschen da reinpassten. Zwei Etagen, in jedem Zimmer Menschen, auf dem Balkon, auf der Straße, … überall. Ein schöner Abschluss, zumindest für mich. Martin erzählte mir später noch von weiteren Erlebnissen, aber ich ging relativ bald nachdem wir dort ankamen nach hause.

Also insgesamt war das Wochenende nicht so verkehrt. Am Montag Abend hatten wir dann auch wieder Internet. Weiß der Himmel, was da passiert war. Ich hatte Susana eine SMS geschrieben, dass das nicht ging und irgendwann antwortete sie sowas wie “hat sich erledigt”. Bestimmt war das mit dem Umzug zu kompliziert für die Telefon-Firma.
Ich war also vielleicht 2-3 Tage ohne Internet, allerdings kam mir das ewig vor. Das wird unter anderem auch daran gelegen haben, dass ich halt vor hatte mit Nadine zu telefonieren. Letztendlich hat das auch geklappt dank der netten Menschen mit dem ungesicherten Hotspot im Häuserblock neben dem Spielplatz ein Stück die Straße runter. :)

Tausche Kater gegen Baby… und Mutter

February 13th, 2007

Endlich mal wieder ne interessante Geschichte zu erzählen:

Im März bekomme ich endlich mal Besuch von ein paar lieben Menschen. (Das heißt nicht, dass mein Besuch bisher aus Idioten bestand; es ist schlicht mein erster.) Als ich das Susana erzählen wollte (so nach dem Motto “geht doch klar, wa?”), meinte sie, sie würde nächste Woche zu ihrem Freund gehen. Ich hatte das so verstanden, dass sie da halt nur ne Weile bleibt. Hier an der Uni kocht ja jede Fakultät ihr eigenes Süppchen was den Beginn der Vorlesungszeit angeht. Als sie dann aber in den folgenden Tagen immer mehr Zeug aus ihrem Zimmer räumte, kam mir der Verdacht, dass ich sie vielleicht falsch verstanden haben könnte und sie vor hat bei ihrem Freund einzuziehen. Bestätigt wurde mir der Verdacht dann, als vor ein paar Tagen ein mutmaßliches Pärchen vor der Tür stand und meinte, sie wollten das Zimmer sehen, das es hier zu mieten gäb. (Es war als Doppelzimmer angepriesen.) Da hab ich dann gedacht: Hm… hätte ich damals nicht meinen Besuch angesprochen, hätt ich da wohl gar nix von mitbekommen. Naja, die beiden machten einen netten Eindruck. Hätte, glaub ich, kein Problem damit gehabt mit denen zusammen zu wohnen. Aber da Susana zu der Zeit nicht da war, rief sie der Typ an und meinte dann, das Zimmer wäre bereits vermietet. Fühlt sich dann noch toller an, wenn schon jemand feststeht, mit dem man zukünftig zusamen wohnt und noch nichtmal wusste, dass sich überhaupt was an den Mitbewohnern ändert.
Gestern Mittag sprach mich Jonas dann über Skype an und meinte, ob ich die Neue schon gesehen hätte. Da war sie also scheinbar eingetroffen. Er selbst hatte auch erst eine Minute mit ihr geredet. Als ich am Abend nach hause kam, war sie dann auch da. Ich sprach sie an um mal kurz hallo zu sagen. Sie scheint auch Spanierin zu sein und ich würd sie auf deutlich älter schätzen als mich. Sie war etwas zurückhaltend, stellte mir aber ihr Baby, das sie auf dem Arm hatte, und die andere Frau im Raum, die ich für ihre Mutter hielt, vor. Sie meinte dann noch irgendwas von zwei Monaten, was ich als die Zeit interpretiert habe, die sie bleiben wird. Alles sehr, sehr komisch. Vielleicht ist es eine Bekannte von Susana, die mal kurz nen Platz zum Schlafen brauchte. Es macht den Eindruck, als würden die drei jetzt zusammen in dem Zimmer wohnen. Auch wenn es laut Anzeige ein Doppelzimmer ist (das Bett ist recht groß), käm es mir zu dritt ein wenig eng vor, glaub ich.
Heute Mittag sprach ich mit Jonas. Wir waren uns einig, dass das nicht die feine Art ist einfach unsere Mitbewohnerin zu ändern ohne uns in irgendeiner Weise einzubeziehen. Also wenn das Mädel wirklich nur für zwei Monate bei uns ist, ist das ja nicht so schlimm (auch dann wäre es natürlich fair gewesen zumindest zu sagen, was vor sich geht), aber wenn da dauerhaft jemand einzieht, mit dem wir dann Monate unseres Lebens verbringen müssen, wüssten wir schon gerne, wer das ist und würden vielleicht auch gerne was dazu sagen. Man muss sich in seiner Wohnung doch wohlfühlen können, sich sicher fühlen und so. Das geht irgendwie schwierig, wenn jemand so eine Aktion startet. Nicht dass ich die Neue jetzt für ne Psychopatin halte oder sowas, aber wir wissen halt exakt nichts über sie. Das ist schon ziemlich blöde.
Nun also ist Susana weg. Und mit ihr Calvin. *schnief* Den werd ich echt vermissen. Vielleicht bin ich wirklich ein Katzen-Mensch. Auf jeden Fall fand ich das immer schön, dass er da war, auch wenn er immer sein Fell bereitwillig auf meine Klamotten verteilt und alles in meinem Zimmer angeknabbert hat. Statt ihm haben wir nun ein Baby und eine Mutter… ich bezweifle, dass das ein guter Tausch war. :) Naja, mal abwarten, was die nahe Zukunft so bringt.

Was geht sonst so? Ich verbringe momentan ziemlich viel Zeit auf dem Campus (wie auch jetzt gerade) und schaue mir diverse Vorlesungen an, die interessant klingen. Wenn ich da etwas klarer sehe, werd ich mich mal dazu äußern. Außerdem möchte ich noch was über das letzte Semester und dessen Vorlesungen schreiben. Das schaff ich am Wochenende bestimmt mal. So langsam sind ja alle weg, die nach dem ersten Semester gehen wollten und die Flut von Abschiedsfeten, die bisher echt Saison hatten, nimmt ab. Ich war in den letzten Tagen auf der einen oder anderen unterwegs. Ich werde das bestimmt bald merken, wer alles weg ist, wenn die Uni nicht mehr den ganzen Tag einnimmt. Aber bestimmt kommen neue Leute in mein Leben. Habe schon ein paar wenige Frischlinge getroffen. Da ich in diesem Semester aber vor hab hauptsächlich Vorlesungen auf spanisch zu hören (nicht nur freiwillig, sondern auch weil’s nicht anders in den Stundenplan passt), werd ich aber wohl generell weniger Erasmuslern in der Uni über den Weg laufen. Vorlesungen auf spanisch zu verstehen fällt mir schon leichter als ich dachte. Hätte ich im ersten Semester schon den Schwerpunkt auf diese gelegt, wär ich da jetzt bestimmt schon recht fit. Aber es ist generell immer einfacher sich mit einem einzelnen Spanier zu unterhalten (In einer Vorlesung fällt ja sogar noch der eigene Part weg und das Vokabular ist relativ begrenzt.) als einer Unterhaltung zwischen mehreren zu folgen. Gemerkt hab ich das wieder gestern Abend auf der Geburtstagsfete von Sonja. Sie wohnt mit ein paar Spaniern zusammen, die auch dort waren. Wenn die sich unterhalten haben, konnte man genausogut weghören. Aber zum Schluss war nur noch einer da und Sonja und ich haben uns ne ganze Weile mit ihm unterhalten (nicht nur über’s Wetter). Das ging erstaunlich gut. Jetzt wo die Prüfungen vorbei sind, muss ich meine Tandems mal wieder reaktivieren.

Meine nahe Zukunft wird wohl hauptsächlich daraus bestehen mir über meinen Stundenplan klar zu werden und mir vielleicht nen anständigen Sprachkurs in der Stadt zu suchen (vielleicht erst nachdem ich dem der Uni ne Chance gegeben habe).

Nachtrag: Jonas hat eben noch ein paar Worte mit unseren neuen Mitbewohnern gewechselt. Scheinbar macht das Mädel hier sowas wie ne Diplomarbeit. Die drei kommen aus Guatemala und gehen dorthin auch am letzten Tag des März wieder hin. Ab 1.4. haben wir dann also wohl wieder andere Leute hier. Jonas meinte, er wolle mal mit Susana reden. Wenn die hier nicht irgendwann nochmal auftaucht, muss das wohl über’s Telefon passieren.

Weg isses, das Semester

February 3rd, 2007

Mann, is Deutschland kalt. Immer das gleiche hier. So… anders. :)
Mir fällt immer mehr auf: Der Bereich um eine Supermarkt-Kasse herum in Deutschland beispielsweise ist eine völlig andere Welt als in Spanien.
Also ich habe die Zeit bis zu der Prüfung gut rum gekriegt. Ich habe mich vielleicht nicht vorbildlich, aber ausreichend vorbereitet und denke auch, dass das ganz gut was geworden sein könnte. Unterbrochen wurde das Lernen von unserem Paella-Essen, was in einem erstaunlich leeren, aber wirklich guten Paella-Restaurant stattfand und unserem letzten *schnief* Kochabend bei Bea und Heta. Dieser war ein Reste-Essen. Jeder brachte mit, was er noch im Schrank hatte (also die Leute, die bald gehen) und wir bauten irgendwas draus. Das klappte sehr gut. Nach dem Essen wurden noch ein paar Stunden lang USB-Sticks rumgereicht und viele, viele Fotos ausgetauscht.
Um Schluss hieß es dann Abschied nehmen von Heta, Bea und Isabel, weil die drei Ende Januar/Anfang Februar weg sind. Doofe Sache, so ein Abschied, aber wir haben ja schon das Konzept eines Plans uns alle wiederzusehen. Wahrscheinlich im Herbst diesen Jahres (wenn ich auch wieder da bin) und wahrscheinlich in Berlin, weil dort bei Isabel Platz zu sein scheint und man das von überall aus ganz gut erreichen kann.
Die Klausur war ganz OK. Artificial Intelligence habe ich geschrieben. Und unser Projekt in Real-Time Systems wurde auch akzeptiert, so dass wir das jetzt auch hinter uns haben. Somit ist das Semester für mich gelaufen. Ich muss mich jetzt zeitnah damit auseinandersetzen, wie das nächste aussehen soll.

Erstmal hab ich mich aber in die Obhut von Ryanair begeben und mich nach Deutschland fliegen lassen. Interessante Erfahrung, muss ich sagen. Ich weiß jetzt, wie sich ein Billig-Flieger so anfühlt… billig. :) Aber bei so kurzen Strecken und bei so viel Geld, das man spart, sieht man da locker drüber hinweg. Bisschen komisch war das Prozedere bezüglich der Abflugzeit. Kein Schimmer, was da genau gelaufen ist. Ich tippe mal, da hat jemand nen Fehler gemacht. Aber man findet keine Kontakt-Nummer von Ryanair, also werd ich es vielleicht nie erfahren. Der Flug war für 18:10 angesetzt. Ich hatte noch am Morgen auf der Ryanair-Seite nachgesehen, ob alles dabei bliebe (ich bin ja jetzt geschädigt mit schlechten Erfahrungen) und bekam es immer wieder bestätigt. Als ich dann so um kurz vor halb fünf am Flughafen eintraf, stand bei meinem Flug eine Abflugszeit von 17:00 und eine Boarding-Time von 16:30. Da war ich erstmal wieder geschockt. In fünf Minuten soll ich einsteigen?! Ich lief dann zum Gepäck-Schalter, wo noch eine sehr lange Schlange wartete. So arg schlimm konnte es also nicht gewesen sein, denn die Leute am Schalter machten keinen gestressten Eindruck. Irgendwie gab es auch überhaupt kein Zeichen dafür, dass der Abflug nahe wäre. Auch hinter dem Sicherheitscheck war alles ruhig. Auf dem Monitor stand weiterhin 17:00, aber es lief nix. Letztendlich waren wir dann so gegen sechs in der Luft, aber nirgendwo war die Rede von Verspätung oder sowas. Wir waren sogar eine halbe Stunde vor der mit genannten Ankunftszeit am Ziel. Bei der Landung gab es über die Lautsprecher einen Tusch, nach dem angepriesen wurde, dass Ryanair den Rekord halte bei pünktlichen Flügen. Wahrscheinlich geben die die Ankunftszeiten einfach sehr großzügig an. Ich fand das auf jeden Fall letztendlich toll, weil - kombiniert damit, dass der Bus vom Flughafen zum Bahnhof (trotz planmäßiger Abfahrt) auch eine halbe Stunde zu früh ankam - die Reise dadurch sehr stressfrei ablief.

Nun genieße ich ein paar Tage hier und werfe mich dann ins Getümmel des zweiten Semesters in Valencia. Wie das aussehen wird, lässt sich noch so gar nicht sagen. Klar steht was auf meine Learning Agreement, aber ich werd mich wohl wieder in der ersten Vorlesungswoche gründlich umsehen und mir dann was davon vermutlich relativ abweichendes bauen und genehmigen lassen.
Jetzt geh ich erstmal bowlen. :)