Vorgeschichte

Die vermutlich häufigste Frage, die ich von Leuten gehört habe, die von meinem Plan ein Jahr in Valencia zu studieren erfuhren, ist wohl: “Wie bist du dazu gekommen?” Selten konnte ich wirklich Poetisches darauf antworten.

Es begann wohl damit, dass ich mich entschloss Spanisch zu lernen. Das war so etwa zu Beginn des 5. Semesters, also vor 3/4 Jahr oder was und da gab es die Idee von einem Auslandsaufenthalt noch gar nicht.
In dem Semester war ich motiviert wie nie und sehr gut drauf. Da hab ich mir echt viel vorgenommen und durchgezogen; unter anderem eben Spanisch-Intensivkurse. Zu der Zeit dachte ich mir, dass es fein wäre neben Englisch eine zweite Fremdsprache zu können. Spanisch bot sich hier am ehesten an, denn das hatte ich schon zu Schulzeiten mal versucht zu lernen, dann aber wieder verworfen. Außerdem ist die Sprache ziemlich verbreitet auf der Welt, also wohl auch nicht so unpraktisch zu können (wenn man noch davon ausgeht, dass man sich damit notfalls noch mit portugiesisch oder italienisch sprechenden Menschen unterhalten kann, deckt man schon nen nicht so kleinen Teil der Bevölkerung ab, auch schon in Europa).

Irgendwann trat dann mein Freund und Kommilitone Flo auf mich zu und meinte, er wolle mal in eine Info-Veranstaltung unseres International Office gehen, in der es um Auslandsaufenthalte in Übersee ginge (also USA, Australien und son Zeugs). Das fand ich interessant, hatte grad nix vor und war dabei. So ein Aufenthalt ist natürlich tierisch Arbeit und man muss n Jahr vorher mit der Orga beginnen. Das wäre bei uns knapp geworden, da es quasi exakt einen perfekten Zeitpunkt für so eine Aktion gibt. Nämlich der, den ich nun gewählt habe. :) Später kam dann (ich weiß nicht mehr genau, wie) die Alternativ-Idee mit einem Erasmus-Aufenthalt auf, quasi als Plan B für Übersee. Wieder saßen Flo und ich in einer Info-Veranstaltung des International Office. Bei einer Erasmus-Aktion kann man sich im Vergleich zu allem anderen, so ziemlich an einen gedeckten Tisch setzen. Man muss sich beim heimischen Fachbereich bewerben und wenn man da genommen wird, ist der Rest Formsache. Da alles innerhalb der EU stattfindet, braucht man kein Visum oder ähnliches, man muss insgesamt sehr wenig organisieren. Zumindest in Deutschland. Im Gastland kann natürlich beliebig viel Organisation auf einen zukommen, je nachdem, wie die Gepflogenheiten dort sind (von Spanien hab ich da schon interessantes gehört).

Fragt mich nicht wieso, aber irgendwann stand der Entschluss sich da mal zu bewerben, weil… wär ja was. Die Wahl fiel bei uns beiden auf Spanien. (Flos Pläne haben sich mittlerweile allerdings zu Bath (UK) geändert.) Für mich war klar, dass es Spanien sein würde. Die Sprache, die ich ja schon dabei war zu lernen, war ein Argument, denn die englischsprachigen Länder sind immer extrem beliebt und ohne erstklassiges Vordiplom nur eine Seifenblase. Spanien war aber keine Notlösung für mich, denn ich finde die spanische Kultur, die Menschen, auch die Sprache sehr interessant und freue mich immer mehr darauf das alles aus der Nähe kennenzulernen. Es gab sogar einen Moment, in dem ich über Nicht-Spanien nachdachte und mir das überhaupt nicht gefiel. In mir wurden etwa einen halben Tag vor Bewerbungsende Zweifel laut, ob das mit der spanischen Sprache hinhauen würde. Ich spielte mit dem Gedanken mich für Skandinavien zu bewerben .(Für UK braucht man ein verdammt gutes Vordiplom.) Allerdings war mir nach etwas Nachdenken und Sprechen mit ein paar Leuten klar, dass es Spanien sein musste und dass es jetzt Spanien sein musste. Weder wollte ich mich für irgendein anderes Land bewerben noch wollte ich die ganze Aktion zeitlich verlegen.

Zu dieser Zeit kursierte außerdem noch die Möglichkeit “UNITECH“. Das ist ein Zusammenschluss herausragener europäischer Universitäten oder solcher, die sich für herausragend halten und die zusammen mit ebenfalls herausragenden Firmen Auslandsaufenthalte für auserwählte Studenten anbieten. Man kann sich dafür bewerben und kommt dann nach Barcelona, Paris oder so, macht ein Auslandssemester und macht dann später noch irgenwo in der Welt ein Auslandspraktikum. Zwischendurch macht man außerdem ncoh ein paar Business-Kurse und sowas. Zusammen mit viel Alumni-Kultur und viel fancy Business-Gehabe ist das was ganz was Feines, wenn es auf dem eigenen Lebenslauf zu finden ist. Ich dachte mir dann: Bewirb dich mal bei beidem, UNITECH nimmt dich vermutlich eh nicht, aber der Bewerbungsprozess an sich (mit Assessment-Treffen und all dem) wird schon lehrreich genug sein. Von der Bewerbung bei UNITECH sah ich dann wenig später wieder ab, weil die Bewerbung an sich schon sehr aufwendig gewesen wäre und ich zu er Zeit nicht mehr für sehr viel Stress und Arbeit zu haben war.
Es stand also eine Erasmus-Bewerbung bei der Fachgruppe, bei unserer Auslandsstudienberatung, an. Diese musste ein Bewerbungsschreiben und einen Lebenslauf in deutsch und - in meinem Fall - spanisch enthalten. Leider möchte man zusätzlich noch einen Nachweis über die vorhandenen Sprachkenntnisse haben. Hierfür kann man z.b. zu unserem romanistischen Institiut gehen, ein wenig mit einem Dozenten auf spanisch plaudern und sich von ihm dann ein entsprechendes Formular ausfüllen lassen. Die Details zu dieser Prüfung beschreibe ich vielleicht mal, wenn ich wieder hier bin und wirklich Spanisch kann. :)

Während im 5. Semester noch alles toll war, war ich im Gegensatz dazu zu Beginn des 6. unheimlich schlecht drauf, was wohl der Grund war, weswegen das alles auf den letzten Drücker geschah. Ich hatte den Termin für den Sprachtest am Tag nach der Deadline für die Bewerbung und die Unterlagen am Tag vorher oder so fertig. Habe dann mit unserem Berater ausgemacht beides am Tag nach der Deadline vorbeizubringen. Er war wohl schon erstaunt, dass ich, obwohl er mich nie für irgendwelche Fragen/Klärungen gesehen hat, so gut bescheid wusste, was zu tun war. Ich hatte mir alle wichtigen Informationen über Flo besorgt, der relativ häufig sein Gast oder eMail-Kontakt war. Ich war mir zu dieser Zeit gar nicht wirklich sicher, ob di Bewerbung ne gute Idee ist, aber ich dachte quasi: “Bewirb dich halt mal, dann kannste immer noch nen Monat drüber nachdenken, ob du das willst.” Denn einen Monat dauerte es, bis eine Antwort des Fachbereichs zu erwarten war. Ich bewarb mich für Valencia und (als inoffizielle Alternativen) für Bilbao und Ciudad Real. Der Berater meinte, das wäre ne gute Mischung von beliebten und weniger beliebten Unis. Wenn ich die Sache allerdings richtig sehe, hat sich außer mir sowieso nur noch ein Mensch für Spanien beworben.
Wie dem auch sei: Ich bekam schließlich eine Zusage für Valencia und da war natürlich nicht mehr viel mit drüber nachdenken, ob ich das wirklich will.

Denn Valencia war meine Traumauswahl. Bilbao wär wohl noch ok gewesen (liegt ja auch am Meer; zwar am falschen, aber immerhin), aber bei Ciudad Real hätt ich wohl drüber nachgedacht, ob das Spaß wird. Nicht ernsthaft, aber ich hätte mich wohl weniger drauf gefreut. Aber bei Valencia gab’s an sich kein Halten mehr. Da war ich dabei. Dummerweise hieß es dann erstmal abwarten. Die Fachgruppe meldete die Vorschläge und irgendwann sollte sich Valencia dann melden. Dies geschah auch nach einer Weile. Ich sollte noch etwas Papier ausfüllen und hinschicken. Ein Application Form und - *schauder* - das Learning Agreement. Das Teil hat mich etwas Mühe gekostet. Auf dem Wisch führt man auf, welche Vorlesungen man dort drüben besuchen will. Die Liste wird dann von Valencia und Aachen abgesegnet, was bedeutet, wenn du die hörst und damit wiederkommst, wird dir was da drauf steht angerechnet. Nun ist es so, dass der Vorlesungsplan in Valencia für das nächste und übernächste Semester vielleicht noch nicht der exakteste ist, man überhaupt noch nicht weiß, was man da hören will und wieviel Zeit einem überhaupt dafür bleibt. Hinzu kommt, dass die Aachener von ihren Studis 30 ECTS pro Semester verlangen, was dem Aufwand eines RWTH-Studenten entsprechen soll, der sein Studium in Regelstudienzeit durchzieht. Wir alle wissen, wie viele dieser Spezies existieren. Aber das Formular musste natürlich gefüllt werden und darum tat ich dies. Ein paar eMail-Absprachen mit dem Betreuer mussten schon sein, denn man darf natürlich nichts wählen, was nicht zu der Prüfung passt, die man sich anrechnen lassen will (bei mir wäre das die Diplomprüfung in der Praktischen Informatik). Zusätzlich zu dem Credit-Gerechne muss man also noch auf Schwierigkeitsgrad, Ausrichtung der Vorlesungen und fehlende Überschneidungen achten. Nicht ganz trivial also so einen Plan zu füllen. Letztendlich gelang es mir aber dann doch was Vernünftiges zusammenzustellen. Ein wichtiger Tipp: Wenn es mit sowas zeitlich drängt, lasst es den Berater wissen. :) Die Spanier haben einen ziemlich engen Zeitplan für diese Dokumente gefordert (und sich später mit der Bearbeitung umso mehr Zeit gelassen). Ich hatte am Tag vor der Deadline alles fertig; natürlich musste aber der Brief noch nach Spanien kommen. Als ich bei der Post nachfragte, ob man irgendwie ne schnelle Lieferung mit ein paar Euros garantieren könnte, wurde mir schnell klar gemacht, dass hier die Taktik, mit Geld nach dem Problem zu werfen, gar nicht so recht greift. Für schlappe 40 Euro hätte ich eine Express-Lieferung innerhalb von 1-3 Tagen realisieren können (mit ner effen Marke für nen Euro geht’s nahezu genauso schnell). Also wurde es die Standard-Marke und ich schrieb eine Mail an die zuständige Dame in Spanien, dass sie entschuldigen möge, dass sich das Schriftstück verspäte. Ihre Antwort: “Don’t worry. There is no problem with deadlines.” Ich glaube, das ist das Lebensmotto der Spanier, denn Deadlines sind da wirklich nicht so berühmt.

Nun denn, die Spanier wussten, was ich wollte, nun hieß es erneut warten. Ein paar Mails wurden ausgetauscht. Ich wurde auf den Intensiv-Sprachkurs hingewiesen, den die Uni in Gandia anbietet (einige zig Kilometer von Valencia entfernt). Dafür hab ich mich auch beworben, indem ich schlappe 10 Seiten oder so dahin gefaxt habe. Es gab noch ein paar Ungereimtheiten, weil ich den Sprachkurs nicht richtig mit einem anderen von der Uni angebotenen zu unterscheiden wusste, aber so von Mail zu Mail wurde alles ein wenig klarer.

Zum Thema “Deadlines” noch eine lustige Geschichte: In einer Mail wies man mich darauf hin, dass ich mich ab Mitte Mai auf der Homepage der Universidad Politécnica de Valencia (UPV) registrieren könne und solle. Der Monat Mai verstrich und unter dem angegebenen Link lächelte mich entweder nur ein “temporary not available” an oder man konnte sich zwar anmelden, jedoch nicht für das Studienjahr 2006/07. Ich wartete also und wartete… durch Zufall sah ich irgendwo in den Weiten des Internets einen anderen Link, der die gleiche Funktion zu haben schien. Ich dachte mir “warum nicht” und meldete mich kurzerhand mal an. Man musste dort seine Kontaktdaten angeben (nicht dass ich das nicht schon auf 3-4 Formularen getan hätte, die denen vorlagen) und seine Vorlesungen auswählen, die man hören möchte. Außerdem konnte man sich für einen Sprachkurs bewerben… ja, vor denen kann man sich kaum retten. Auf die Frage, welcher Kurs denn damit gemeint sei, wurde ich darauf hingewiesen, dass ich doch bitte warten möge bis ich dazu aufgefordert werde mich irgendwo anzumelden, was mir für Mitte Juni versprochen wurde. Irgendwann - es müsste fast Juli gewesen sein - erreichte mich dann endlich eine Mail mit einer Anmeldeaufforderung unter eben dem Link, den ich schon kannte. Meine Daten waren auch noch da, ich war also exakt so schlau wie vorher, denn ich wusste immer noch nicht, was genau ich tun sollte. Das Anmelde-Dings sagte, ich solle meine Daten ausdrucken und denen zuschicken. Natürlich besaßen die längst jede einzelne dieser Informationen, aber ich dachte mir, wenn die unbedingt wollen, bekommen sie’s halt nochmal. Über die Deadline für die Dokumente reden wir mal nicht. Die Mail mit der Anmeldeaufforderung erreichte mich erst ein paar Tage vor dieser. Ich füllte also alles mit viel Liebe aus und schickte einen weiteren Brief nach Spanien um dann wenig später eine Mail zu erhalten (die eigentlich die Leute, die sich noch nicht angemeldet hatten, daran erinnern sollte), in der nebenbei erwähnt wurde, dass Leute, die die genannten Informationen schon übermittelt hatten (Typen wie ich) das nicht nocheinmal zu tun brauchen… jaja, Wissen ist Macht.

In diesem Anmelde-Dings stand nun bis vor kurzem was von “waiting for acceptance” und ich wartete erneut. Sollte ich zwei Wochen lang nichts hören, so sollte ich mich melden. Ziemlich genau zwei Wochen nach meinem Brief wurde dann eben mein Warten mit einem “Application accepted” belohnt. Das sah ich nur, weil ich zufällig mal wieder auf der Seite vorbeischaute.

So, ab hier könnt ihr meine aufregenden Abenteuer dann im Blog-Format nachlesen. Ich werde immer mal wieder, wenn sich was tut, von mir lesen lassen. Bestimmt werde ich, wenn ich erstmal in Spanien bin, noch zig Mal irgendwo irgendwelche redundanten Daten übermitteln müssen um dann erneut “angenommen” zu werden… wir werden sehen.

Viel Spaß nun beim Lesen des Blogs, betrachten der Bilder etc. Meldet euch ruhig mal an und kommentiert was. Würde mich sehr freuen etwas Feedback zu erhalten.